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09.09.2011

11:46 Uhr

Serie: Mein 11. September

„Das Geschehen hatte für mich eine sehr persönliche Komponente“

VonMichael Meister

Die Anschläge vom 11. September 2001 brannten sich tief ins Gedächtnis der Menschen. Für Unionsfraktionsvize Meister brach danach alles weg, was bis dahin gegolten hatte.

Michael Meister, in der Fraktionsspitze der CDU zuständig für die Bereiche Wirtschafts- und Finanzpolitik. dpa

Michael Meister, in der Fraktionsspitze der CDU zuständig für die Bereiche Wirtschafts- und Finanzpolitik.

Zunächst war der 11. September ein ganz normaler Sitzungstag. Ich saß in meinem Berliner Büro und studierte Akten, als gegen 15.00 Uhr ein junger Mitarbeiter eines Kollegen reinplatze und aufgeregt von einem Unglück in New York berichtete. Der Fernseher wurde eingeschaltet und zeigte uns in der Tat einen brennenden Turm des World Trade Centers. Schnell kamen meine Mitarbeiter hinzu. „Welch ein tragischer Unfall“, war mein erster spontaner Gedanke.

Als ich aber mit Schrecken mit ansehen musste, wie ein zweites Flugzeug in den anderen WTC-Turm raste, verändert dies alles. Jetzt war mir endgültig klar, dies kann kein „normales“ Unglück sein. Die Dramatik vor dem Fernseher wuchs von Minute zu Minute ins Unermessliche. Da ich New York kenne und – wie so viele – schon auf dem WTC gewesen war, gewann das Geschehen am Fernseher eine sehr persönliche Komponente.

Wie gebannt verfolgten wir das Unfassbare auf dem Bildschirm. Nach und nach dämmerte es mir, dass dieser Anschlag auf die USA eine neue Qualität einläutet. Bislang hatte ich die Unverletzlichkeit der USA aufgrund der geographischen Lage als gegeben angesehen. Darüber brauchte man nie nachzudenken, es war eine Selbstverständlichkeit. Das galt für die US-Bürger wie auch für uns. Die Unverletzlichkeit war eine feste Konstante in der Wirtschafts- und Außenpolitik. Das alles galt jetzt plötzlich nicht mehr, brach einfach weg.

Was die Verletzlichkeit für langfristige Folgen haben würde, konnte ich mir nicht annähernd ausmalen. Aber mir war klar, ein solcher Terroranschlag kann jederzeit an jedem Ort wiederholt werden. Einen wirklichen Schutz gibt es nicht. Mit dieser Erkenntnis werden wir leben müssen.

Lesen Sie hier mehr persönliche Erinnerungen zum 11. September2001 von Handelsblatt-Korrespondenten sowie Prominenten aus Politik und Wirtschaft.

Ablauf der Anschläge vom 11. September 2001

08.38 Uhr

Die US-Luftfahrtbehörde FAA alarmiert die militärische Luftüberwachung NORAD, dass offenbar American Airlines Flug 11 von Boston nach Los Angeles entführt wurde.

08.46 Uhr

Der Flug AA 11, eine Boeing 767 mit 92 Menschen an Bord, schlägt im Nordturm des World Trade Centers ein. In der Fassade klafft einriesiges Loch, die oberen Stockwerke gehen in Flammen auf. Viele Menschen sind eingeschlossen, hunderte Rettungskräfte eilen zu dem Gebäudekomplex im Süden Manhattans.

09.03 Uhr

Eine zweite Boeing 767 von United Airlines mit 65 Menschen an Bord, die ebenfalls von Boston nach Los Angeles fliegen sollte, rast in den Südturm des World Trade Centers. Das Ereignis wird von Fernsehzuschauern rund um die Welt live verfolgt.

09.30 Uhr

US-Präsident George W. Bush, der eine Schule in Sarasota im Bundesstaat Florida besucht, tritt vor die Presse und sagt, das Land werde offenbar von Terroristen angegriffen.

09.37 Uhr

Eine Boeing 757 von American Airlines, unterwegs mit 64 Menschen von Washington nach Los Angeles, stürzt in das Pentagon und bringt einen Teil des Westflügels des Verteidigungsministeriums zum Einsturz.

09.45 Uhr

Die FAA schließt den Luftraum der USA, alle Flugzeuge müssen auf dem nächstgelegenen Flughafen landen. In Washington wird das Weiße Haus evakuiert.

09.59 Uhr

Der Südturm des World Trade Centers stürzt in einer gigantischen Staubwolke in sich zusammen. Hunderte Zivilisten und Rettungskräfte werden von den Trümmern verschüttet.

10.03 Uhr

Eine Boeing 757 von United Airlines mit 44 Menschen an Bord, die von New York nach San Francisco fliegen sollte, stürzt nahe Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania in ein Feld. Offenbar hatten Passagiere über Handy von den Anschlägen erfahren und sich gegen die Flugzeugentführer aufgelehnt.

10.28 Uhr

Auch der Nordturm des World Trade Centers stürzt ein. Über den Süden Manhattans legt sich eine dicke Schicht aus Schutt und Staub.

12.39 Uhr

Bush verspricht in einer weiteren Stellungnahme, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die US-Streitkräfte seien in die höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Anschließend wird der Präsident auf die Luftwaffenbasis Offutt im Bundesstaat Nebraska in Sicherheit gebracht.

13.50 Uhr

Der Bürgermeister von Washington, Anthony Williams, ruft für die US-Hauptstadt den Notstand aus.

15.35 Uhr

Ein US-Regierungsvertreter erklärt, dass das Terrornetzwerk El Kaida von Osama bin Laden verdächtigt werde, hinter den Anschlägen zu stecken.

17.20 Uhr

Ein Nachbargebäude der Zwillingstürme am World Trade Center stürzt ebenfalls ein. Das Hochhaus war durch herabfallende Trümmer schwer beschädigt worden.

20.30 Uhr

Der inzwischen ins Weiße Haus zurückgekehrte Bush wendet sich in einer im Fernsehen übertragenen Rede an die US-Bevölkerung. Darin kündigt er ein hartes Vorgehen gegen die Terroristen und diejenigen an, die den Drahtziehern der Anschläge Unterschlupf gewährt haben.

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