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21.02.2006

19:26 Uhr

Serbien dementiert Festnahme

Kriegsverbrecher Mladic offenbar gefasst

Der als Kriegsverbrecher gesuchte bosnisch-serbische Ex-General Ratko Mladic ist einem Agenturbericht zufolge in Belgrad gestellt worden.

Ratko Mladic. Archivbild: ap, 1995

Ratko Mladic. Archivbild: ap, 1995

HB BELGRAD. Die Behörden bemühten sich, Mladic zur Kapitulation zu bewegen, sagte ein ranghoher Mitarbeiter der serbischen Staatssicherheit am Dienstag der Nachrichtenagentur AP. Die Nachrichtenagentur Tanjug hatte zuvor gemeldet, der Exgeneral sei bereits festgenommen worden. Dies dementierte die Regierung in Belgrad jedoch umgehend.

Mladic werde auf einen US-geführten Luftwaffenstützpunkt in der Stadt Tuzla gebracht, meldete Tanjug. Anschließend solle er an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag überstellt werden. Mladic wird für das Massaker von Srebrenica und andere Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht. In der UN-Schutzzone wurden im Juli 1995 8 000 muslimische Männer und Jungen von bosnisch-serbischen Truppen getötet.

Ein Sprecher des serbischen Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica wies die Informationen über eine Festnahme Mladics als „Manipulation“ von Details zurück. Es handele sich um einen Versuch, die Bemühungen der Regierung um eine Festnahme des Gesuchten zu boykottieren, sagte Srdjan Djuric.

Die serbische Regierung steht unter wachsendem Druck, Mladic aufzuspüren und an das UN-Tribunal in Den Haag zu überstellen. Die Europäische Union hat Belgrad mit dem Abbruch der Gespräche über engere Beziehungen gedroht, sollte der Exgeneral nicht bis Ende des Monats gefasst sein.

Die Belgrader Armeespitze hatte unlängst bestätigt, dass Mladic bis Sommer 2002 den Schutz der Streitkräfte in Serbien genossen habe. Seitdem sei sein Aufenthaltsort unbekannt, behauptete der Geheimdienst.

Serbische Medien hatten berichtet, dass Mladic Millionensummen für seine freiwillige Übergabe gefordert haben soll. Die Auslieferung des Generals könnte in den nächsten zehn Tagen geschehen, spekulierten die Belgrader Zeitungen am Dienstag.

Am Freitag scheiterte im Parlament von Serbien-Montenegro die Abstimmung über eine Gesetzesvorlage, die das Einfrieren von Eigentum und Bankkonten der vom UN-Tribunal angeklagten, flüchtigen Serben vorsieht. Wegen Beschlussunfähigkeit wurde die Sitzung auf unbestimmte Zeit vertagt. Nutznießer der Situation ist auch der untergetauchte Mladic.

Neben Mladic sind noch fünf Verdächtige auf freiem Fuß, gegen die das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag Anklage erhoben hat:

- Radovan Karadzic: Der frühere Präsident der bosnischen Serben wird wegen Völkermordes gesucht und soll das Massaker von Srebrenica angeordnet haben, bei dem 1995 mehr als 7.500 bosnische Muslime getötet wurden. Es wird vermutet, dass er sich in Bosnien versteckt.

- Zdravko Tolimir: Der ehemalige Geheimdienst- und Sicherheitsoffizier soll ebenfalls an dem Massaker von Srebrenica beteiligt gewesen sein. Angeblich verhandelte er in den vergangenen Monaten mit der serbischen Regierung darüber, sich dem Haager Tribunal zu stellen.

- Goran Hadzic: Ehemals Präsident der selbstproklamierten Serbischen Republik Krajina in Kroatien. Er flüchtete 2004 aus seiner Villa, kurz bevor er festgenommen werden sollte.

- Stojan Zupljanin: Dem ehemaligen Polizeikommandeur werden Mord und Folter in der Gegend um Banja Luka vorgeworfen.

- Vlastimir Djordjevic: Der frühere Polizeigeneral wird vom Kriegsverbrechertribunal unter anderem für die Vertreibung von 800 000 Albanern verantwortlich gemacht. Er ist vermutlich in Russland untergetaucht.

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