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09.09.2011

11:27 Uhr

Serie: Mein 11. September

„Und dann die grauenhaften Bilder vom Einsturz des ersten Turms“

VonMarkus Löning

Die Anschläge vom 11. September 2001 brannten sich tief ins Gedächtnis der Menschen. Der Menschenrechtsbeauftragte Löning konnte das Geschehen zunächst nicht einschätzen – bis der zweite Flieger einschlug.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), damals Chef einer Werbeagentur. dpa

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), damals Chef einer Werbeagentur.

„Markus, komm schnell rüber, da ist was in New York passiert.“ Im Besprechungsraum unserer Agentur standen die Kollegen und starrten fassungslos auf den Fernseher. Immer wieder wurden die Bilder vom Einschlag des Flugzeugs in den Turm des World Trade Center gezeigt. Die Kommentare waren verwirrend, keiner wusste was los ist. Keiner konnte das Geschehene einschätzen.

Umso größer das Entsetzen, als der zweite Flieger einschlug. Damit war sofort klar, dass es kein Unfall sondern es ein geplanter Anschlag war. Mit den Nachrichten von der entführten Maschine und dem Einschlag in das Pentagon wurde das Entsetzen immer größer. Die Arbeit, Termindruck, Kundenanrufe, alles was sonst in einer Agentur oberste Priorität hat, war plötzlich ohne Belang.

Wie gebannt verfolgten wir die verschiedenen Newskanäle und versuchten aus dem Fernseher ein Maximum an Informationen und Einschätzungen zu quetschen. Aber da war kaum was. Am schlimmsten fand ich die entsetzlichen Bilder von kleinen Figuren, die in höchster Verzweiflung aus schwindelnder Höhe in den Tod sprangen. Und dann die grauenhaften Bilder vom Einsturz des ersten Turms. Das Wissen, dass dort tausende mit dem Turm in die Tiefe stürzten. Menschen, die wie wir, morgens ganz normal zur Arbeit gegangen waren. Die ihre Arbeit liebten oder hassten, die einen guten oder schlechten Tag hatten.

Wann genau sich bei mir das Gefühl breit machte, dass dies ein Anschlag auf uns, auf „den Westen“, auf unsere freie und liberale Gesellschaft war, weiß ich nicht mehr. Aber es wurde ziemlich schnell klar. Das Gefühl kam ganz tief aus dem Bauch, noch bevor die Fakten, wirklich deutlich wurden. Ich empfand den Anschlag in New York als einen Anschlag auf mich, auf meine persönlichen Einstellungen zu einer freien Gesellschaft.

Und ich fühlte mich den Amerikanern auf eine ganz natürliche Art verbunden. Im Moment des Angriffs auf unsere Werte gab es – so pathetisch das klingen mag – für mich keinen Zweifel, dass wir Deutschen und Europäer genauso gemeint waren.

Lesen Sie hier mehr persönliche Erinnerungen zum 11. September2001 von Handelsblatt-Korrespondenten sowie Prominenten aus Politik und Wirtschaft.

Ablauf der Anschläge vom 11. September 2001

08.38 Uhr

Die US-Luftfahrtbehörde FAA alarmiert die militärische Luftüberwachung NORAD, dass offenbar American Airlines Flug 11 von Boston nach Los Angeles entführt wurde.

08.46 Uhr

Der Flug AA 11, eine Boeing 767 mit 92 Menschen an Bord, schlägt im Nordturm des World Trade Centers ein. In der Fassade klafft einriesiges Loch, die oberen Stockwerke gehen in Flammen auf. Viele Menschen sind eingeschlossen, hunderte Rettungskräfte eilen zu dem Gebäudekomplex im Süden Manhattans.

09.03 Uhr

Eine zweite Boeing 767 von United Airlines mit 65 Menschen an Bord, die ebenfalls von Boston nach Los Angeles fliegen sollte, rast in den Südturm des World Trade Centers. Das Ereignis wird von Fernsehzuschauern rund um die Welt live verfolgt.

09.30 Uhr

US-Präsident George W. Bush, der eine Schule in Sarasota im Bundesstaat Florida besucht, tritt vor die Presse und sagt, das Land werde offenbar von Terroristen angegriffen.

09.37 Uhr

Eine Boeing 757 von American Airlines, unterwegs mit 64 Menschen von Washington nach Los Angeles, stürzt in das Pentagon und bringt einen Teil des Westflügels des Verteidigungsministeriums zum Einsturz.

09.45 Uhr

Die FAA schließt den Luftraum der USA, alle Flugzeuge müssen auf dem nächstgelegenen Flughafen landen. In Washington wird das Weiße Haus evakuiert.

09.59 Uhr

Der Südturm des World Trade Centers stürzt in einer gigantischen Staubwolke in sich zusammen. Hunderte Zivilisten und Rettungskräfte werden von den Trümmern verschüttet.

10.03 Uhr

Eine Boeing 757 von United Airlines mit 44 Menschen an Bord, die von New York nach San Francisco fliegen sollte, stürzt nahe Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania in ein Feld. Offenbar hatten Passagiere über Handy von den Anschlägen erfahren und sich gegen die Flugzeugentführer aufgelehnt.

10.28 Uhr

Auch der Nordturm des World Trade Centers stürzt ein. Über den Süden Manhattans legt sich eine dicke Schicht aus Schutt und Staub.

12.39 Uhr

Bush verspricht in einer weiteren Stellungnahme, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die US-Streitkräfte seien in die höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Anschließend wird der Präsident auf die Luftwaffenbasis Offutt im Bundesstaat Nebraska in Sicherheit gebracht.

13.50 Uhr

Der Bürgermeister von Washington, Anthony Williams, ruft für die US-Hauptstadt den Notstand aus.

15.35 Uhr

Ein US-Regierungsvertreter erklärt, dass das Terrornetzwerk El Kaida von Osama bin Laden verdächtigt werde, hinter den Anschlägen zu stecken.

17.20 Uhr

Ein Nachbargebäude der Zwillingstürme am World Trade Center stürzt ebenfalls ein. Das Hochhaus war durch herabfallende Trümmer schwer beschädigt worden.

20.30 Uhr

Der inzwischen ins Weiße Haus zurückgekehrte Bush wendet sich in einer im Fernsehen übertragenen Rede an die US-Bevölkerung. Darin kündigt er ein hartes Vorgehen gegen die Terroristen und diejenigen an, die den Drahtziehern der Anschläge Unterschlupf gewährt haben.

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