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08.09.2011

12:24 Uhr

Serie: Mein 11. September

„Ich wollte kein Flugzeug mehr betreten“

VonArmin Laschet

Die Anschläge vom 11. September 2001 brannten sich tief ins Gedächtnis der Menschen. Prominente aus Politik und Wirtschaft schildern, wie sie den Tag erlebten. CDU-Politiker Laschet musste seine Reisepläne ändern.

Armin Laschet, Ex-Integrationsminister von Nordrhein-Westfalen, heute: CDU-Fraktionsvize im Düsseldorfer Landtag. MGFFI NRW

Armin Laschet, Ex-Integrationsminister von Nordrhein-Westfalen, heute: CDU-Fraktionsvize im Düsseldorfer Landtag.

Am 11. September 2001 saß ich in einer Sitzung des Auswärtigen Ausschusses des Europäischen Parlaments in Brüssel, als der Ausschussvorsitzende Elmar Brok berichtete, dass ein Sportflugzeug in das World Trade Center geflogen sei. Die ersten Abgeordneten glaubten sofort zu wissen, dass dies ein Terroranschlag sein müsse, während andere auf das Abhandeln der Tagesordnung bestanden. 

Als ich später in mein Büro kam, saßen alle Mitarbeiter vor dem Fernsehen und berichteten von Bildern, nach denen ein zweites Flugzeug in den zweiten Turm gezielt hineingeflogen ist. Der Südturm war bereits eingestürzt und man schaute auf den qualmenden Nordturm, der ebenfalls einstürzte.

Der damalige Generalsekretär des Parlaments, ein Brite, ließ wenig später das Parlament räumen, da nicht ausgeschlossen war, dass symbolträchtige Orte des Westens, also auch in Europa,  Ziel eines weltweiten Angriffs sein könnten und so war auch unsere tiefempfundene Angst, die wir alle verspürten. Ganz gleich aus welchem Mitgliedsland der Europäischen Union man kam. Es war ein besonderes Gefühl der Zusammengehörigkeit in der Bedrohung.

Ich selbst sollte an diesem Tag nach Berlin fliegen zu einem Parlamentarischen Abend, den wir als deutsche Abgeordnete in der Hauptstadt veranstalteten. An diesem Tag jedoch wollte ich kein Flugzeug mehr betreten. Stattdessen bin ich in meine Heimatstadt Aachen gefahren und habe in meiner tiefen Verwirrung den falschen Zug bestiegen, der im belgischen Herbesthal endete. Erst als der Zug dort lange bewegungslos auf dem Bahnsteig stand, merkte ich, dass kein einziger Mensch mehr in diesem Zug war. Mit Mühe und Not ist es mir gelungen, diesen bereits abgeschlossenen Zug zu verlassen.

Selten in meinen Leben hat mich ein Ereignis so ergriffen. In meinem Büro hing ein Kalender von New York, der im Monat September einen Blick von der Brooklyn Brücke auf die Twin Towers zeigte. Ich habe dieses Kalenderblatt nie wieder umgeblättert. Bis heute hängt es in meinem Aachener Büro als Erinnerung an diesen schrecklichen Tag.

Lesen Sie hier mehr persönliche Erinnerungen zum 11. September 2001 von Handelsblatt-Korrespondenten sowie Prominenten aus Politik und Wirtschaft.

Ablauf der Anschläge vom 11. September 2001

08.38 Uhr

Die US-Luftfahrtbehörde FAA alarmiert die militärische Luftüberwachung NORAD, dass offenbar American Airlines Flug 11 von Boston nach Los Angeles entführt wurde.

08.46 Uhr

Der Flug AA 11, eine Boeing 767 mit 92 Menschen an Bord, schlägt im Nordturm des World Trade Centers ein. In der Fassade klafft einriesiges Loch, die oberen Stockwerke gehen in Flammen auf. Viele Menschen sind eingeschlossen, hunderte Rettungskräfte eilen zu dem Gebäudekomplex im Süden Manhattans.

09.03 Uhr

Eine zweite Boeing 767 von United Airlines mit 65 Menschen an Bord, die ebenfalls von Boston nach Los Angeles fliegen sollte, rast in den Südturm des World Trade Centers. Das Ereignis wird von Fernsehzuschauern rund um die Welt live verfolgt.

09.30 Uhr

US-Präsident George W. Bush, der eine Schule in Sarasota im Bundesstaat Florida besucht, tritt vor die Presse und sagt, das Land werde offenbar von Terroristen angegriffen.

09.37 Uhr

Eine Boeing 757 von American Airlines, unterwegs mit 64 Menschen von Washington nach Los Angeles, stürzt in das Pentagon und bringt einen Teil des Westflügels des Verteidigungsministeriums zum Einsturz.

09.45 Uhr

Die FAA schließt den Luftraum der USA, alle Flugzeuge müssen auf dem nächstgelegenen Flughafen landen. In Washington wird das Weiße Haus evakuiert.

09.59 Uhr

Der Südturm des World Trade Centers stürzt in einer gigantischen Staubwolke in sich zusammen. Hunderte Zivilisten und Rettungskräfte werden von den Trümmern verschüttet.

10.03 Uhr

Eine Boeing 757 von United Airlines mit 44 Menschen an Bord, die von New York nach San Francisco fliegen sollte, stürzt nahe Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania in ein Feld. Offenbar hatten Passagiere über Handy von den Anschlägen erfahren und sich gegen die Flugzeugentführer aufgelehnt.

10.28 Uhr

Auch der Nordturm des World Trade Centers stürzt ein. Über den Süden Manhattans legt sich eine dicke Schicht aus Schutt und Staub.

12.39 Uhr

Bush verspricht in einer weiteren Stellungnahme, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die US-Streitkräfte seien in die höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Anschließend wird der Präsident auf die Luftwaffenbasis Offutt im Bundesstaat Nebraska in Sicherheit gebracht.

13.50 Uhr

Der Bürgermeister von Washington, Anthony Williams, ruft für die US-Hauptstadt den Notstand aus.

15.35 Uhr

Ein US-Regierungsvertreter erklärt, dass das Terrornetzwerk El Kaida von Osama bin Laden verdächtigt werde, hinter den Anschlägen zu stecken.

17.20 Uhr

Ein Nachbargebäude der Zwillingstürme am World Trade Center stürzt ebenfalls ein. Das Hochhaus war durch herabfallende Trümmer schwer beschädigt worden.

20.30 Uhr

Der inzwischen ins Weiße Haus zurückgekehrte Bush wendet sich in einer im Fernsehen übertragenen Rede an die US-Bevölkerung. Darin kündigt er ein hartes Vorgehen gegen die Terroristen und diejenigen an, die den Drahtziehern der Anschläge Unterschlupf gewährt haben.

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