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09.02.2006

15:45 Uhr

Serie: China am Scheideweg

Bunt und online, aber unfrei

VonAndreas Hoffbauer

So viel Angebot war noch nie. Zeitungskioske in Peking spannen bereits Seile und Drähte am Straßenrand, um der Magazin-Schwemme Herr zu werden. Doch nach wie vor hält Chinas Staatsapparat Medien und Internet fest unter Kontrolle.

Massen von Menschen warten 2003 auf Sonderausgaben zur Rückkehr der Raumfähre Shenzhou 5. Auch über dieses Thema konnte nur nach staatlichen Richtlinien berichtet werden. Foto: dpa

Massen von Menschen warten 2003 auf Sonderausgaben zur Rückkehr der Raumfähre Shenzhou 5. Auch über dieses Thema konnte nur nach staatlichen Richtlinien berichtet werden. Foto: dpa

PEKING. Neben den alten kommunistischen Sprachrohren wie der „Volkszeitung“ oder der „Peking Jugendzeitung“ flattern an den Zeitungskiosken nun westliche Hochglanz-Titel im Wind. Ob „Vogue“, „Rolling Stone“, „Kicker“ oder „Auto-Bild“ – alle sind bereits mit einer chinesischen Ausgabe vertreten.

Chinas mediales Erwachen ist nicht zu übersehen. Auch im Fernsehen und im Internet – überall bunte Shows und Infotainment, Chatrooms und Webseiten, oft auf Englisch. Und das Angebot nimmt rapide zu. Mit knapp 95 Millionen verkauften Tageszeitungen ist China weltweit der größte Markt. Auch das Internet boomt. Inzwischen sei „jede Ecke des chinesischen Reiches“ online, verkündete das Informationsministerium jüngst voller Stolz.

China – die große Freiheit? Der Schein trügt. Parteipropaganda und Staatszensur haben Medien und Journalisten nach wie vor fest Griff. Jeder Artikel, jede Sendung, jede Radio-Nachricht – alles unterliegt in China genauen Vorgaben und strengen Kontrollen. Erlaubt wird nur, was im Interesse der Partei zuvor abgesegnet wurde.

Live-Übertragungen sind darum relativ selten. Selbst der Start von Chinas erster bemannter Raumkapsel vor zwei Jahren wurde zeitversetzt ausgestrahlt, um ein PR-Desaster zu vermeiden. Der 11. September fand in China ebenfalls erst nach einigen Stunden im Staats-TV statt. Erst musste das Propagandaministerium die Marschroute festlegen.

Nach Angaben der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ rangiert China in Sachen Pressefreiheit ganz unten, gerade noch besser als Libyen, Iran und Nordkorea. Nicht gerade eine Empfehlung. Zumal in keinem Land so viele Journalisten im Gefängnis sitzen, wie die Organisation recherchiert hat. Im vergangenen Jahr kamen 32 Journalisten und 54 Internet-Dissidenten in China hinter Gitter.

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