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09.09.2011

19:40 Uhr

Serie: Mein 11. September

„Dann kam eine Assistentin mit bleichem Gesicht herein“

VonMichael Hüther

Die Anschläge vom 11. September 2001 brannten sich tief ins Gedächtnis der Menschen. Wirtschaftsforscher Hüther rechnete mit dramatischen Folgen für die Konjunktur.

Michael Hüther, heute Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW). dapd

Michael Hüther, heute Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Es war ein ganz gewöhnlicher Tag. Ich hatte als Chefvolkswirt routinemäßige Besprechungen im Kreis der Kolleginnen und Kollegen, wobei die Frage im Mittelpunkt stand, ob es nicht erste Anzeichen für eine konjunkturelle Wende zum Besseren gebe, zumal auch die Finanzmärkte Beruhigungstendenzen aufwies. Dann kam eine Assistentin mit einigermaßen bleichem Gesicht herein und informierte uns über die schrecklichen Neuigkeiten.

Wir gingen zur Presseabteilung, um das Unfassbare irgendwie durch Bilder greifbar zu machen. Es hat kaum jemand gesprochen, die Bedrückung war mit Händen zu greifen. Glauben konnte es so recht niemand. Völlig unklar waren mir die denkbaren Folgen dieser schrecklichen Ereignisse. Klar schien nur, dass einerseits die Finanzmärkte über eine dramatische Verunsicherung auf Talfahrt geschickt würden und andererseits ein militärischer Gegenschlag der Vereinigten Staaten drohte.

Im Büro machte sich eine lähmende Stimmung breit. Angesichts solcher Drohpotenziale für die zivilisierte Welt musste noch ganz anderes möglich erscheinen. Die Rückkehr zur Arbeit war kaum möglich, es schwer die Gedanken zu ordnen. Alsbald verließen wir die Bank, wo wir in der 41. Etage untergebracht waren, und ich gebe zu, durchaus mit mulmigem Gefühl. Für den nächsten Morgen schien uns die Zeit gekommen, erste Überlegungen über die ökonomischen Folgen dieses 11. September anzustellen.

Doch am Abend dieses Tages war ich mehr denn je froh und dankbar, im Kreise der Familie zu sein. Zuhause haben wir die weitere Berichterstattung verfolgt, so langsam rundete sich das Bild. Wir haben nicht versucht, unseren damals vierjährigen Sohn diese Informationen vorzuenthalten, es wäre angesichts der Gespräche im Kindergarten am nächsten Morgen unrealistisch und sinnlos gewesen. So versuchten wir, das Geschehene einzuordnen, aber unsere tiefe Erschütterung und Verunsicherung nicht auf ihn zu übertragen.

Lesen Sie hier mehr persönliche Erinnerungen zum 11. September2001 von Handelsblatt-Korrespondenten sowie Prominenten aus Politik und Wirtschaft.

Ablauf der Anschläge vom 11. September 2001

08.38 Uhr

Die US-Luftfahrtbehörde FAA alarmiert die militärische Luftüberwachung NORAD, dass offenbar American Airlines Flug 11 von Boston nach Los Angeles entführt wurde.

08.46 Uhr

Der Flug AA 11, eine Boeing 767 mit 92 Menschen an Bord, schlägt im Nordturm des World Trade Centers ein. In der Fassade klafft einriesiges Loch, die oberen Stockwerke gehen in Flammen auf. Viele Menschen sind eingeschlossen, hunderte Rettungskräfte eilen zu dem Gebäudekomplex im Süden Manhattans.

09.03 Uhr

Eine zweite Boeing 767 von United Airlines mit 65 Menschen an Bord, die ebenfalls von Boston nach Los Angeles fliegen sollte, rast in den Südturm des World Trade Centers. Das Ereignis wird von Fernsehzuschauern rund um die Welt live verfolgt.

09.30 Uhr

US-Präsident George W. Bush, der eine Schule in Sarasota im Bundesstaat Florida besucht, tritt vor die Presse und sagt, das Land werde offenbar von Terroristen angegriffen.

09.37 Uhr

Eine Boeing 757 von American Airlines, unterwegs mit 64 Menschen von Washington nach Los Angeles, stürzt in das Pentagon und bringt einen Teil des Westflügels des Verteidigungsministeriums zum Einsturz.

09.45 Uhr

Die FAA schließt den Luftraum der USA, alle Flugzeuge müssen auf dem nächstgelegenen Flughafen landen. In Washington wird das Weiße Haus evakuiert.

09.59 Uhr

Der Südturm des World Trade Centers stürzt in einer gigantischen Staubwolke in sich zusammen. Hunderte Zivilisten und Rettungskräfte werden von den Trümmern verschüttet.

10.03 Uhr

Eine Boeing 757 von United Airlines mit 44 Menschen an Bord, die von New York nach San Francisco fliegen sollte, stürzt nahe Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania in ein Feld. Offenbar hatten Passagiere über Handy von den Anschlägen erfahren und sich gegen die Flugzeugentführer aufgelehnt.

10.28 Uhr

Auch der Nordturm des World Trade Centers stürzt ein. Über den Süden Manhattans legt sich eine dicke Schicht aus Schutt und Staub.

12.39 Uhr

Bush verspricht in einer weiteren Stellungnahme, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die US-Streitkräfte seien in die höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Anschließend wird der Präsident auf die Luftwaffenbasis Offutt im Bundesstaat Nebraska in Sicherheit gebracht.

13.50 Uhr

Der Bürgermeister von Washington, Anthony Williams, ruft für die US-Hauptstadt den Notstand aus.

15.35 Uhr

Ein US-Regierungsvertreter erklärt, dass das Terrornetzwerk El Kaida von Osama bin Laden verdächtigt werde, hinter den Anschlägen zu stecken.

17.20 Uhr

Ein Nachbargebäude der Zwillingstürme am World Trade Center stürzt ebenfalls ein. Das Hochhaus war durch herabfallende Trümmer schwer beschädigt worden.

20.30 Uhr

Der inzwischen ins Weiße Haus zurückgekehrte Bush wendet sich in einer im Fernsehen übertragenen Rede an die US-Bevölkerung. Darin kündigt er ein hartes Vorgehen gegen die Terroristen und diejenigen an, die den Drahtziehern der Anschläge Unterschlupf gewährt haben.

Kommentare (1)

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Pendler

10.09.2011, 11:24 Uhr

Einfach schrecklich diese Bilder. Und man denkt dann wieder an die Bilder aus den alten Geschichtsbüchern.

Bombennächte in Dresden, HH

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