Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.03.2012

11:41 Uhr

Sicherheitsgipfel

Großer Gipfel, kleine Fortschritte

VonMartin Kölling

Atomterrorismus haben die Staatschefs der Welt als drängendes Problem erkannt. In Seoul wollen sie wichtige Schritte zum Schutz von radioaktivem Material und Atomkraftwerken beschließen - kommen aber nur langsam voran.

US-Präsident Barack Obama bei der Sicherheitskonferenz in Seoul. AFP

US-Präsident Barack Obama bei der Sicherheitskonferenz in Seoul.

SeoulSelbst wenn US-Präsident Barack Obama im Dezember abgewählt werden sollte, könnte eine Veranstaltung ihn überleben: Der nukleare Sicherheitsgipfel, der die Vorbeugung von Atomterrorismus verbessern soll.

Obama hatte ihn 2010 als Teil seiner Vision einer atomwaffenfreien Welt ins Leben gerufen, um bis 2014 hochradioaktives Material unter Kontrolle zu bringen. Am Dienstag forderte er in Südkoreas Hauptstadt Seoul auf dem zweiten Gipfel die Teilnehmer auf, die Treffen zu „einem Teil einer größeren Architektur“ für die Bekämpfung von nuklearen Terrorismus auszubauen. Und die Chancen steigen, dass seine Forderung auf die eine oder andere Weise institutionalisiert werden wird.

Als erster der 53 Teilnehmer sprach sich Kasachstan, einer der größten Uran-Produzenten der Welt, dafür aus, die Gipfel auch nach 2014 alle zwei Jahre abzuhalten. Das Land bot sich sogar als Veranstalter an. Viele andere Staaten schlagen hingegen vor, die internationale Atomenergieagentur IAEA mehr Macht zu geben.

Beide Ideen zeigen, wie wichtig die Staaten die Aufgabe nehmen, radioaktives Material und Atomanlagen besser vor Terroristen zu schützen. Denn der Nachholbedarf ist enorm. 70 Jahre nach der Spaltung des ersten Atoms vagabundiert immer mehr radioaktives Material durch die Welt. Und die Sicherung der Lager und potenziellen Strahlenquellen wie medizinischen Geräten zur Krebsbehandlung sind schlecht.

Interpol hat inzwischen in 119 Ländern 3000 Fälle dokumentiert, in denen Spaltmaterial verschwunden ist. Jederzeit könnten Attentäter schon heute eine „schmutzige Bombe“ zünden, die radioaktives Material mit einem konventionellen Sprengsatz in Metropolen verteilt. Dies würde zwar nur wenige Tote fordern, aber riesiges Chaos stiften.

Doch auch die Angst vor der Bombe ist real. Interpol sagte auf der Plenartagung, es gebe viele Beweise, dass das Terrornetzwerk El-Kaida sofort Atomwaffen einsetzen würde, wenn es sie hätte. Im Gegensatz zu den steinigen Verhandlungen über atomare Abrüstung und die Nichtweiterverbreitung, die immer wieder von dem einen oder anderen Atomwaffenstaat aus globalpolitischen Erwägungen blockiert werden, ziehen die Staaten eher an einem Strang, wenn es um die Sicherung von Atommaterial vor unbefugtem Zugriff geht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×