Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.09.2011

13:56 Uhr

Serie: mein 11. September

„Unterwegs nach Hause lief schon mein Handy heiß“

VonGustav Horn

Die Anschläge vom 11. September 2001 brannten sich tief ins Gedächtnis der Menschen. Wirtschaftsforscher Horn sollte Journalisten Auskunft über die konjunkturellen Auswirkungen geben. Er lehnte jede Stellungnahme ab.

Der Direktor des Institutes für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn. dpa

Der Direktor des Institutes für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn.

Wer wüsste nicht, wo er sich am 11. September 2001 befand? Ich saß am Schreibtisch meines Büros im DIW in Berlin. Damals leitete ich dort die Abteilung Konjunktur und war in dieser Funktion auch für Prognosen zuständig. Die Arbeit an jenem Tag war, da mir jede detaillierte Erinnerung fehlt, wohl von Routine gekennzeichnet. Wahrscheinlich bereitete ich in aller Ruhe das nächste Treffen zur Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsforschungsinstitute vor und machte mir Gedanken über die zu jener Zeit schwache Konjunktur.

In manchen Ländern herrschte bereits eine ausgeprägte Rezession. Es galt also Vorschläge zur Stimulanz zu entwickeln, was aber angesichts der seinerzeit betonharten Abneigung der übrigen Institute im Hinblick auf eine aktive Konjunkturpolitik nicht einfach war.

Da ich die Nachrichtenlage im Internet relativ kontinuierlich verfolge, las ich mit Erstaunen die Meldung von einem Flugzeugunglück in New York, bei dem eine Maschine ins World Trade Center geflogen sei. Ich dachte zunächst an eine kleine Propellermaschine mit einem unfähigen Amateurpiloten oder an ein Krankheitsbedingtes Ausfallen desselben.

Zu meinem schnell entflammenden Entsetzen stellte sich heraus, dass es sich um ein ausgewachsenes Passagierflugzeug handelte. Besorgt versuchte ich zusammen mit meiner Sekretärin die möglichen Hintergründe zu erahnen. Die Befürchtung eines Anschlags keimte in uns auf und wurde durch den Absturz der zweiten Maschine zur uns sprachlos machenden Gewissheit.

Die damalige Pressesprecherin des DIW mailte, dass im Konferenzraum ab sofort der Fernseher laufe und man sich dort versammeln könne. Ich ging hin und verfolgte zusammen mit vielen Kollegen des DIW den weiteren Gang der Ereignisse. Im Saal herrschte Schweigen. Eine merkwürdige Schwere lag über allen. Jeder ahnte wohl, dass nun eine neue Zeitrechnung beginnen würde, und zwar keine gute. Gegen Abend fuhr ich bedrückt nach Hause.

Schon unterwegs lief mein Handy heiß. Journalisten wollten Auskunft über die konjunkturellen Auswirkungen haben. Ich lehnte jede Stellungnahme ab.

Lesen Sie hier mehr persönliche Erinnerungen zum 11. September2001 von Handelsblatt-Korrespondenten sowie Prominenten aus Politik und Wirtschaft.

Ablauf der Anschläge vom 11. September 2001

08.38 Uhr

Die US-Luftfahrtbehörde FAA alarmiert die militärische Luftüberwachung NORAD, dass offenbar American Airlines Flug 11 von Boston nach Los Angeles entführt wurde.

08.46 Uhr

Der Flug AA 11, eine Boeing 767 mit 92 Menschen an Bord, schlägt im Nordturm des World Trade Centers ein. In der Fassade klafft einriesiges Loch, die oberen Stockwerke gehen in Flammen auf. Viele Menschen sind eingeschlossen, hunderte Rettungskräfte eilen zu dem Gebäudekomplex im Süden Manhattans.

09.03 Uhr

Eine zweite Boeing 767 von United Airlines mit 65 Menschen an Bord, die ebenfalls von Boston nach Los Angeles fliegen sollte, rast in den Südturm des World Trade Centers. Das Ereignis wird von Fernsehzuschauern rund um die Welt live verfolgt.

09.30 Uhr

US-Präsident George W. Bush, der eine Schule in Sarasota im Bundesstaat Florida besucht, tritt vor die Presse und sagt, das Land werde offenbar von Terroristen angegriffen.

09.37 Uhr

Eine Boeing 757 von American Airlines, unterwegs mit 64 Menschen von Washington nach Los Angeles, stürzt in das Pentagon und bringt einen Teil des Westflügels des Verteidigungsministeriums zum Einsturz.

09.45 Uhr

Die FAA schließt den Luftraum der USA, alle Flugzeuge müssen auf dem nächstgelegenen Flughafen landen. In Washington wird das Weiße Haus evakuiert.

09.59 Uhr

Der Südturm des World Trade Centers stürzt in einer gigantischen Staubwolke in sich zusammen. Hunderte Zivilisten und Rettungskräfte werden von den Trümmern verschüttet.

10.03 Uhr

Eine Boeing 757 von United Airlines mit 44 Menschen an Bord, die von New York nach San Francisco fliegen sollte, stürzt nahe Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania in ein Feld. Offenbar hatten Passagiere über Handy von den Anschlägen erfahren und sich gegen die Flugzeugentführer aufgelehnt.

10.28 Uhr

Auch der Nordturm des World Trade Centers stürzt ein. Über den Süden Manhattans legt sich eine dicke Schicht aus Schutt und Staub.

12.39 Uhr

Bush verspricht in einer weiteren Stellungnahme, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die US-Streitkräfte seien in die höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Anschließend wird der Präsident auf die Luftwaffenbasis Offutt im Bundesstaat Nebraska in Sicherheit gebracht.

13.50 Uhr

Der Bürgermeister von Washington, Anthony Williams, ruft für die US-Hauptstadt den Notstand aus.

15.35 Uhr

Ein US-Regierungsvertreter erklärt, dass das Terrornetzwerk El Kaida von Osama bin Laden verdächtigt werde, hinter den Anschlägen zu stecken.

17.20 Uhr

Ein Nachbargebäude der Zwillingstürme am World Trade Center stürzt ebenfalls ein. Das Hochhaus war durch herabfallende Trümmer schwer beschädigt worden.

20.30 Uhr

Der inzwischen ins Weiße Haus zurückgekehrte Bush wendet sich in einer im Fernsehen übertragenen Rede an die US-Bevölkerung. Darin kündigt er ein hartes Vorgehen gegen die Terroristen und diejenigen an, die den Drahtziehern der Anschläge Unterschlupf gewährt haben.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Pendler

10.09.2011, 14:26 Uhr

hmmm, wie war das?

ein großes Flugzeug fliegt 30 min. durch eines der am stärketen genutzten Lufträume der Welt.
- verläßt den vorgegebenen Kurs
- reagiert nicht mehr auf "Ansprache"

und keiner kümmert sich darum.
kein Abfangjäger
kein Fluglotse, der Alarm schlägt


Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×