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09.09.2011

12:45 Uhr

Serie: Mein 11. September

„Wir eilten auf das Dach des New Yorker Metropolitan Clubs“

VonKurt Lauk

Die Anschläge vom 11. September 2001 brannten sich tief ins Gedächtnis der Menschen. Kurt Lauk, Präsident des CDU-Wirtschaftsrats befand sich selbst in New York und erlebte wie Stadt zum Erliegen kam.

Der Präsident des Wirtschaftsrates, Kurt Joachim Lauk (CDU). dpa

Der Präsident des Wirtschaftsrates, Kurt Joachim Lauk (CDU).

Am Morgen war ich mit einem Geschäftspartner im Metropolitan Club in New York zum Frühstück verabredet. Während unseres Gesprächs erhielten wir die Information, dass ein Flugzeug in den Nordturm des World Trade Centers geflogen sei. Wir dachten, ein Privatflugzeug sei vom Kurs abgekommen. Als kurz darauf die Nachricht die Runde machte, ein zweites Flugzeug sei in den Südturm eingeschlagen, war klar, dass es sich um etwas Größeres handeln musste. Das konnte kein Zufall sein. Wir eilten auf die Dachterrasse des Clubs. Und sahen über beiden Türmen des World Trade Centers dünne Rauchwolken aufsteigen.

Unzählige Feuerwehren rasten die 5th Avenue herunter. Man konnte die Aufregung in der Stadt deutlich spüren. Als knapp eine Stunde später als erstes der Südturm einstürzte, hielt New York den Atem an. Die City stand unter Schock, Aufregung und Unruhe überall. Die Menschen versuchten verzweifelt herauszufinden, ob Verwandte und Freunde im Turm gewesen waren. Das war schwierig. Es durfte niemand mehr in die Nähe der Twin Towers und die Telefonnetze waren überlastet. Mit dem Einsturz des zweiten Turms brach dann die Kommunikation fast komplett zusammen.

Die Menschen wollten nur noch raus aus Manhattan. Es fuhren keine U-Bahnen und Taxis mehr. Alle Straßen waren für den öffentlichen Verkehr gesperrt, damit Rettungsfahrzeuge und Feuerwehren freie Fahrt hatten. Ein Heer von Menschen bewegte sich zu Fuß raus aus Manhattan. Die Bevölkerung war unglaublich diszipliniert: Es gab keine Massenpanik oder Plünderungen.

Ich selbst bin in Midtown geblieben. Es war klar, dass wer Manhattan einmal verlassen hatte, nicht mehr zurückkommen konnte. Die Flughäfen, die Geschäfte – alles wurde geschlossen. Das sonst so quirlige, hektische New York lag gespenstisch menschenleer da. Nur einige Restaurants hatten noch geöffnet. Dort saßen die wenigen Zurückgebliebenen. Sie tauschten ihre Erlebnisse, Ängste und Sorgen aus. Ein Zeichen dafür, wie sehr die Ereignisse bewegten. Unterhaltungen von Tisch zu Tisch sind in New York eigentlich mehr als unüblich.

Meine Frau in Deutschland war in tiefer Sorge, konnte mich aber nicht erreichen. Sie wusste, dass ich in der Vergangenheit mehrfach in den Türmen zu tun hatte. Nur durch einen Zufall habe ich sie einen Tag später anrufen können.

Noch heute denke ich mit Schrecken daran, dass ein guter Freund an diesem Morgen einen Vortrag im 104. Stock des World Trade Centers halten sollte. Er war nur noch nicht im Aufzug als das erste Flugzeug einschlug, weil er sich noch eine Packung Zigaretten gekauft hatte.

Lesen Sie hier mehr persönliche Erinnerungen zum 11. September2001 von Handelsblatt-Korrespondenten sowie Prominenten aus Politik und Wirtschaft.

Ablauf der Anschläge vom 11. September 2001

08.38 Uhr

Die US-Luftfahrtbehörde FAA alarmiert die militärische Luftüberwachung NORAD, dass offenbar American Airlines Flug 11 von Boston nach Los Angeles entführt wurde.

08.46 Uhr

Der Flug AA 11, eine Boeing 767 mit 92 Menschen an Bord, schlägt im Nordturm des World Trade Centers ein. In der Fassade klafft einriesiges Loch, die oberen Stockwerke gehen in Flammen auf. Viele Menschen sind eingeschlossen, hunderte Rettungskräfte eilen zu dem Gebäudekomplex im Süden Manhattans.

09.03 Uhr

Eine zweite Boeing 767 von United Airlines mit 65 Menschen an Bord, die ebenfalls von Boston nach Los Angeles fliegen sollte, rast in den Südturm des World Trade Centers. Das Ereignis wird von Fernsehzuschauern rund um die Welt live verfolgt.

09.30 Uhr

US-Präsident George W. Bush, der eine Schule in Sarasota im Bundesstaat Florida besucht, tritt vor die Presse und sagt, das Land werde offenbar von Terroristen angegriffen.

09.37 Uhr

Eine Boeing 757 von American Airlines, unterwegs mit 64 Menschen von Washington nach Los Angeles, stürzt in das Pentagon und bringt einen Teil des Westflügels des Verteidigungsministeriums zum Einsturz.

09.45 Uhr

Die FAA schließt den Luftraum der USA, alle Flugzeuge müssen auf dem nächstgelegenen Flughafen landen. In Washington wird das Weiße Haus evakuiert.

09.59 Uhr

Der Südturm des World Trade Centers stürzt in einer gigantischen Staubwolke in sich zusammen. Hunderte Zivilisten und Rettungskräfte werden von den Trümmern verschüttet.

10.03 Uhr

Eine Boeing 757 von United Airlines mit 44 Menschen an Bord, die von New York nach San Francisco fliegen sollte, stürzt nahe Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania in ein Feld. Offenbar hatten Passagiere über Handy von den Anschlägen erfahren und sich gegen die Flugzeugentführer aufgelehnt.

10.28 Uhr

Auch der Nordturm des World Trade Centers stürzt ein. Über den Süden Manhattans legt sich eine dicke Schicht aus Schutt und Staub.

12.39 Uhr

Bush verspricht in einer weiteren Stellungnahme, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die US-Streitkräfte seien in die höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Anschließend wird der Präsident auf die Luftwaffenbasis Offutt im Bundesstaat Nebraska in Sicherheit gebracht.

13.50 Uhr

Der Bürgermeister von Washington, Anthony Williams, ruft für die US-Hauptstadt den Notstand aus.

15.35 Uhr

Ein US-Regierungsvertreter erklärt, dass das Terrornetzwerk El Kaida von Osama bin Laden verdächtigt werde, hinter den Anschlägen zu stecken.

17.20 Uhr

Ein Nachbargebäude der Zwillingstürme am World Trade Center stürzt ebenfalls ein. Das Hochhaus war durch herabfallende Trümmer schwer beschädigt worden.

20.30 Uhr

Der inzwischen ins Weiße Haus zurückgekehrte Bush wendet sich in einer im Fernsehen übertragenen Rede an die US-Bevölkerung. Darin kündigt er ein hartes Vorgehen gegen die Terroristen und diejenigen an, die den Drahtziehern der Anschläge Unterschlupf gewährt haben.

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