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02.02.2015

21:38 Uhr

Seperatisten machen mobil

Ukrainische Rebellen starten Offensive

Die Kämpfe in der Ostukraine werden erneut angeheizt: Der Separatistenführer in Donezk kündigt eine „Generalmobilmachung“ von bis zu 100.000 Kämpfern an. Die Diskussionen über Waffenlieferungen aus den USA gehen weiter.

Die Separatisten hatten erklärt, sie wollten ihre Offensive in den Regionen Donezk und Lugansk ausweiten. dpa

Die Separatisten hatten erklärt, sie wollten ihre Offensive in den Regionen Donezk und Lugansk ausweiten.

DonezkNach den gescheiterten Friedensgesprächen im Ukraine-Konflikt haben die Separatisten im Osten des Landes neue Angriffe gestartet und eine Massen-Mobilmachung angekündigt. Ziel sei eine Streitmacht von 100.000 Mann, sagte ein Separatistenführer am Montag.

Die Regierung in Kiew sprach von mehr als 100 Angriffen auf Stellungen ihrer Truppen und Wohngebiete in 24 Stunden, wobei fünf Soldaten und mindestens ein Zivilist getötet worden seien. Der Druck der Separatisten führt einer Zeitung zufolge in den USA nun zu Überlegungen für Waffenlieferungen an die Ukraine. Die US-Regierung erklärte, es sei dazu keine Entscheidung getroffen worden.

Der russischen Nachrichtenagentur RIA zufolge kündigte der Führer der selbsternannten "Volksrepublik Donezk", Alexander Sachartschenko, eine Generalmobilmachung innerhalb von zehn Tagen an. "Zehntausende Männer werden einberufen", sagte er. Die gemeinsame Armee der Donezker sowie der Luhansker Volksrepublik werde dann 100.000 Mann umfassen. Er ließ offen, wie stark die Truppe jetzt sei. Auch die Ukraine hatte angekündigt, in einer vierten Welle weitere 50.000 Soldaten zu mobilisieren.

Westliche Regierungen werfen Russland vor, die Separatisten zu unterstützen. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko spricht von 9000 russischen Soldaten im Osten des Landes. Russland weist dies zurück. Wegen der Krise hatte die Europäische Union jüngst ihre Sanktionen gegen Russland verlängert.

Was ist „Neurussland“?

Neuer Streit um ein historisches Gebiet

In der Ostukraine haben prorussische Separatisten im Mai ihre „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk zu „Neurussland“ vereinigt. Auch Russlands Präsident Putin verwendete mehrfach diese Bezeichnung. Sie hat einen historischen Ursprung.

Feldzüge gegen Türken

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde ein Militärbezirk nördlich des Schwarzen Meeres so genannt. Neurussland reichte damals von Bessarabien (heute die Republik Moldau) bis zum Asowschen Meer. Zentrum war Krementschuk, etwa 300 Kilometer südöstlich von Kiew. Zur Zeit der Feldzüge gegen die Türken und das Krim-Khanat sollte die Ansiedlung russischer und ukrainischer Bauern sowie ausländischer Siedler das Grenzgebiet stabilisieren.

Auflösung nach Eroberung der Krim

1764 bildete Zarin Katharina die Große das „Neurussische Gouvernement“. Nach der Eroberung der Krim verlor Neurussland seine strategische Bedeutung und wurde rund 20 Jahre nach der Gründung wieder aufgelöst. Zar Paul I. bildete 1796 erneut ein kurzlebiges Verwaltungsgebiet Neurussland um den Hauptort Noworossisk, dem heutigen Dnjepropetrowsk.

Deutsche Siedler

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde ein russisches „Generalgouvernement Neurussland-Bessarabien“ geschaffen. Von 1818 bis etwa 1880 wurden wieder ausländische Siedler angeworben. Auch aus deutschsprachigen Gebieten kamen viele Menschen in die Steppen Neurusslands. Die Dörfer dieser „Schwarzmeerdeutschen“ existierten bis zu den Deportationen in der Stalin-Zeit.

Am Wochenende waren neue Gespräche über einen Waffenstillstand zwischen Separatisten-Führern, Russland und der Ukraine in der weißrussischen Hauptstadt Minsk gescheitert. Vor allem ist die Waffenstillstandslinie umstritten. Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte, eine Feuerpause müsse vorrangiges Ziel sein. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin forderte eine Ende der Kämpfe.

Angesichts der gescheiterten Friedensversuche wächst der "New York Times" zufolge in den USA die Bereitschaft, die Regierung in Kiew auch mit Waffen zu stützen. US-Außenminister John Kerry und US-Generalstabschef Martin Dempsey seien zu solchen Überlegungen bereit, berichtet das Blatt unter Berufung auf Regierungskreise. Ein Insider erklärte dazu, entsprechende Schritte würden wieder geprüft. "Was dabei herauskommt, wissen wir nicht." Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums sagte, man halte sich weiter alle Optionen offen. Außenminister Kerry wird am Donnerstag in Kiew zu Gesprächen mit Poroschenko erwartet. Vor dem Treffen werde vermutlich keine Entscheidung fallen, hieß es in hochrangigen US-Regierungskreisen.

Merkel lehnte deutsche Waffenlieferungen ab. "Deutschland wird die Ukraine nicht mit Waffen unterstützen. Ich bin fest davon überzeugt, dass dieser Konflikt militärisch nicht gelöst werden kann", sagte Merkel am Rande ihres Ungarn-Besuchs.

Im Visier ihrer Offensive haben die Separatisten offenbar den Ort Debalzewe genommen. Der Verkehrsknotenpunkt verbindet die Separatistenhochburgen Donezk und Luhansk. Eine Salve von mindestens drei Dutzend Raketen aus dem Separatistengebiet schlug in der Nähe des Ortes ein. 15 Minuten später wurde das Feuer von ukrainischem Militär erwidert. Ein Sprecher erklärte, man sei in der Region stark genug, um die Angriffe abzuwehren. Der Ukraine zufolge starben am Wochenende bereits mehrere Soldaten sowie etwa 15 Zivilisten.

Von

afp

Kommentare (6)

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Herr Vittorio Queri

02.02.2015, 12:39 Uhr

>> Alexander Sachartschenko, kündigt nun eine „Generalmobilmachung“ von bis zu 100.000 Kämpfern in den nächsten zehn Tagen an. >>

Bei noch verbliebenen ca. 4 Mio. Einwohnern ( aus 7 Mio. ) dürfte das kein großes Problem darstellen. Es werden sich auch sehr viele "FREIWILLIGE" aus anderen Staaten melden ( Abchasen, Oseten, Georgier, Armenier, Moldauer, Tschetschenen, Russen, Weissrussen, etc. ).

Gute Antwort auf die Mobilmachung des desillusionierten, unmotivierten, demoralisierten Nachschub-Kanonenfleisches der Junta !

elly müller

02.02.2015, 12:57 Uhr

Unglaublich! Wie kommt der dazu in einem Land eine Mobilmachung auszurufen! Können die nicht endlich friedlich miteinander reden???? Nein, denn das will ja Russland nicht! Siehe Syrien, da geht auch nichts vorwärts , Putin liefert ununterbrochen Waffen und findet das alles so in Ordnung! Die Welt schaut zu und lässt sich diese Aggressivitäten von diesem kleinen Möchtegernzar gefallen! Pfui Teufel!

Account gelöscht!

02.02.2015, 13:03 Uhr

Ich denke wir erleben gerade eine neue Staatsbildung aus dem verwesenden Kadaver der Ukraine. Das ehemalige Neurussland entsteht neu in seinen historischen Grenzen!

https://deepresource.files.wordpress.com/2014/03/novoro10.jpg

Das Schicksal der Restukraine ist ungewiss, denn die USA werden ihr Interesse am selbst geschaffenen und überschuldetem “failed state“ verlieren und die EU wird wohl ein Protektorat mehr verwalten müssen!

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