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07.09.2011

16:48 Uhr

Serie: Mein 11. September

„Ich brach in Tränen aus“

VonUlrich Kelber

Die Anschläge vom 11. September 2001 brannten sich tief ins Gedächtnis der Menschen. Prominente aus Politik und Wirtschaft schildern, wie sie den Tag erlebten. SPD-Fraktionsvize Kelber sorgte sich um seine Verwandten.

Ulrich Kelber SPD

Ulrich Kelber

„Ein Jahr zuvor war ich in den Deutschen Bundestag nachgerückt und arbeitete in meinem Büro an der Friedrichstraße in Berlin. Eine Mitarbeiterin stürmte ins Zimmer und schaltete den Fernseher an. Ein Flugzeug war bereits in das WTC gelenkt worden, es herrschte noch Unsicherheit über die Gründe. Live mussten wir mit ansehen, wie das zweite Flugzeug hineingelenkt wurde. Jetzt war klar, dass es sich um Terroranschläge handeln musste.

Ich informierte meine Mutter, deren Schwester mit Mann in den 1960er Jahren nach New York ausgewandert war. Während das Handynetz in New York schon hoffnungslos überlastet war, erreichte ich meine Tante und meinen Onkel noch problemlos über das Festnetz in ihrem Haus im New Yorker Stadtteile Queens. Sie hatten noch gar nichts mitbekommen und wollten jetzt erst einmal versuchen, meine drei Cousins zu erreichen, von denen zwei in Downtown Manhattan arbeiteten.

Erst spät am Nachmittag war klar, dass meine Cousins in Sicherheit waren, als mein ältester Cousin staubbedeckt an seinem Haus angelangte. Bis dahin konnten ihn seine Frau und seine Eltern nicht erreichen.

Kurz nach dem Einschlag des zweiten Flugzeugs hatte ich im Büro des Bundestagspräsidenten angerufen, damit die laufende Plenartagung des Bundestages unterbrochen wird. Das passierte dann auch schnell. Ich erinnere mich noch gut daran, dass wir den restlichen Tag in einer größeren Gruppe per Fernsehen das Geschehen verfolgten. Wirre Spekulationen über das Ausmaß des Angriffs und dessen Folgen beherrschten den Tag.

Als ich die Bilder der Menschen sah, die sich aus dem WTC durch Selbstmord vor den Flammen retteten, brach ich in Tränen aus. Kaum zehn Monate vorher war ich noch im WTC gewesen. Als die Türme zusammenstürzten war das ein Schock, der noch viele Tage anhielt.“

Lesen Sie hier mehr persönliche Erinnerungen zum 11. September 2001 von Handelsblatt-Korrespondenten sowie Prominenten aus Politik und Wirtschaft.

Ablauf der Anschläge vom 11. September 2001

08.38 Uhr

Die US-Luftfahrtbehörde FAA alarmiert die militärische Luftüberwachung NORAD, dass offenbar American Airlines Flug 11 von Boston nach Los Angeles entführt wurde.

08.46 Uhr

Der Flug AA 11, eine Boeing 767 mit 92 Menschen an Bord, schlägt im Nordturm des World Trade Centers ein. In der Fassade klafft einriesiges Loch, die oberen Stockwerke gehen in Flammen auf. Viele Menschen sind eingeschlossen, hunderte Rettungskräfte eilen zu dem Gebäudekomplex im Süden Manhattans.

09.03 Uhr

Eine zweite Boeing 767 von United Airlines mit 65 Menschen an Bord, die ebenfalls von Boston nach Los Angeles fliegen sollte, rast in den Südturm des World Trade Centers. Das Ereignis wird von Fernsehzuschauern rund um die Welt live verfolgt.

09.30 Uhr

US-Präsident George W. Bush, der eine Schule in Sarasota im Bundesstaat Florida besucht, tritt vor die Presse und sagt, das Land werde offenbar von Terroristen angegriffen.

09.37 Uhr

Eine Boeing 757 von American Airlines, unterwegs mit 64 Menschen von Washington nach Los Angeles, stürzt in das Pentagon und bringt einen Teil des Westflügels des Verteidigungsministeriums zum Einsturz.

09.45 Uhr

Die FAA schließt den Luftraum der USA, alle Flugzeuge müssen auf dem nächstgelegenen Flughafen landen. In Washington wird das Weiße Haus evakuiert.

09.59 Uhr

Der Südturm des World Trade Centers stürzt in einer gigantischen Staubwolke in sich zusammen. Hunderte Zivilisten und Rettungskräfte werden von den Trümmern verschüttet.

10.03 Uhr

Eine Boeing 757 von United Airlines mit 44 Menschen an Bord, die von New York nach San Francisco fliegen sollte, stürzt nahe Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania in ein Feld. Offenbar hatten Passagiere über Handy von den Anschlägen erfahren und sich gegen die Flugzeugentführer aufgelehnt.

10.28 Uhr

Auch der Nordturm des World Trade Centers stürzt ein. Über den Süden Manhattans legt sich eine dicke Schicht aus Schutt und Staub.

12.39 Uhr

Bush verspricht in einer weiteren Stellungnahme, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die US-Streitkräfte seien in die höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Anschließend wird der Präsident auf die Luftwaffenbasis Offutt im Bundesstaat Nebraska in Sicherheit gebracht.

13.50 Uhr

Der Bürgermeister von Washington, Anthony Williams, ruft für die US-Hauptstadt den Notstand aus.

15.35 Uhr

Ein US-Regierungsvertreter erklärt, dass das Terrornetzwerk El Kaida von Osama bin Laden verdächtigt werde, hinter den Anschlägen zu stecken.

17.20 Uhr

Ein Nachbargebäude der Zwillingstürme am World Trade Center stürzt ebenfalls ein. Das Hochhaus war durch herabfallende Trümmer schwer beschädigt worden.

20.30 Uhr

Der inzwischen ins Weiße Haus zurückgekehrte Bush wendet sich in einer im Fernsehen übertragenen Rede an die US-Bevölkerung. Darin kündigt er ein hartes Vorgehen gegen die Terroristen und diejenigen an, die den Drahtziehern der Anschläge Unterschlupf gewährt haben.

Kommentare (1)

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Pendler

07.09.2011, 18:24 Uhr

Also ich kenne das sehr gut von meinen Großeltern, die die Bombennächte damals miterlebt haben.

Es muss einfach schrecklich sein, wenn --zig tausende / Nacht einfach durch Bomben getötet werden und ihrre Leicham Morgen verkohlt überall herum liegen. Es soll eine Sache sein, die jedem Menschen sehr nahe geht, der das mal miterlebt hat.

Besonders schlimm aber für die USA, weil sie bisher den Tod immer anderen gebracht haben und nun erleben mussten, dass es auch anders herum geht.

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