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29.05.2011

17:58 Uhr

Sicherheitsexperten

„Der Anschlag kann nicht ohne Folgen bleiben“

Nie zuvor ist es den Taliban gelungen, einen deutschen General zu verwunden. Die Bundesregierung will trotzdem weiter an ihrer Afghanistan-Strategie festhalten. Aus dem Bundestag kommen Forderungen nach Konsequenzen.

Zwei deutsche Soldaten sind bei einem Anschlag der Taliban ums Leben gekommen. Quelle: dapd

Zwei deutsche Soldaten sind bei einem Anschlag der Taliban ums Leben gekommen.

Kabul/BerlinDer blutige Anschlag in Afghanistan, bei dem auch zwei Bundeswehrsoldaten getötet und ihr Kommandeur verletzt wurden, hat die Diskussion um die Sicherheit bei Auslandseinsätzen neu entfacht. Auch Forderungen nach einer Gegenoffensive gegen die Taliban werden in Berlin laut. Für die Bundesregierung steht die Afghanistanstrategie aber nicht infrage. Auch an der Zusammenarbeit mit den afghanischen Sicherheitskräften bei der Ausbildung will man festhalten. Unterdessen kamen bei einem Nato-Luftangriff in der südafghanischen Provinz Helmand nach Angaben der Provinzregierung 14 Zivilisten ums Leben, darunter zwölf Kinder.

Bei dem Anschlag auf hochrangige Sicherheitskräfte hatte sich am Samstag in der nordafghanischen Provinz Tachar nach ersten Erkenntnissen ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Offenbar hatte er sich mit einer Polizeiuniform Zutritt zu dem Treffen am schwer gesicherten Sitz des Gouverneurs in der Provinzhauptstadt Talokan verschafft. Zwei Bundeswehr-Soldaten aus Rheinland-Pfalz und Niedersachsen wurden getötet, fünf ihrer Kameraden verletzt, darunter der deutsche ISAF-Regionalkommandeur für Nordafghanistan, Generalmajor Markus Kneip. Er befand sich nach Angaben der Bundeswehr vom Sonntag in stabilem Zustand und will an seinem Kommando festhalten.

Auch der Polizeikommandeur für den Norden und frühere afghanische Vize-Innenminister, Daud Daud, kam bei dem Anschlag ums Leben. Unter den insgesamt sieben Toten befand sich außerdem der Polizeichef der östlich von Kundus gelegenen Provinz Tachar, Schah Dschahan Nuri. Neun Menschen wurden verletzt, darunter Tachars Gouverneur Abdul Jabar Taqwa. Zu der Tat bekannten sich die Taliban Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes vor fast zehn Jahren ist Kneip der hochrangigste Verwundete der Bundeswehr und der internationalen Truppen insgesamt bei einem Anschlag. Der afghanische Präsident Hamid Karsai sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine umfassende Untersuchung des Selbstmordanschlages zu. Am Telefon habe Karsai der Kanzlerin noch einmal „die hohe Wertschätzung des afghanischen Volkes für das deutsche Engagement in seinem Land“ zum Ausdruck gebracht, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit.

Anschläge auf deutsche Soldaten

29. Mai 2003 - Mine am ISAF-Camp

Ein Geländewagen fährt in der Nähe des deutschen ISAF-Camps in Kabul auf eine Mine. Ein deutscher Soldat stirbt.

7. Juni 2003 - Sprengstoff im Taxi

In Kabul werden bei einem Selbstmordattentat vier Bundeswehrsoldaten getötet und 29 verletzt. Ein mit 150 Kilogramm Sprengstoff beladenes Taxi explodierte neben einem Bundeswehrbus.

25. Juni 2005 - Sprengfalle in Tachar

In der Provinz Tachar bei Kundus kommen bei einer Entwaffnungsaktion im Distrikt Rustak zwei deutsche Soldaten ums Leben. Die Soldaten waren in eine Sprengfalle geraten.

14. November 2005 - Selbstmordattentäter

In Kabul reißt ein Selbstmordattentäter einen Bundeswehrsoldaten mit in den Tod, zwei weitere werden verletzt.

19. Mai 2007 - Tod auf dem Markt

Bei einem Selbstmordanschlag eines Taliban- Terroristen auf einem Markt in Kundus werden drei Soldaten einer Fußpatrouille getötet, zwei weitere verletzt.

6. August 2008 - Selbstmordattentäter

Bei einem Selbstmordanschlag nahe Kundus werden drei Soldaten verletzt, zwei von ihnen schwer. Einer stirbt Anfang Oktober 2009 an den Spätfolgen.

27. August 2008 - Sprengfalle

Eine Patrouille der Bundeswehr gerät in der Nähe von Kundus in eine Sprengfalle. Ein Soldat stirbt, drei weitere werden verletzt.

20. Oktober 2008 - Selbstmordattentäter

Zwei deutsche Soldaten sterben bei einem Selbstmordanschlag nahe der Stadt Kundus. Die radikal-islamischen Taliban bekennen sich zu dem Anschlag.

29. April 2009 - Hinterhalt

In der Nähe der Stadt Kundus gerät eine Patrouille der Bundeswehr in einen Hinterhalt. Ein deutscher Soldat kommt ums Leben, vier weitere werden verletzt.

23. Juni 2009 - Feuergefecht

Nach einem Feuergefecht in der Region Kundus sterben drei Bundeswehrsoldaten. Sie waren bei einem Ausweichmanöver mit ihrem Transportpanzer umgekippt.

2. April 2010 - Schwere Gefechte

Bei schweren Gefechten im Unruhedistrikt Char Darah südwestlich von Kundus-Stadt werden drei Bundeswehrsoldaten getötet. Acht weitere Deutsche werden schwer verletzt.

15. April 2010 - Ferngezündete Sprengfalle

Bei zwei Anschlägen nahe Baghlan fallen vier Bundeswehrsoldaten. Drei sterben in ihrem gepanzerten Fahrzeug „Eagle IV“ bei der Detonation einer ferngezündeten Sprengfalle. Ein Oberstabsarzt kommt ums Leben, als sein gepanzertes Sanitätsfahrzeug von Aufständischen beschossen wird.

7. Oktober 2010 - Selbstmordanschlag

Ein Selbstmordanschlag der Taliban reißt einen Bundeswehrsoldaten in den Tod. Sechs Soldaten werden verletzt, davon zwei schwer.

18. Februar 2011 - Blutbad im Norden

Bei einem Blutbad im Bundeswehr-Außenposten „OP North“ in der Provinz Baghlan tötet ein afghanischer Soldat zwei deutsche Bundeswehr-Angehörige. Es gab mehrere Schwerverletzte.

25. Mai 2011 - Sprengstoffanschlag auf Patrouille

Bei einem Sprengstoffanschlag auf eine deutsche Patrouille in Afghanistan wird ein Bundeswehrsoldat getötet. Ein weiterer Soldat und ein afghanischer Übersetzer werden verletzt. Der Anschlag ereignete sich in der Unruheprovinz Kundus.

28. Mai 2011 - Anschlag in Tachar

Bei einem Anschlag auf ein Treffen des Gouverneurs der Provinz Tachar unter anderem mit Bundeswehr-Soldaten werden mindestens zwei Deutsche getötet, nach afghanischen Angaben sogar drei. Der deutsche Kommandeur der Internationalen Schutztruppe Isaf in Nordafghanistan, General Markus Kneip, wird demnach verletzt.

Obwohl der uniformierte Attentäter zu den Sicherheitskräften gehört haben soll, die die Konferenz schützen sollten, will die Bundesregierung bei ihrer Partnerschaftsstrategie bleiben. „Wenn wir die Sicherheit allmählich in afghanische Hände übergeben wollen, dann geht es nur so, dass wir es mit den Afghanen zusammen tun“, sagte Verteidigungsminister Thomas de Maizière am Sonntag in Hamburg.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) bekräftigte bei einem Besuch im Golfstaat Oman, dass die afghanischen Sicherheitskräfte innerhalb der nächsten Wochen die Verantwortung in ersten Regionen übernehmen sollen. Gegen Ende des Jahres soll dann wie geplant der Abzug der ersten deutschen Soldaten beginnen.

Kommentare (2)

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gerhard

29.05.2011, 22:03 Uhr

"Am Telefon habe Karsai der Kanzlerin noch einmal „die hohe Wertschätzung des afghanischen Volkes für das deutsche Engagement in seinem Land“ zum Ausdruck gebracht, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit."

"Aus dem Bundestag kommen jedoch Forderungen nach Konsequenzen."

Aber es gibt nur eine Konsequenz - der Abzug .

- aber der Wähler hält seine Augen offen. Volksabstimmung jetzt - würde Menschenleben retten - aber wer zu spät kommt - läßt andere sterben!

Letzteres ist immer das Problem einer Regierung, die ihr Ende nicht mit ansehen möchte.

Rainer_J

29.05.2011, 22:14 Uhr

Was hat ein General an vordester Front zu suchen? Mutig aber dumm!

Naja, wer für die Bilderberger in den Krieg zieht, hat sowieso nicht alle Tassen im Schrank!

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