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19.09.2011

15:31 Uhr

Serie: Wege aus der Euro-Krise

„In Europa gibt es keinen Status Quo mehr“

VonMohamed El-Erian

Entweder die sehr heterogene Euro-Zone stellt wieder die Stabilität her oder die starken Länder müssen sich für eine kleinere Währungsunion entscheiden, meint der Chef des Anleihehändlers Pimco, Mohamed El-Erian.

Mohamed El-Erian ist Chef des weltgrößten Anleihehändlers Pimco. Reuters

Mohamed El-Erian ist Chef des weltgrößten Anleihehändlers Pimco.

Der Euro ist entscheidend für das wirtschaftliche Gedeihen, die finanzielle Stabilität und den politischen Zusammenhalt Europas. Außerdem ist ein stabiler Euro wichtig dafür, dass eine multipolare Weltwirtschaft auf den Weg von Wachstum und Beschäftigung zurückfindet.

Der Euro muss deshalb auf jeden Fall gerettet werden. Und er kann gerettet werden, vorausgesetzt Europa ringt sich zu harten strukturellen und institutionellen Veränderungen durch. Oft versucht man, solche schwierigen Entscheidungen zu umgehen und am Status quo festzuhalten. Aber in Europa gibt es keinen Status quo mehr. Wenn Europa seine Aufgaben nicht angeht, wird sich die Krise weiter ausbreiten, die Risse in der Währungsunion werden größer und der Euro wird noch stärker unter Fehlern der Politik oder der Märkte leiden.

Für die Euro-Zone ist die Zeit gekommen, insbesondere für Deutschland und Frankreich, aber auch für Österreich, Finnland und die Niederlande, ihre Vorstellungen der europäischen Integration darzulegen. Und das muss schnell geschehen. Dabei haben sie die Wahl: entweder die Stabilität der gegenwärtigen, sehr heterogenen Euro-Zone wieder herzustellen. Oder sich für eine kleinere und stärkere Währungsunion zu entscheiden.

Keine Option ist einfach, und beide sind sehr umstritten. Beide erfordern erhebliche Finanzmittel, und beide werden mit hoher Wahrscheinlichkeit Kollateralschäden nach sich ziehen. Hinzu kommt, dass die Umsetzung dieser Alternativen erhebliche politische Risiken birgt und daher ein hohes Maß an politischer Experimentierfreude, Innovation und Sensibilität erfordert.

Beide Optionen bestimmen die Debatte in Europa, die leider immer stärker von einem unkontrollierten Auseinanderdriften der Euro-Zone gekennzeichnet ist. Die hart erarbeitete Glaubwürdigkeit einiger europäischer Institutionen hat bereits darunter gelitten. Dazu gehört auch die Europäische Zentralbank, die für die langfristige Gesundheit Europas von entscheidender Bedeutung ist.

Die meisten politischen Visionäre würden sich vermutlich für die erste Option entscheiden. Also die Euro-Zone, so wie sie ist, mit allen Mitteln zu retten. Aber jeder sollte wissen, dass dies eine sehr teure Angelegenheit werden wird, die umfassende, mehrjährige Garantien und Finanzhilfen beinhaltet. Dennoch wäre der Erfolg ungewiss, da einige Länder am Rande Europas eben nicht nur in einer Schuldenkrise stecken, sondern auch ein tiefsitzendes Wachstumsproblem haben.

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