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11.10.2016

08:34 Uhr

Sexistische Sprüche

Parteiführung der Republikaner steht offenbar hinter Trump

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump bekommt trotz seiner sexistischen Sprüche offenbar Rückhalt von der Parteispitze der Republikaner. Zuvor hatten sich mehrere Spitzenpolitiker von Trump distanziert.

TV-Debatte Clinton - Trump

Schlammschlacht statt Diskussion - das war das TV-Duell

TV-Debatte Clinton - Trump: Schlammschlacht statt Diskussion - das war das TV-Duell

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WashingtonDer wegen sexistischer Äußerungen unter Druck geratene republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump bekommt Rückhalt von der Parteispitze. Der Vorsitzende der Republikaner, Reince Priebus, betonte nach Angaben von zwei Mitgliedern des nationalen Organisationsgremiums der Partei, dass die Führung nicht mit Trump gebrochen habe.

„Wir sind vollständig an Bord“, sagte eine der Personen, die anonym bleiben wollte. Das Gremium, das unter anderem das Sammeln von Wahlkampfspenden koordiniert, werde sich uneingeschränkt dafür einsetzen, dass Trump die Wahl in knapp einem Monat gegen die Demokratin Hillary Clinton gewinnen werde. Zuvor hatte sich wie bereits mehrere Spitzenvertreter der Partei auch der ranghöchste Republikaner im Kongress, Paul Ryan, von Trump distanziert.

Der US-Wahlkampf nach dem zweiten TV-Duell

Ist die Wahl bereits entschieden?

Trumps Wahlkampf wird von dem Video und von seiner nur halbherzigen Entschuldigung sicher belastet. Die Debatte am Sonntag hat aber gezeigt: Trump kann einstecken und denkt gar nicht ans aufgeben. Der CNN-Kommentator John King bescheinigte ihm in St. Louis einen „definitiv stärkeren Auftritt“ als bei der ersten TV-Debatte, die er vor zwei Wochen klar verloren hatte.

Reichen die Punkte im 2. Duell für Trump?

Trumps Vizepräsidentschaftskandidat Mike Pence, zuletzt kritisch gegenüber Trump, gratulierte ihm zu einem „großen Sieg“. In einer CNN-Blitzumfrage sahen zwar 57 Prozent Clinton vorn, 63 Prozent aber waren von Trump positiv überrascht. Wie schon im Vorwahlkampf bediente Trump bewusst seine Klientel. Unsicher ist, ob das reicht, um die schwachen Umfragewerte bis zum 8. November zu drehen.

Wer hält vier Wochen vor dem Wahltermin noch zu Trump?

Trump hat großen Rückhalt in seiner Familie, was in der Öffentlichkeit zählt. Vor allem seine Tochter Ivanka, sein Sohn Eric und die Ehefrau Melanie weichen nicht von seiner Seite und zeigen demonstrative Solidarität – auch wenn der Weg nicht leicht ist. Zählen kann er auch auf die Anti-Establishment-Fraktion bei den Republikanern, seinen engeren Zirkel. Dazu gehören New Jerseys Gouverneur Chris Christie und der frühere Neurochirurg Ben Carson, zwei seiner Kontrahenten im Vorwahlkampf. Ted Cruz, schärfster Widersacher bei den Vorwahlen, hat sich zumindest nicht distanziert.

Und wer führt die Absetzbewegung an?

Der Rückhalt in der Republikanischen Partei ist sicher gesunken. Ein Teil der Partei denkt schon an das Wahljahr 2020. Ein anderer fürchtet, von Trump in einen Abwärtsstrudel gezogen zu werden, der die Wiederwahl vieler Abgeordneter im Senat oder Repräsentantenhaus gefährdet. Der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, Paul Ryan, und der Parteiveteran und Senator John McCain stehen an der Spitze der Trump-Kritiker bei den Republikanern. Aber auch aus den streng christlichen Staaten, etwa aus der Mormonen-Hochburg Utah, kommt heftige Kritik.

Gibt es eine innerparteiliche Verschwörung gegen Trump?

Der Verdacht kam auf – immerhin war Trumps Gesprächspartner in dem Video der TV-Moderator Billy Bush, ein Cousin des Ex-Präsidenten George W. Bush und seines Bruders Jeb Bush, der sich gegen Trump um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner beworben hatte. George wie Jeb Bush gelten als ausgesprochene Kritiker Trumps, beide haben ihrem „Parteifreund“ die Unterstützung versagt. Anhänger Trumps beklagten, das Video sei ein bewusster Schlag des Partei-Establishments gegen Trump. Doch Billy Bush wurde inzwischen selbst Opfer der Veröffentlichung; der Sender NBC suspendierte ihn.

Wird der Wahlkampf noch schmutziger?

Viel tiefer kann das Niveau der Debatte fast nicht mehr sinken. Aber in der aufgeheizten Atmosphäre scheint eine rein sachliche Auseinandersetzung kaum mehr denkbar. In den vergangenen Tagen gab es bereits Hinweise, dass weitere kompromittierende Videomitschnitte aus Trumps Vergangenheit auftauchen könnten. Und die Enthüllungsplattform Wikileaks kündigte an, weitere E-Mails der Ex-Außenministerin Clinton publik zu machen.

Trump kritisierte den Vorsitzenden des Repräsentantenhauses dafür scharf via Twitter: „Paul Ryan sollte sich mehr damit befassen, den Haushalt auszugleichen, und mit Jobs und illegaler Einwanderung. Er sollte seine Zeit nicht damit verschwenden, den Kandidaten der Republikaner zu bekämpfen.“

Ryan hatte in einer Telefonkonferenz mit Republikanern im Kongress gesagt, bis zur Wahl werde er Trump weder verteidigen noch gemeinsam mit ihm auftreten. Stattdessen werde er sich darauf konzentrieren, die Mehrheit der Republikaner in beiden Kongresskammern zu sichern. Sollte die Demokratin Hillary Clinton gewinnen, dürfe nicht auch der Kongress an ihre Partei fallen, sagte Ryan Teilnehmern zufolge. Andernfalls erhielte sie einen „Blankoscheck“. Ryan stellte später aber auch klar, er habe seine Unterstützung Trumps nicht grundsätzlich zurückgezogen.

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Wer steht jetzt noch an seiner Seite? Donald Trump ist nun offenbar auch beim mächtigsten Vertreter der Republikaner durchgefallen. Paul Ryan will nur noch für den Erhalt der Mehrheit im Repräsentantenhaus kämpfen.

Neben dem Präsidenten stehen am 8. November auch alle Abgeordneten im Repräsentantenhaus sowie ein Drittel der Senatoren zur Wahl. Dazu kommen Abstimmungen in den einzelnen Bundesstaaten und Kommunen. Viele der republikanischen Kongresspolitiker fürchten offenbar um ihre Wahlchancen angesichts des umstrittenen Präsidentschaftskandidaten Trump. Dieser steht seit Veröffentlichung eines Videos am Freitag massiv unter Druck. Darin ist zu hören, wie er sexistisch und vulgär über Frauen spricht.

Von

rtr

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