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02.03.2014

16:03 Uhr

Sergej Aksjonow

Moskaus neuer Mann auf der Krim

Der verlängerte Arm Russlands auf der Halbinsel Krim heißt seit wenigen Tagen Sergej Aksjonow. Doch wer ist dieser neue Mann, den selbst in der autonomen Republik bis vor kurzem keiner wirklich kannte?

Sergej Aksjonow: Seit 27. Februar führt der putintreue Politiker die Regierungsgeschäfte auf der Krim. dpa

Sergej Aksjonow: Seit 27. Februar führt der putintreue Politiker die Regierungsgeschäfte auf der Krim.

KiewSelbst auf der Krim war der Politiker Sergej Aksjonow (41) bis vor kurzem für viele Bürger ein unbeschriebenes Blatt. Mit seiner moskautreu Partei „Russische Einheit“ hatte der Geschäftsmann bei der Parlamentswahl auf der Halbinsel 2010 gerade einmal vier Prozent der Stimmen erhalten.

Dass der Mann mit dem militärisch kurzen Haarschnitt über Nacht zum neuen Regierungschef der Halbinsel aufgestiegen ist, zählt zu den Polit-Wirrungen dieser Tage in der Ukraine. Die neue Staatsführung in Kiew erkennt die Wahl Aksjonows vom 27. Februar nicht an, nachdem zuvor Parlament und Regierungssitz auf der Halbinsel gestürmt worden waren.

Ukrainische Aktivisten werfen dem Ministerpräsidenten der Krim vor, ein Agent Moskaus zu sein und Kontakte zur Mafia zu unterhalten. Aus Aksjonows Umfeld klingt das erwartungsgemäß ganz anders. Der aufstrebende Politiker genieße einen hervorragenden Ruf in der Geschäftswelt der Krim und sei auch in der nationalen Politik der Hauptstadt Kiew bestens vernetzt, heißt es.

Der Konflikt auf der Krim

Kurz nach dem Umsturz

26. Februar: Wenige Tage nach dem Umsturz in der ukrainischen Hauptstadt Kiew geraten auf der Krim Anhänger und Gegner einer Annäherung an Russland aneinander. Tausende Krimtataren demonstrieren gegen eine Abspaltung der autonomen Republik. Prorussische Demonstranten fordern die engere Anbindung an Moskau.

Bewaffnete besetzen Parlament

27. Februar: Bewaffnete besetzen Regionalparlament und Regierungsgebäude in der Hauptstadt Simferopol - um die russische Bevölkerung auf der Krim zu verteidigen, wie sie sagen. Das prorussische Krim-Parlament spricht sich für eine Volksbefragung über die Autonomie der Region aus und setzt die Regierung ab.

„Militärische Invasion“

28. Februar: Eine bewaffnete prorussische Gruppe besetzt kurzzeitig den Flughafen der Hauptstadt. Das ukrainische Parlament appelliert an Moskau, alles zu unterlassen, was die territoriale Einheit des Landes gefährde. Nach ukrainischen Berichten sind auf der Krim russische Militärmaschinen mit rund 2000 Soldaten gelandet. Interimspräsident Alexander Turtschinow spricht von einer „militärischen Invasion“ unter dem Deckmantel einer Übung.

Putin bereitet Militäreinsatz vor

1. März: Der russische Föderationsrat stimmt auf Bitten von Kremlchef Wladimir Putin einem Militäreinsatz auf der Krim zu. Der moskautreue neue Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow hatte Russland zuvor um Beistand gebeten.

Aksjonow wurde 1972 in der damaligen Sowjetrepublik Moldawien (heute: Moldau) geboren. Seine Ausbildung erhielt er an der Simferopoler Militärschule für Politoffiziere. Nach dem Abschluss 1993 arbeitete er als stellvertretender Direktor in verschiedenen Unternehmen auf der Krim. Der Vater einer Tochter und eines Sohnes tauchte 2008 zum ersten Mal in der ukrainischen Politik als Mitglied der russischen Gemeinschaft auf.

Seinen großen Auftritt hatte Aksjonow, als das Parlament der Krim und der Regierungssitz Ende Februar von prorussischen Kräften eingenommen wurden. „Die Leute sind hier versammelt, um ihre Geschichte, ihre Sprache und ihre Kultur zu verteidigen“, sagte Aksjonow in Simferopol, einen Tag vor seiner Wahl zum Ministerpräsidenten der Krim.

Eine seiner ersten Äußerungen im neuen Amt: „Viktor Janukowitsch bleibt der gewählte Präsident der Ukraine. Wir werden seinen Anweisungen Folge leisten.“ Kurz darauf forderte Aksjonow Russlands Präsident Wladimir Putin auf, für „Frieden und Ordnung“ auf der Krim zu sorgen. Daraufhin, so kritisiert die Führung der Ukraine, habe Moskau seine Truppen Richtung Krim losgeschickt

Von

dpa

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