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08.09.2011

17:44 Uhr

Serie: Mein 11. September

„Wir Grünen hatten keinen leichten Stand“

VonVolker Beck

Die Anschläge vom 11. September 2001 brannten sich tief ins Gedächtnis der Menschen. Grünen-Politiker Beck, dessen Partei damals regierte, erinnert sich noch gut an die Sicherheitsdebatten mit dem Koalitionspartner SPD.

Volker Beck, Grünen-Rechts- und Innenexperte. dapd

Volker Beck, Grünen-Rechts- und Innenexperte.

Unsere Fraktion hatte damals ihre provisorischen Büros in den Backsteinbauten auf der Ostseite der Spree, im ehemaligen Kaiserlichen Patentamt, neben den Studios von RTL. Berlin glich einer einzigen Baustelle mit gigantischer Kran-Sky-Line. Um die Mittagszeit eilte ich zum Shuttle-Bus, der mich in Richtung Plenum bringen sollte. Auf dem Weg aus der Tür rief meine Sekretärin hinterher, es sei gerade ein Flugzeug ins World Trade Center geflogen. Ich dachte zuerst an eine Cessna und einen unvernünftigen Piloten, der zwischen den Türmen ein waghalsiges Manöver gemacht hatte.

Ich eilte weiter zu meinem Termin. Mit der SPD hatten wir einen der vielen Verhandlungstermine in der Parlamentarischen Gesellschaft - gegenüber dem Reichstagsgebäude. Überall liefen die Fernseher und wir sahen die Bilder des brennenden Turms und wie die zweite Passagiermaschine in den Südturm einschlug. Wenig später brachen beide Türme in einer Angst erregenden Wolke in sich zusammen.

Schock. Stille. Langsam bekamen wir Gewissheit darüber, dass das kein Zufall sein konnte. Es war ein terroristischer Massenmord vor laufenden Kameras. Ein schrecklicher Anschlag auf unsere Freiheit.

Die folgenden Stunden, Tage und Wochen läuteten eine neue politische Ära ein. Außer Frage stand unsere Solidarität mit unseren amerikanischen Freundinnen und Freunden. Zudem kam eine Terrorzelle aus Hamburg. Wie konnte das geschehen?

Neben den schwierigen Debatten in meiner Partei über den bald darauf beginnenden Afghanistan-Krieg verbrachte ich nun meine Tage und Nächte als rechtspolitischer Sprecher der Grünen in Verhandlungsrunden. Schilys „Otto-Katalog“ lag auf dem Tisch und unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung wollte man das Zuwanderungsrecht auf seine Gefahrenabwehrelemente zurechtstutzen. Eine Kultur des Misstrauens zog ein.

Wir hatten keinen leichten Stand. Trotzdem haben wir dafür gesorgt, dass Maß gehalten wurde und im Zuwanderungsrecht der eine oder andere Fortschritt erreicht werden konnte. Vieles von unseren Verfahrenssicherungen und Hürden für die neuen Sicherheitskompetenzen wurden mit dem Terrorismusbekämpfungsergänzungsgesetz eingerissen. Heute leben wir damit. Uns bleibt nichts anderes übrig.

Ob die Welt dadurch sicherer geworden und welche Gesetze über das Ziel hinausgeschossen sind, wird leider nicht hinterfragt. Und die Wunden dieser schrecklichen Katastrophe sind inzwischen vernarbt. 3000 Menschen starben an diesem Nachmittag. Die Erinnerung wird ewig bleiben.

Lesen Sie hier mehr persönliche Erinnerungen zum 11. September2001 von Handelsblatt-Korrespondenten sowie Prominenten aus Politik und Wirtschaft.

Ablauf der Anschläge vom 11. September 2001

08.38 Uhr

Die US-Luftfahrtbehörde FAA alarmiert die militärische Luftüberwachung NORAD, dass offenbar American Airlines Flug 11 von Boston nach Los Angeles entführt wurde.

08.46 Uhr

Der Flug AA 11, eine Boeing 767 mit 92 Menschen an Bord, schlägt im Nordturm des World Trade Centers ein. In der Fassade klafft einriesiges Loch, die oberen Stockwerke gehen in Flammen auf. Viele Menschen sind eingeschlossen, hunderte Rettungskräfte eilen zu dem Gebäudekomplex im Süden Manhattans.

09.03 Uhr

Eine zweite Boeing 767 von United Airlines mit 65 Menschen an Bord, die ebenfalls von Boston nach Los Angeles fliegen sollte, rast in den Südturm des World Trade Centers. Das Ereignis wird von Fernsehzuschauern rund um die Welt live verfolgt.

09.30 Uhr

US-Präsident George W. Bush, der eine Schule in Sarasota im Bundesstaat Florida besucht, tritt vor die Presse und sagt, das Land werde offenbar von Terroristen angegriffen.

09.37 Uhr

Eine Boeing 757 von American Airlines, unterwegs mit 64 Menschen von Washington nach Los Angeles, stürzt in das Pentagon und bringt einen Teil des Westflügels des Verteidigungsministeriums zum Einsturz.

09.45 Uhr

Die FAA schließt den Luftraum der USA, alle Flugzeuge müssen auf dem nächstgelegenen Flughafen landen. In Washington wird das Weiße Haus evakuiert.

09.59 Uhr

Der Südturm des World Trade Centers stürzt in einer gigantischen Staubwolke in sich zusammen. Hunderte Zivilisten und Rettungskräfte werden von den Trümmern verschüttet.

10.03 Uhr

Eine Boeing 757 von United Airlines mit 44 Menschen an Bord, die von New York nach San Francisco fliegen sollte, stürzt nahe Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania in ein Feld. Offenbar hatten Passagiere über Handy von den Anschlägen erfahren und sich gegen die Flugzeugentführer aufgelehnt.

10.28 Uhr

Auch der Nordturm des World Trade Centers stürzt ein. Über den Süden Manhattans legt sich eine dicke Schicht aus Schutt und Staub.

12.39 Uhr

Bush verspricht in einer weiteren Stellungnahme, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die US-Streitkräfte seien in die höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Anschließend wird der Präsident auf die Luftwaffenbasis Offutt im Bundesstaat Nebraska in Sicherheit gebracht.

13.50 Uhr

Der Bürgermeister von Washington, Anthony Williams, ruft für die US-Hauptstadt den Notstand aus.

15.35 Uhr

Ein US-Regierungsvertreter erklärt, dass das Terrornetzwerk El Kaida von Osama bin Laden verdächtigt werde, hinter den Anschlägen zu stecken.

17.20 Uhr

Ein Nachbargebäude der Zwillingstürme am World Trade Center stürzt ebenfalls ein. Das Hochhaus war durch herabfallende Trümmer schwer beschädigt worden.

20.30 Uhr

Der inzwischen ins Weiße Haus zurückgekehrte Bush wendet sich in einer im Fernsehen übertragenen Rede an die US-Bevölkerung. Darin kündigt er ein hartes Vorgehen gegen die Terroristen und diejenigen an, die den Drahtziehern der Anschläge Unterschlupf gewährt haben.

Kommentare (2)

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Pendler

08.09.2011, 19:37 Uhr

Naja, nun heul man net so

Kein dt. Außenminister hat so viele dt. Soldaten in den ausländischen Tod geschickt, wie Herr Fischer.

Account gelöscht!

08.09.2011, 20:43 Uhr

Hehe. Sie nehmen mir die Worte aus dem Mund :D

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