Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.09.2011

22:00 Uhr

Serie: Mein 11. September

„Viele wollten reden, zusammenkommen, diskutieren“

VonChristine Lieberknecht

Die Anschläge vom 11. September 2001 brannten sich tief ins Gedächtnis der Menschen. Die Thüringer Ministerpräsidentin Lieberknecht fragte sich, wie eine weitere Eskalation verhindert werden kann.

Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU). dpa

Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU).

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 sind auch im Freistaat Thüringen unvergessen. Dieser Tag war eine Zäsur für die Weltpolitik und macht uns betroffen wie vor zehn Jahren. Ich kam im August 2001 von einer Studienreise aus den USA zurück und war noch dabei, alle Eindrücke zu verarbeiten.

Als damalige Landtagspräsidentin saß ich am Tag der Anschläge in meinem Büro im Thüringer Landtag. Einer meiner Mitarbeiter kam zur Tür hinein und rief entsetzt, ich solle den Fernseher einschalten. Und dann mussten wir beide sehen, wie das zweite Flugzeug in den Südturm des World Trade Centers einschlug. Wir waren fassungslos, versteinert: Die Bilder sind mir noch heute wie ins Gedächtnis gebrannt. Ich habe dann mit den Menschen, die ich wenige Wochen vorher in den USA besucht hatte, Kontakt aufgenommen. Glücklicherweise war niemand persönlich zu Schaden gekommen.

Dieser Tag war prägend. Bei aller Verteidigung der westlichen Zivilisation fragte ich mich, was haben wir der Welt bisher gegeben? Und werden alle Kulturen unserem Beispiel folgen können? Wie um Gottes Willen kann eine weitere Eskalation verhindert werden, und in welcher Geschwindigkeit können sich die Kulturen annähern?

Davon abgesehen waren die Menschen verunsichert und hatten Angst. In Thüringen galt es deshalb pragmatisch, das Sicherheitskonzept zu überarbeiten. Es entstand das Bedürfnis nach Gesprächen. Viele wollten reden, zusammenkommen, diskutieren: Wie geht es weiter? Wie leben wir künftig miteinander? Wie vermitteln wir diese Ereignisse den Kindern und Jugendlichen?

Am Abend des 11. September 2001 empfing die Jüdische Landesgemeinde zum traditionellen Neujahrsfest Rosch Ha-Schana. Der Vorsitzende, Wolfgang Nossen wurde gefragt, ob er den Empfang absagt. Aber er fand statt. Und das war eine richtige Entscheidung. Denn wir haben an diesem Abend den Dialog für eine neue Welt aufgenommen.

Lesen Sie hier mehr persönliche Erinnerungen zum 11. September2001 von Handelsblatt-Korrespondenten sowie Prominenten aus Politik und Wirtschaft.

Ablauf der Anschläge vom 11. September 2001

08.38 Uhr

Die US-Luftfahrtbehörde FAA alarmiert die militärische Luftüberwachung NORAD, dass offenbar American Airlines Flug 11 von Boston nach Los Angeles entführt wurde.

08.46 Uhr

Der Flug AA 11, eine Boeing 767 mit 92 Menschen an Bord, schlägt im Nordturm des World Trade Centers ein. In der Fassade klafft einriesiges Loch, die oberen Stockwerke gehen in Flammen auf. Viele Menschen sind eingeschlossen, hunderte Rettungskräfte eilen zu dem Gebäudekomplex im Süden Manhattans.

09.03 Uhr

Eine zweite Boeing 767 von United Airlines mit 65 Menschen an Bord, die ebenfalls von Boston nach Los Angeles fliegen sollte, rast in den Südturm des World Trade Centers. Das Ereignis wird von Fernsehzuschauern rund um die Welt live verfolgt.

09.30 Uhr

US-Präsident George W. Bush, der eine Schule in Sarasota im Bundesstaat Florida besucht, tritt vor die Presse und sagt, das Land werde offenbar von Terroristen angegriffen.

09.37 Uhr

Eine Boeing 757 von American Airlines, unterwegs mit 64 Menschen von Washington nach Los Angeles, stürzt in das Pentagon und bringt einen Teil des Westflügels des Verteidigungsministeriums zum Einsturz.

09.45 Uhr

Die FAA schließt den Luftraum der USA, alle Flugzeuge müssen auf dem nächstgelegenen Flughafen landen. In Washington wird das Weiße Haus evakuiert.

09.59 Uhr

Der Südturm des World Trade Centers stürzt in einer gigantischen Staubwolke in sich zusammen. Hunderte Zivilisten und Rettungskräfte werden von den Trümmern verschüttet.

10.03 Uhr

Eine Boeing 757 von United Airlines mit 44 Menschen an Bord, die von New York nach San Francisco fliegen sollte, stürzt nahe Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania in ein Feld. Offenbar hatten Passagiere über Handy von den Anschlägen erfahren und sich gegen die Flugzeugentführer aufgelehnt.

10.28 Uhr

Auch der Nordturm des World Trade Centers stürzt ein. Über den Süden Manhattans legt sich eine dicke Schicht aus Schutt und Staub.

12.39 Uhr

Bush verspricht in einer weiteren Stellungnahme, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die US-Streitkräfte seien in die höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Anschließend wird der Präsident auf die Luftwaffenbasis Offutt im Bundesstaat Nebraska in Sicherheit gebracht.

13.50 Uhr

Der Bürgermeister von Washington, Anthony Williams, ruft für die US-Hauptstadt den Notstand aus.

15.35 Uhr

Ein US-Regierungsvertreter erklärt, dass das Terrornetzwerk El Kaida von Osama bin Laden verdächtigt werde, hinter den Anschlägen zu stecken.

17.20 Uhr

Ein Nachbargebäude der Zwillingstürme am World Trade Center stürzt ebenfalls ein. Das Hochhaus war durch herabfallende Trümmer schwer beschädigt worden.

20.30 Uhr

Der inzwischen ins Weiße Haus zurückgekehrte Bush wendet sich in einer im Fernsehen übertragenen Rede an die US-Bevölkerung. Darin kündigt er ein hartes Vorgehen gegen die Terroristen und diejenigen an, die den Drahtziehern der Anschläge Unterschlupf gewährt haben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×