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09.09.2011

20:29 Uhr

Serie: Mein 11. September

„Ich war selbst in einem Wolkenkratzer – in Tokio“

VonMichael Sommer

Die Anschläge vom 11. September 2001 brannten sich tief ins Gedächtnis der Menschen. DGB-Chef Michael Sommer hielt sich in Japan auf und bewohnte ein Zimmer im 35. Stock eines Tokioter Hotels.

Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer. ap

Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer.

Als die Flugzeuge in das World Trade Center rasten, war ich selbst gerade in einem Wolkenkratzer – in Tokio. Ich war auf Dienstreise und während in New York gerade die Sonne aufging, war sie in Tokio schon untergegangen. Ich bin mit Kollegen abends noch in die Hotelbar gegangen, um den langen Tag gemütlich ausklingen zu lassen.

In der Bar standen zwei Bildschirme: Auf dem einem flimmerte ein Standbild des Pentagon, auf dem anderen sah man die Türme des World Trade Centers. Der Ton war aus und die Bauchbinden mit japanischen Schriftzeichen, die fast den halben Bildschirm bedeckten, halfen auch nicht weiter. Einer der Türme brannte und während wir auf den Bildschirm schauten, krachte ein Flugzeug in den zweiten Turm.

Wir hatten keine Ahnung, was das sollte. Ein Kollege fragte mich, was das denn für ein Spielfilm sei. Für uns sah alles nach Hollywood aus. Dass es sich um reale Bilder eines grauenvollen Terroranschlags handelte, kam uns nicht in den Sinn.

Nichtsahnend bin ich dann in mein Hotelzimmer gegangen. Wahrscheinlich wäre ich ebenso nichtsahnend eingeschlafen, wenn ich nicht auf Dienstreisen immer noch meine Frau anrufen würde. Von ihr erfuhr ich dann, was passiert war. Ich war schockiert und meine Frau war besorgt, weil mein Zimmer im 35. Stock des Hotels lag – man wusste ja nicht, was noch kommt.

Die ersten Auswirkungen der Terroranschläge bekam ich dann auf dem Flughafen zu spüren. Die Sicherheitskontrollen wurden massiv verschärft, überall waren Sicherheitskräfte und natürlich hatte ich ein mulmiges Gefühl. Ich musste ein Flugzeug besteigen und was gestern noch ein normales Verkehrsmittel war, galt plötzlich als potenzielle Waffe.

Auch die ersten Tage nach meiner Rückkehr standen ganz im Zeichen der Terroranschläge. Es gab Sondersitzungen, mögliche Szenarien wurden durchgespielt, Undenkbares war plötzlich denkbar. Ich hatte damals dasselbe Gefühl wie wohl die meisten Menschen weltweit: Nach diesem Tag bleibt nichts, wie es vorher war.

Lesen Sie hier mehr persönliche Erinnerungen zum 11. September2001 von Handelsblatt-Korrespondenten sowie Prominenten aus Politik und Wirtschaft.

Ablauf der Anschläge vom 11. September 2001

08.38 Uhr

Die US-Luftfahrtbehörde FAA alarmiert die militärische Luftüberwachung NORAD, dass offenbar American Airlines Flug 11 von Boston nach Los Angeles entführt wurde.

08.46 Uhr

Der Flug AA 11, eine Boeing 767 mit 92 Menschen an Bord, schlägt im Nordturm des World Trade Centers ein. In der Fassade klafft einriesiges Loch, die oberen Stockwerke gehen in Flammen auf. Viele Menschen sind eingeschlossen, hunderte Rettungskräfte eilen zu dem Gebäudekomplex im Süden Manhattans.

09.03 Uhr

Eine zweite Boeing 767 von United Airlines mit 65 Menschen an Bord, die ebenfalls von Boston nach Los Angeles fliegen sollte, rast in den Südturm des World Trade Centers. Das Ereignis wird von Fernsehzuschauern rund um die Welt live verfolgt.

09.30 Uhr

US-Präsident George W. Bush, der eine Schule in Sarasota im Bundesstaat Florida besucht, tritt vor die Presse und sagt, das Land werde offenbar von Terroristen angegriffen.

09.37 Uhr

Eine Boeing 757 von American Airlines, unterwegs mit 64 Menschen von Washington nach Los Angeles, stürzt in das Pentagon und bringt einen Teil des Westflügels des Verteidigungsministeriums zum Einsturz.

09.45 Uhr

Die FAA schließt den Luftraum der USA, alle Flugzeuge müssen auf dem nächstgelegenen Flughafen landen. In Washington wird das Weiße Haus evakuiert.

09.59 Uhr

Der Südturm des World Trade Centers stürzt in einer gigantischen Staubwolke in sich zusammen. Hunderte Zivilisten und Rettungskräfte werden von den Trümmern verschüttet.

10.03 Uhr

Eine Boeing 757 von United Airlines mit 44 Menschen an Bord, die von New York nach San Francisco fliegen sollte, stürzt nahe Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania in ein Feld. Offenbar hatten Passagiere über Handy von den Anschlägen erfahren und sich gegen die Flugzeugentführer aufgelehnt.

10.28 Uhr

Auch der Nordturm des World Trade Centers stürzt ein. Über den Süden Manhattans legt sich eine dicke Schicht aus Schutt und Staub.

12.39 Uhr

Bush verspricht in einer weiteren Stellungnahme, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die US-Streitkräfte seien in die höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Anschließend wird der Präsident auf die Luftwaffenbasis Offutt im Bundesstaat Nebraska in Sicherheit gebracht.

13.50 Uhr

Der Bürgermeister von Washington, Anthony Williams, ruft für die US-Hauptstadt den Notstand aus.

15.35 Uhr

Ein US-Regierungsvertreter erklärt, dass das Terrornetzwerk El Kaida von Osama bin Laden verdächtigt werde, hinter den Anschlägen zu stecken.

17.20 Uhr

Ein Nachbargebäude der Zwillingstürme am World Trade Center stürzt ebenfalls ein. Das Hochhaus war durch herabfallende Trümmer schwer beschädigt worden.

20.30 Uhr

Der inzwischen ins Weiße Haus zurückgekehrte Bush wendet sich in einer im Fernsehen übertragenen Rede an die US-Bevölkerung. Darin kündigt er ein hartes Vorgehen gegen die Terroristen und diejenigen an, die den Drahtziehern der Anschläge Unterschlupf gewährt haben.

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