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31.08.2012

03:38 Uhr

Sicherheitszonen

Syrische Flüchtlinge machen der Weltgemeinschaft Sorgen

Der Bürgerkrieg in Syrien bringt immer neuen Diskussionsstoff in die Uno: Die Anzahl der Flüchtlinge nimmt zu, die Länder der Umgebung stoßen an ihre Grenzen. Die Türkei fordert von der Uno geschützte Lager - in Syrien.

Syrische Flüchtlinge vor der Grenze zur Türkei. dapd

Syrische Flüchtlinge vor der Grenze zur Türkei.

New York/DamaskusDie Türkei hat den UN-Sicherheitsrat zur Errichtung von Flüchtlingslagern auf syrischem Boden aufgefordert. In der Türkei befänden sich bereits mehr als 80.000 syrische Flüchtlinge, sagte der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu am Donnerstag im UN-Sicherheitsrat in New York. Angesichts der rund 4000 weiteren Flüchtlinge, die pro Tag über die Grenze kämen, und weiteren 10.000 an der Grenze wartenden Syrern stehe sein Land vor "ernsten Schwierigkeiten". Die UNO solle deshalb unverzüglich die Einrichtung von Flüchtlingslagern innerhalb Syriens veranlassen, die allerdings "vollen Schutz" benötigten.

Davutoglu verurteilte das mangelnde Eingreifen des UN-Sicherheitsrats in dem mittlerweile seit 17 Monaten andauernden Konflikt in Syrien. Er kritisierte, dass an der von Frankreich initiierten Sitzung zur humanitären Krise in Syrien am Donnerstag von 15 Ratsmitgliedern lediglich Frankreich, Großbritannien, Kolumbien, Marokko und Togo mit Ministern vertreten waren. Er hoffe, dass die Nicht-Teilnahme seiner Kollegen "kein Zeichen für das Maß ihres Interesses und ihrer Sorge" sei, sagte Davutoglu.

"Wie lange werden wir noch sitzen und zuschauen, wie eine ganze Generation durch wahllose Bombardierungen ausgelöscht wird?", fragte der türkische Außenminister. Wenn der Sicherheitsrat bei einem derartigen Verbrechen gegen die Menschlichkeit tatenlos zusehe, mache er sich zum Komplizen.

Bei den Vereinten Nationen sind die Forderungen nach Sicherheitszonen zum Schutz von Bürgerkriegsflüchtlingen in Syrien mit Zurückhaltung aufgenommen worden. "Solche Vorschläge werfen ernste Fragen auf", sagte der stellvertretende UN-Generalsekretär Jan Eliasson am Donnerstag vor Beratungen über die Lage in dem Konflikt. Sie müssten genau geprüft werden.

Frankreich und Großbritannien hatten zuvor keine Option ausgeschlossen - auch nicht die einer militärisch erzwungenen Flugverbotszone zum Schutz der Bevölkerung. Zudem hatten sie die Weltgemeinschaft zuvor zu Spenden für Syrien aufgerufen. „Die Situation ist ernst und sie wird immer schlimmer“, sagte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius. „25 000 Menschen sind tot, 300 000 in die Nachbarländer geflohen, mehr als eine Million im eigenen Land auf der Flucht. Die Menschen brauchen unsere Hilfe.“

„229.000 Menschen sind außerhalb Syriens als Flüchtlinge registriert und die Zahl steigt schnell“, sagte Flüchtlingskommissar António Guterres. „Flüchtling zu werden ist für viele die einzige Möglichkeit, zu überleben.“ Der Exodus betreffe die Gesellschaften und Wirtschaften der Gastgeberländer enorm. „Die Menschen teilen das wenige mit Fremden. Aber die soziologischen Folgen sind enorm, etwa der Druck auf die Wasserreserven in Jordanien. Wir brauchen deshalb internationale Solidarität.“

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In Syrien tobt seit März 2011 ein Volksaufstand gegen die Herrschaft von Assad. Nach Angaben der oppositionellen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden seitdem mehr als 25.000 Menschen getötet. Die Führung in Damaskus spricht dagegen von einem Kampf gegen Terroristen, die Tausende Soldaten und Polizisten getötet haben sollen.

Kommentare (2)

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andante

31.08.2012, 07:38 Uhr

"Wir brauchen deshalb internationale Solidarität.“
Diese politisch Vertriebenen fliegen ohnehin massenhaft in Deutschland ein. Werden asyliiert. Das, das vergisst der Herr!! - Jeder Neandertaler sieht nur seinen Tellerrand. Wieder einmal soll das unerschöpfliche Germania für Syrien "internationale Soli..." zeigen.? Soll der Herr doch nach MOSKAU gehen, DORT die Solidarität erkämpfen! Da liegt das politische ÜBEL!!!!

Rumpelstilzchen

31.08.2012, 10:13 Uhr

Da werden großartig die syrischen Terroristen vom Westen, speziell von der USA, unterstützt und haben dabei ganz vergessen auf die Folgen zu achten. Wieder typisch die westliche Dekadenz, die die Angelegenheit nicht bis zum Ende durchdenken kann. Siehe auch Irak und Afghanistan …. kein Ende der menschlichen Tragödie ist abzusehen.

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