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09.09.2011

21:39 Uhr

Serie: Mein 11. September

„Es war wie der Beginn eines Alptraums“

VonDieter Graumann

Die Anschläge vom 11. September 2001 brannten sich tief ins Gedächtnis der Menschen. Für den Präsidenten des Zentralrats der Juden, Graumann, hat sich der Alltag mit den Anschlägen dramatisch verdüstert.

Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden. dpa

Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden.

Ich werde diesen Tag niemals vergessen. Jedes Detail hat sich unauslöschlich in mein Gedächtnis gebrannt: Ich war gerade in meinem Büro, als ich vom „ersten“ Flugzeug erfuhr. Da dachte ich noch, es wäre eventuell ein schrecklicher Unfall. Als dann aber das zweite Flugzeug einschlug, gab es natürlich keinen Zweifel mehr: Es musste sich um einen monströsen Anschlag handeln.

Es war wie der Beginn eines Alptraums. Die schrecklichen Bilder werden mir niemals aus dem Kopf gehen: Die einstürzenden Türme, der Rauch, die Panik und vor allem die vielen, so vielen unschuldigen Menschen, die hilflos sterben mussten. Ich spürte gleich: Das ist eine Katastrophe, die vieles verändern wird, unsere Welt wird künftig eine andere sein.

Inzwischen steht fest: Dieser Anschlag hat unseren Alltag wirklich dramatisch verdüstert. Die weltweit geschürte Angst, die unsäglichen Kontrollen und die leider notwendigen Sicherheitsmaßnahmen, die Einschränkung und geradezu die Umkehr von dem, was freies Reisen doch sein könnte, und der in weite Ferne katapultierte Traum einer friedvollen und sicheren Welt -  das sind die Konsequenzen, unter denen wir inzwischen tagtäglich zu leiden haben.

Diese fatale Eruption von islamistischem Terrorismus  hat unser gesamtes Leben verdunkelt und verarmt, unsere Freiheitsräume verengt, unsere Hoffnungen auf ein friedliches Miteinander verdüstert und unsere gesamte Lebensqualität dramatisch verschlechtert.

Wir dürfen uns aber unsere Freiheiten nicht aus Furcht einschränken und unseren Lebensstil schon gar nicht von Terroristen vorschreiben lassen. Diesen Triumph werden die Islamisten nicht bekommen. Wir dürfen auch nie vergessen, dass Tausende von unschuldigen Menschen getötet wurden. In ihren Familien haben sie eine Lücke hinterlassen, die niemals geschlossen wird, der Schmerz um ihren Verlust ist nicht verheilt.

Der 11. September ist ein Synonym geworden für den Angriff auf die Freiheit der Welt. Er sollte aber zugleich ein Synonym sein für eine im Kampf gegen den Terrorismus vereinte Welt, die wir gemeinsam menschlicher und sicherer gestalten wollen.

Lesen Sie hier mehr persönliche Erinnerungen zum 11. September2001 von Handelsblatt-Korrespondenten sowie Prominenten aus Politik und Wirtschaft.

Ablauf der Anschläge vom 11. September 2001

08.38 Uhr

Die US-Luftfahrtbehörde FAA alarmiert die militärische Luftüberwachung NORAD, dass offenbar American Airlines Flug 11 von Boston nach Los Angeles entführt wurde.

08.46 Uhr

Der Flug AA 11, eine Boeing 767 mit 92 Menschen an Bord, schlägt im Nordturm des World Trade Centers ein. In der Fassade klafft einriesiges Loch, die oberen Stockwerke gehen in Flammen auf. Viele Menschen sind eingeschlossen, hunderte Rettungskräfte eilen zu dem Gebäudekomplex im Süden Manhattans.

09.03 Uhr

Eine zweite Boeing 767 von United Airlines mit 65 Menschen an Bord, die ebenfalls von Boston nach Los Angeles fliegen sollte, rast in den Südturm des World Trade Centers. Das Ereignis wird von Fernsehzuschauern rund um die Welt live verfolgt.

09.30 Uhr

US-Präsident George W. Bush, der eine Schule in Sarasota im Bundesstaat Florida besucht, tritt vor die Presse und sagt, das Land werde offenbar von Terroristen angegriffen.

09.37 Uhr

Eine Boeing 757 von American Airlines, unterwegs mit 64 Menschen von Washington nach Los Angeles, stürzt in das Pentagon und bringt einen Teil des Westflügels des Verteidigungsministeriums zum Einsturz.

09.45 Uhr

Die FAA schließt den Luftraum der USA, alle Flugzeuge müssen auf dem nächstgelegenen Flughafen landen. In Washington wird das Weiße Haus evakuiert.

09.59 Uhr

Der Südturm des World Trade Centers stürzt in einer gigantischen Staubwolke in sich zusammen. Hunderte Zivilisten und Rettungskräfte werden von den Trümmern verschüttet.

10.03 Uhr

Eine Boeing 757 von United Airlines mit 44 Menschen an Bord, die von New York nach San Francisco fliegen sollte, stürzt nahe Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania in ein Feld. Offenbar hatten Passagiere über Handy von den Anschlägen erfahren und sich gegen die Flugzeugentführer aufgelehnt.

10.28 Uhr

Auch der Nordturm des World Trade Centers stürzt ein. Über den Süden Manhattans legt sich eine dicke Schicht aus Schutt und Staub.

12.39 Uhr

Bush verspricht in einer weiteren Stellungnahme, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die US-Streitkräfte seien in die höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Anschließend wird der Präsident auf die Luftwaffenbasis Offutt im Bundesstaat Nebraska in Sicherheit gebracht.

13.50 Uhr

Der Bürgermeister von Washington, Anthony Williams, ruft für die US-Hauptstadt den Notstand aus.

15.35 Uhr

Ein US-Regierungsvertreter erklärt, dass das Terrornetzwerk El Kaida von Osama bin Laden verdächtigt werde, hinter den Anschlägen zu stecken.

17.20 Uhr

Ein Nachbargebäude der Zwillingstürme am World Trade Center stürzt ebenfalls ein. Das Hochhaus war durch herabfallende Trümmer schwer beschädigt worden.

20.30 Uhr

Der inzwischen ins Weiße Haus zurückgekehrte Bush wendet sich in einer im Fernsehen übertragenen Rede an die US-Bevölkerung. Darin kündigt er ein hartes Vorgehen gegen die Terroristen und diejenigen an, die den Drahtziehern der Anschläge Unterschlupf gewährt haben.

Kommentare (2)

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Pendler

10.09.2011, 13:09 Uhr

Schrecklich, was derzeit in NYC passiert ist.

Und trotzdem bin ich sehr, sehr glücklich, dass es keinen Juden getroffen hat. Bedingt durch einen jüdischen Feiertag waren (dem Himmel sei Dank) Juden nicht unter den Opfern.

Trotzdem gedenken wir der vielen Tote von 9/11 und den vielen Toten in den Bombennächten in Dt.

Frager

11.09.2011, 02:49 Uhr

Warum gibt es hier nur zwei weibliche Zeitzeugen in der Serie?

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