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24.09.2015

13:58 Uhr

Serbien und Kroatien

Flüchtlingskrise sorgt für Zank unter Nachbarn

Die Nachbarn Serbien und Kroatien geraten sich wegen Zehntausender Flüchtlinge in die Haare. Grenzen werden geschlossen, der Handel ausgesetzt – und die Regierungschefs beschimpfen sich. Kann die EU helfen?

Die Flüchtlingsproblematik bringt Kroatiens Premier Zoran Milanovic Ärger mit seinem serbischen Amtskollegen Aleksandar Vučić. ap

Zoran Milanovic

Die Flüchtlingsproblematik bringt Kroatiens Premier Zoran Milanovic Ärger mit seinem serbischen Amtskollegen Aleksandar Vučić.

Belgrad/ZagrebDas jüngste EU-Mitglied Kroatien und der Beitrittskandidat Serbien haben sich wegen der Flüchtlingskrise auf einen bitteren Streit eingelassen. Nachdem Kroatien seine Grenzen gesperrt hatte, verbot Serbien am Donnerstag die Einfuhr kroatischer Waren. Zagreb antwortete mit einem Einreiseverbot für Pkw mit serbischen Kennzeichen. Hintergrund ist der Konflikt um fast 50.000 Flüchtlinge, die in der letzten Woche von Serbien an die Grenzen mit Kroatien gebracht wurden.

„Das läuft zum Schaden Serbiens“, sagte der kroatische Regierungschef Zoran Milanovic am Donnerstag in Zagreb. Der gegenseitige Warenboykott werde Serbien mehr als seinem Land schaden, hatte er schon früher behauptet. Er beschuldigte erneut seinen serbischen Amtskollegen Aleksandar Vucic des Wortbruchs.

Rekordzahlen zur Flüchtlingskrise

500.000

Mehr als 500.000 Menschen haben nach Angaben der EU-Grenzschutzagentur Frontex zwischen Januar und August dieses Jahres bereits die Europäische Union erreicht. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr waren es 280.000 Menschen.


Von den in der EU angekommenen Flüchtlingen haben dem UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) zufolge mehr als 411.000 das Mittelmeer überquert. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) nannte sogar die Zahl von mehr als 600.000 Bootsflüchtlingen. Mehr als 3100 kamen demnach bei der gefährlichen Überfahrt ums Leben.

466.000

So viele Flüchtlinge kamen der IOM zufolge in diesem Jahr bereits in Griechenland an.

137.000

Rund 137.000 Menschen landeten nach einer Überfahrt über das Mittelmeer in Italien.

200.000

Die ungarischen Behörden gaben die Zahl der seit Jahresbeginn in Ungarn angekommenen Flüchtlinge zuletzt mit 200.000 an. Die Schutzsuchenden kamen vor allem über die sogenannte Balkanroute ins Land.

160.000

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hat vorgeschlagen, 160.000 Asylsuchende aus den Haupt-Ankunftsländern Griechenland, Ungarn und Italien auf die 28 EU-Mitgliedstaaten umzuverteilen. Juncker fordert eine verbindliche Quotenregelung für die künftige Flüchtlingsverteilung.

63.000

Rund 63.000 Flüchtlinge trafen seit Ende August am Münchner Hauptbahnhof ein - davon jeweils 20.000 an den beiden vergangenen Wochenenden.

1.000.000

Eine Million Flüchtlinge könnte Deutschland nach Aussage von Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) in diesem Jahr aufnehmen. Das Bundesinnenministerium geht offiziell weiterhin von 800.000 Asylbewerbern aus.

12.000.000

Offiziellen Schätzungen zufolge sind zwölf Millionen Syrer auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat. Davon gelten acht Millionen als im eigenen Land vertrieben, weitere vier Millionen flüchteten ins Ausland. Mehr als 250.000 Menschen wurden seit Ausbruch des Konflikts 2011 getötet.

Dem UNHCR zufolge sind die Hälfte der über das Mittelmeer kommenden Flüchtlinge Syrer. Die zweitgrößte Gruppe sind demnach Afghanen mit 13 Prozent, gefolgt von Eritreern mit acht Prozent. In Griechenland sind 70 Prozent der ankommenden Flüchtlinge Syrer und 19 Prozent Afghanen.

Während der zugesichert habe, den Flüchtlingsansturm zu bremsen, sei nichts geschehen. „Wir haben die alle aufgenommen, aber jetzt können wir nicht mehr“, sagte der Politiker. Wenn Serbien die Flüchtlinge von Kroatien nach Ungarn umleite, könnten die Grenzen wieder geöffnet werden.

„Wir werden nicht antworten, auf Wahnsinn gibt es keine Reaktion“, entgegnete Vucic in Belgrad. Er erwarte, dass die EU die Grenzöffnung durchsetze. Das serbische Außenministerium schickte Kroatien eine Protestnote. Die Einreisesperre für Serben beziehungsweise serbische Autos „ist in der zivilisatorischen Welt noch nicht verzeichnet worden“, heißt es darin: „Das kann man nur vergleichen mit den Maßnahmen zur Zeit des faschistischen Staates Kroatien“ im Zweiten Weltkrieg.

Von

dpa

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