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30.04.2014

10:22 Uhr

Shinzo Abe zu Gast in Berlin

Der rätselhafte Reformer

VonMartin Kölling

Japan will den Teufelskreis aus Deflation und sinkenden Investitionen mit einer historischen Geldflut brechen. Abenomics heißt diese Politik. Ihr Architekt trifft heute Kanzlerin Merkel. Wer ist dieser Shinzo Abe?

Abflug: Shinzo Abe tritt seine Europareise mit seiner Frau Akie an. AFP

Abflug: Shinzo Abe tritt seine Europareise mit seiner Frau Akie an.

Tokio/BerlinErst Südkoreas Präsidentin Park Geun-Hye, dann Chinas Staatschef Xi Jinping und heute nun Japans Ministerpräsident Shinzo Abe – Ostasiens Oberhäupter geben sich in Berlin derzeit die Klinke in die Hand. Und mehr noch als bei den anderen zwei Besuchern stellt sich die Frage, wer ist dieser Mann wirklich ist, der sich vom politischen Versager zum beliebtesten Regierungschef Japans seit Jahren verwandelt hat?

Schon die Einschätzungen von Freunden und Feinden und seine Handlungen zeigen, dass sich Abe gängigem Schubladendenken entzieht. Westliche Anleger feiern ihn als neoliberalen Reformer. Chinas Medien verteufeln ihn als säbelrasselnden dumpfen Militaristen. Er selbst sucht die Nähe zu Japans Revoluzzern der New Economy, will – ganz moderner Mann – Frauen im Job fördern. Seine Frau nahm am Sonntag an einer Schwulen- und Lesbenparade teil. Doch gleichzeitig will Abe Japans Vergangenheit als Aggressor verklären, das Land innenpolitisch nach rechts verschieben und das Militär stärken.

Abe wurde Politik und Gesinnung in die Wiege gelegt

Die Antwort vorweg: Am besten lässt sich Abe als weltoffener liberaler illiberaler Nationalrevisionist bezeichnen. Nur eines ist er nicht wirklich: ein knallharter Militarist. Sicherheitspolitisch bezeichnet Robert Dujarric vom Japan Campus der Temple Universität Japan unter Abe vielmehr als „Schaf im Wolfspelz”. Die Schlüssel zum Verständnis von Abe liegen zum einen in seiner Abstammung, zum anderen in einer öffentlichen Demütigung wie sie kaum ein Politiker überlebt hat.

Eckpunkte der neuen japanischen Geldpolitik

Festes Inflationsziel

Die Bank von Japan legt sich fest: Innerhalb von zwei Jahren wird sie eine Inflationsrate von zwei Prozent erreichen.

Verdoppelung der Geldbasis

Die Geldbasis soll von jetzt 138 Billionen Yen auf 270 Billionen Yen im Jahr 2014 steigen. Umgerechnet geht es um eine Steigerung von 1,05 Billionen Euro auf 2,05 Billionen Euro.

Kauf von Staatsanleihen

Die Bank von Japan will 77 Prozent des frischen Zentralbankgelds in Staatsanleihen mit langer Laufzeit investieren. Die durchschnittliche Laufzeit ihrer Staatsanleihen soll von drei auf sieben Jahre steigen.

Dauer der Maßnahmen

Die Zentralbank legt sich darauf fest, so lange an der expansiven Geldpolitik festzuhalten, bis sie ihr Inflationsziel erreicht hat.

Aussetzung des Banknoten-Prinzips

Die Bank von Japan setzt zeitweilig das Banknoten-Prinzip außer Kraft, wonach sie nicht den Wert der im Umlauf befindlichen Banknoten überschreiten darf.

Abe wurde Politik und Gesinnung in die Wiege gelegt. Sein Großvater Nobusuke Kishi war erst Kriegsminister und wurde nach dem Krieg Ministerpräsident. Sein Projekt im Frieden: Er wollte Japan zu einem gleichberechtigten Alliierten der USA zu machen und wurde dafür von Japans Linken attackiert.

Abe schaukelte als Kind auf Großvaters Knien, während vor dem Haus die Demonstranten tobten. Sein Ziel ist daher, das Erbe zu vollenden, indem er Japan zu einer „normalen” Nation macht. Sprich, einer Nation, die ein Militär hat, das kämpfen darf, eine Verfassung, die anders als die jetzige nicht von Amerikanern, sondern selbst geschrieben wurde, ein Land, dass sich nicht für seine Geschichte entschuldigen muss.

Dass er dieses Mal so erfolgreich erscheint, hat er hingegen seinem schmählichen Scheitern in seiner ersten Amtszeit als Ministerpräsident zu verdanken. 2006 kürte Japans legendärer Reformpremier Junichiro Abe den damals 52-Jährigen zu seinem Nachfolger. Doch nach knapp einem Jahr floh Abe geschwächt durch miserable Umfragewerte, eine herbe Wahlniederlage und körperlich ausgelaugt durch seine schwere chronische Darmerkrankung aus dem Amt, bevor er gestürzt werden konnte.

Kommentare (20)

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Account gelöscht!

30.04.2014, 10:27 Uhr

"Wer ist dieser Shinzo Abe? "
_______________________

Japaner?

Account gelöscht!

30.04.2014, 10:33 Uhr

Und nun das Handelsblatt Online:

...": Am besten lässt sich Abe als weltoffener liberaler illiberaler Nationalrevisionist bezeichnen. Nur eines ist er nicht wirklich: ein knallharter Militarist. Sicherheitspolitisch bezeichnet Robert Dujarric vom Japan Campus der Temple Universität Japan unter Abe vielmehr als „Schaf im Wolfspelz”."...

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Einfach nur geil, liebes Handelsblatt.

Account gelöscht!

30.04.2014, 10:42 Uhr

Sollte ein Wirtschaftsblatt im Zusammenhang mit Japan den Punkt "Abenomics" nicht etwas genauer beleuchten?

Zitat: Japan droht dramatische Schulden-Apokalypse

Wird Japan das nächste Griechenland? Der eigene Finanzminister warnt vor einer astronomischen Schuldensumme. Die Pleite der drittgrößten Volkswirtschaft ist laut Experten nicht mehr unwahrscheinlich.



Quelle: http://www.welt.de/finanzen/geldanlage/article127446587/Japan-droht-dramatische-Schulden-Apokalypse.html

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