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24.11.2014

08:51 Uhr

Separatisten unter Druck

Korruption zersetzt die Ostukraine

In den von Separatisten beherrschten Gebieten der Ukraine mangelt es an einer klaren Rechtsordnung. Korruption scheint allgegenwärtig, was auch Anhänger des Aufstands an dessen Erfolg zweifeln lässt.

Die Separatisten müssen um die Unterstützung der Bevölkerung fürchten. dpa

Die Separatisten müssen um die Unterstützung der Bevölkerung fürchten.

DonezkMit Kohle beladene Güterzüge stellen in den von Separatisten kontrollierten Gebieten der Ostukraine die Versorgung der Haushalte mit Strom und Wärme sicher. Kohle ist lebenswichtig für die umkämpfte Region, und sie steht zugleich im Zentrum des ersten Korruptionsskandals unter den neuen politischen Verhältnissen. Der frühere Energieminister der von den Separatisten ausgerufenen Volksrepublik Donezk, Alexej Granowski, beschuldigt Industrieminister Alexander Kaljuski, Geld aus dem Verkauf von Kohle an Kraftwerke in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Im Zuge von Ermittlungen wegen möglichen Amtsmissbrauchs wurden beide Männer inhaftiert.

Die unklare Rechtsordnung in den von Separatisten beherrschten Gebieten scheint der Korruption Vorschub zu leisten, die bereits unter dem im Februar gestürzten Präsidenten Viktor Janukowitsch blühte. Jegor Korossow, ein Berater der Regierung der Aufständischen, sagt, Opportunisten hätten ein im Kriegschaos entstandenes Machtvakuum ausgefüllt und spricht von „Parasiten, die sich an einen schnell fahrenden Zug angehängt haben“. Die Korruption lässt auch Menschen an der Separatistenbewegung zweifeln, die ihr sonst vielleicht gewogen wären: „Korruption ist überall“, sagt Nikolai Usow, ein Bewohner der Region Luhansk. „Wohin man auch geht, überall wollen sie Geld von einem.“

Anhänger Granowskis sind der Ansicht, er zahle den Preis dafür, den mutmaßlichen Betrug öffentlich gemacht zu haben. Bis er die Vorwürfe gegen Kaljuski erhob, war er Treibstoff- und Energieminister. Seine Frau, Natascha Granowskaja, spricht vom politischen Aspekt der Angelegenheit und erklärt, sie hoffe, die Führung der Republik sei einem Missverständnis aufgesessen.

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In einem Brief an die Sicherheitsdienste der Separatisten schilderte Granowski im Oktober eine Reihe mutmaßlicher Machenschaften, die die Regierung nach seiner Darstellung Millionen kosteten. Unter anderem soll Kohle von Minen über eine Mittelsfirma unter Kontrolle von Kaljuski an Kraftwerke verkauft worden sein. Dadurch habe Kaljuski Geld abschöpfen können. Seine Anhänger weisen die Vorwürfe zurück.

Ein früherer Beschäftigter eines der Kraftwerke erklärte der Nachrichtenagentur AP, Kaljuski habe ihm mit Festnahme gedroht, weil er Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Mittelsfirma geäußert habe. „Ich habe mich geweigert, die Waggons ohne Genehmigung von Alexej Iwanowitsch (Granowski) zu entladen, aber er war zu der Zeit auf einer Dienstreise in Moskau“, sagte der Mitarbeiter, der anonym bleiben wollte. Allein in diesem Kraftwerk in der Stadt Starobeschewe würden täglich mehr als 6000 Tonnen Kohle im Wert von rund 400.000 Euro verbraucht.

Kommentare (6)

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Herr Hans Karpf

24.11.2014, 09:34 Uhr

Gegen den Energieminister in Kiew wird wegen überteuerten Kohlekäufen aus Südafrika ermittelt. In Sachen Korruption tun sich beide Seiten nicht viel. Groß dagegen vorgegangen wird auch nicht.

Herr der Ringe

24.11.2014, 10:40 Uhr

>> Korruption zersetzt die Ostukraine >>

Vor allem zersetzt die Korruption den Schurkenstaat Ukraine selbst. Mittlerweile sind die Reste der Goldreserven verscherbelt, Ukraine ist BANKROTT !

Was ist das Ergebnis nach einem Jahr Maidan : sind die kriminellen Oligarchen verschwunden..?

NEIN, sämtliche Oligarchen aus der Regierung Janukowitsch sind weiterhin an der Macht beteiligt : Poroschenko, Jatzenjuk, Awakoiw, Turtschinow, Timoschenko, etc. !

Geht es dem Volk besser...? NEIN, in der Ostukraine hat man sogar die Rentenzahlungen eingestellt, in den Städten gibt es seit Sommer kein Warmwasser in den Wohnungen, der Strom wird stundenweise zugeteilt, der Verfall der Währung und die Inflation haben den Lebensstandard auf ein DRITTEL im Vergleich zu Zeiten vor Maidan heruntergezogen.

Können die Ukrainer dank dem Assiziierungsabkommen nach Europa reisen...NEIN, die Visabestimmungen sind verschärft.

Und zu all dem liegt die Ostukraine in Schutt und Asche, die eigentlich die einzige industriell entwickelte Region war. Die Westukraine ist eine Agrarregion, die selbst nicht lebensfähig ist.

Das sind die Ergebnisse nach dem Putsch der Junta auf dem Maidan.

Herr Andreas Kettler

24.11.2014, 11:11 Uhr

joah, das kann man so unterschreiben

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