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19.10.2014

20:41 Uhr

Serbien und Albanien

Neustart der Beziehungen verschoben

Nach jahrzehntelanger tiefer Feindschaft sollte der historische Besuch des albanischen Regierungschefs in Belgrad die zerrütteten Beziehungen kitten. Doch nach neuen Konflikten wurde er verschoben.

Der albanische Premier Edi Rama verschiebt seinen Besuch in Belgrad. dpa

Der albanische Premier Edi Rama verschiebt seinen Besuch in Belgrad.

Nach knapp 70 Jahren wollte Edi Rama als erster albanischer Regierungschef am Mittwoch Serbien besuchen. Doch wenige Tage nach dem serbisch-albanischen Fußballskandal sind Rama und sein serbischer Amtskollege Aleksandar Vucic übereingekommen, das historische Treffen auf den 10. November zu verschieben. Es gebe noch zu viele „klare Meinungsverschiedenheiten“ über das Fußballspiel zwischen den Nachbarn am letzten Dienstag in Belgrad, hätten beide Spitzenpolitiker in einem Telefongespräch festgestellt, hieß es.

Der Abbruch des Qualifikationsspiels zur Fußball-WM zwischen beiden Ländern in Belgrad nach einer Schlägerei von Spielern und Zuschauern ist nur der Schlusspunkt einer langen Geschichte vergifteter Beziehungen. Es begann gleich nach der Selbstständigkeit Albaniens 1912, als serbische Verbände einen Teil des neuen Staates besetzten.

Den Serben ging es in den folgenden beiden Balkankriegen (1912/13) um einen Zugang zur Adria auf albanischem Territorium. Dabei kam es zu schweren Kriegsverbrechen an den Albanern. Damals wie heute behaupten Serben, die albanische Nation sei zivilisatorisch zurückgeblieben. Dagegen sehen sich die Albaner als Abkömmlinge der illyrischen Urbevölkerung zur Zeitenwende mit deutlich älteren Rechten als die im 6. Jahrhundert eingewanderten Slawen.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg gingen die Nachbarn unterschiedliche Wege. Albanien verschmähte das Angebot des Partisanenführers Josip Broz Tito, einer Balkanföderation beizutreten. In Jugoslawien mit Serbien als Kernland entstand nach dem Zerwürfnis mit dem sowjetischen Diktator Stalin eine Art Gulaschkommunismus: Eine milde Form des Kommunismus mit weitgehender Reisefreiheit und bescheidenem Wohlstand.

Albanien entwickelte im engen Schulterschluss mit Stalin und dann mit Maos China eine ultraorthodoxe Form des Kommunismus. Als erstes Land weltweit verbot Tirana alle Religionen.

Kommentare (2)

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Frau Ellis Müller

20.10.2014, 08:02 Uhr

Serbien und Albanien, beides Beitrittskanditaten zur EU.

Herr nuri osa

20.10.2014, 14:18 Uhr

Kompliment für diesen ehrlichen und geschichtlich korrekten Artikel .
Man findet leider sehr selten ein artikel in den Medien wo so ausfürlich und korrekt die geschichtlichen Ereignise geschildert sind wie in diesem Artikel .
Deshalb möchte ich an diesem Punkt einen riesen Kompliment aussprechen.
Die Geschichte Albaniens wurde mesitens durch Propaganda der Serben und Russen oft absolut flasch dargestellt und leider sind viele Journalisten ewig darauf reingefallen und die Propaganda einfach als die wahre Geschichte übernommen.


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