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10.09.2011

17:04 Uhr

Serie: Mein 11. September

„Von Alltag konnte keine Rede mehr sein“

VonPhilipp Mißfelder

Die Anschläge vom 11. September 2001 brannten sich tief ins Gedächtnis der Menschen. CDU-Außenexperte Mißfelder befürchtete damals, dass es sich um eine weltweite Attacke handeln könnte.

Der Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder. dpa

Der Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder.

„Ich habe damals als studentische Hilfskraft im Bundestagsbüro des heutigen Bundestagspräsidenten  Norbert Lammert gearbeitet. Durch Zufall sah ich im Nachrichten-Ticker die Eilmeldung, dass ein Flugzeug ins WTC geflogen war. Zuerst habe ich es für einen Unfall gehalten, dann ging ich in das Büro meines Chefs und erzählte ihm, dass es ein Unglück in NY gegeben habe.

Norbert Lammert schaltete den Fernseher an. Entsetzt sahen wir gemeinsam, wie ein weiteres Flugzeug in den anderen Turm des WTC flog. Der erste Gedanke, dass es ein Unglück war, verschwand danach schnell und wir diskutierten, ob es sich um ein Attentat handeln könnte, und natürlich, wer möglicherweise dahinter steckt.

Fassungslos habe ich mit meiner Familie und engen Freunden telefoniert, um deren Sicht der Dinge zu erfahren.  Auch in Berlin war zunächst keineswegs klar, ob sich die Anschläge auf Amerika beschränken, oder es sich um eine weltweite Attacke handelt. Sämtliche Vorkehrungen wurden ergriffen, um das Regierungsviertel zu sichern, von Alltag konnte keine Rede mehr sein.

Der 11. September 2011 ist ein Tag, von dem jeder wissen wird, was er damals tat, genauso wie am Tag der Ermordung von John F. Kennedy. Die Ereignisse  ließen mir keine Ruhe, ich ging direkt vom Büro aus mit Freunden zum Abendessen und wir diskutierten den ganzen Abend über das schreckliche Ereignis.

Ein Freund von mir, der seine Geschäfte vor allem im Nahen Osten machte, war sehr besorgt und fürchtete, dass das Verhältnis zwischen arabischer und westlicher Welt sich für immer ändern würde. Dies ist Gott sei Dank nicht eingetreten, da Einzeltäter nicht den Anspruch haben können, für alle Moslems zu sprechen, und das Entsetzen und Mitgefühl auch in der arabischen Welt sehr groß war.“

Lesen Sie hier mehr persönliche Erinnerungen zum 11. September 2001 von Handelsblatt-Korrespondenten sowie Prominenten aus Politik und Wirtschaft.

Ablauf der Anschläge vom 11. September 2001

08.38 Uhr

Die US-Luftfahrtbehörde FAA alarmiert die militärische Luftüberwachung NORAD, dass offenbar American Airlines Flug 11 von Boston nach Los Angeles entführt wurde.

08.46 Uhr

Der Flug AA 11, eine Boeing 767 mit 92 Menschen an Bord, schlägt im Nordturm des World Trade Centers ein. In der Fassade klafft einriesiges Loch, die oberen Stockwerke gehen in Flammen auf. Viele Menschen sind eingeschlossen, hunderte Rettungskräfte eilen zu dem Gebäudekomplex im Süden Manhattans.

09.03 Uhr

Eine zweite Boeing 767 von United Airlines mit 65 Menschen an Bord, die ebenfalls von Boston nach Los Angeles fliegen sollte, rast in den Südturm des World Trade Centers. Das Ereignis wird von Fernsehzuschauern rund um die Welt live verfolgt.

09.30 Uhr

US-Präsident George W. Bush, der eine Schule in Sarasota im Bundesstaat Florida besucht, tritt vor die Presse und sagt, das Land werde offenbar von Terroristen angegriffen.

09.37 Uhr

Eine Boeing 757 von American Airlines, unterwegs mit 64 Menschen von Washington nach Los Angeles, stürzt in das Pentagon und bringt einen Teil des Westflügels des Verteidigungsministeriums zum Einsturz.

09.45 Uhr

Die FAA schließt den Luftraum der USA, alle Flugzeuge müssen auf dem nächstgelegenen Flughafen landen. In Washington wird das Weiße Haus evakuiert.

09.59 Uhr

Der Südturm des World Trade Centers stürzt in einer gigantischen Staubwolke in sich zusammen. Hunderte Zivilisten und Rettungskräfte werden von den Trümmern verschüttet.

10.03 Uhr

Eine Boeing 757 von United Airlines mit 44 Menschen an Bord, die von New York nach San Francisco fliegen sollte, stürzt nahe Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania in ein Feld. Offenbar hatten Passagiere über Handy von den Anschlägen erfahren und sich gegen die Flugzeugentführer aufgelehnt.

10.28 Uhr

Auch der Nordturm des World Trade Centers stürzt ein. Über den Süden Manhattans legt sich eine dicke Schicht aus Schutt und Staub.

12.39 Uhr

Bush verspricht in einer weiteren Stellungnahme, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die US-Streitkräfte seien in die höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Anschließend wird der Präsident auf die Luftwaffenbasis Offutt im Bundesstaat Nebraska in Sicherheit gebracht.

13.50 Uhr

Der Bürgermeister von Washington, Anthony Williams, ruft für die US-Hauptstadt den Notstand aus.

15.35 Uhr

Ein US-Regierungsvertreter erklärt, dass das Terrornetzwerk El Kaida von Osama bin Laden verdächtigt werde, hinter den Anschlägen zu stecken.

17.20 Uhr

Ein Nachbargebäude der Zwillingstürme am World Trade Center stürzt ebenfalls ein. Das Hochhaus war durch herabfallende Trümmer schwer beschädigt worden.

20.30 Uhr

Der inzwischen ins Weiße Haus zurückgekehrte Bush wendet sich in einer im Fernsehen übertragenen Rede an die US-Bevölkerung. Darin kündigt er ein hartes Vorgehen gegen die Terroristen und diejenigen an, die den Drahtziehern der Anschläge Unterschlupf gewährt haben.

Kommentare (2)

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Pendler

10.09.2011, 17:12 Uhr

ja
wirklich schrecklich

wie die Bombennächte zu Dresden
HH
und besondern zu Berlin

besonders schlimm, weil der Terror nun auch zu den Amis

Misterx

11.09.2011, 08:29 Uhr

Warum muss man eigentlich für die Beurteilung eines historischen Ereignisses dieses unsäglichen Schreihals befragen, der zum Tatzeitpunkt schon wahsinnige 22 Jahre alt war? Ältere & intelligentere Interbiewpartner bekommt das Handelsblatt nicht mehr vor die Flinte? Den amerikanischen Botschafter oder einen Ex-Minister? Schade... aber Mißfelder hat immerhin zu allem was zu sagen.

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