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13.11.2013

16:15 Uhr

Sieben Angeklagte

Neuer Prozess um Berlusconis Partydamen

Die juristische Aufarbeitung rund um die freizügigen Partys von Silvio Berlusconi geht weiter. Nächstes Jahr müssen sich sieben Angeklagte wegen Anstiftung zur Prostitution verantworten.

Bereits im Juli wurde Berlusconi wegen Sex mit minderjährigen Prostituierten zu sieben Jahren Haft verurteilt. Doch das Urteil nicht rechtskräftig. Berlusconi geht in die nächste Instanz. dpa

Bereits im Juli wurde Berlusconi wegen Sex mit minderjährigen Prostituierten zu sieben Jahren Haft verurteilt. Doch das Urteil nicht rechtskräftig. Berlusconi geht in die nächste Instanz.

RomEin neuer Prozess um die ausschweifenden Partys von Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi soll am 6. Februar kommenden Jahres im apulischen Bari beginnen. Der Unternehmer Gianpaolo Tarantini und sechs weitere Angeklagte müssen sich wegen Anstiftung zur Prostitution verantworten, wie italienische Zeitungen am Mittwoch berichteten. Tarantini soll Prostituierte für Feste Berlusconis organisiert haben. Berlusconi hatte stets beteuert, er habe nichts davon gewusst, dass die Frauen Geld bekamen.

26 Frauen, darunter Showgirls und Begleitdamen, sollen als Zeugen gehört werden. In 21 Fällen soll Tarantini zwischen September 2008 und Mai 2009 Frauen in Villen des Cavaliere gebracht haben, um diesem die Abende zu versüßen, schrieb die Nachrichtenagentur Ansa.

Tarantini soll damit versucht haben, mit dem damaligen Ministerpräsidenten ein freundschaftliches Verhältnis aufzubauen - um Vorteile für seine Geschäfte im Gesundheitsbereich zu bekommen.

Gegen Berlusconi wiederum wird laut der Zeitung „Repubblica“ ermittelt, weil er Tarantini in der Affäre zu Falschaussagen angestiftet und ihm dafür 500 000 Euro gegeben haben soll. Derzeit würden abgehörte Telefonate geprüft, die dokumentieren könnten, dass Berlusconi von den Zahlungen an die Frauen wusste.

Die Gerichtsprozesse des Cavaliere

Es ist nicht Berlusconis erstes Mal vor Gericht

In zahlreichen andere Verfahren gelang es dem heute 76-jährigen Politiker und Medienunternehmer immer wieder, den Fängen der Justiz zu entkommen. Er wurde entweder freigesprochen oder die gegen ihn gefällten Urteile wurden später wieder aufgehoben beziehungsweise wegen Verjährung nicht rechtskräftig.

1994

Bestechung von Finanzbeamten: Verurteilung 1997 in erster Instanz zu 33 Monaten Gefängnis. Freispruch im Berufungsverfahren im Jahr 2000, zum Teil wegen Verjährung, bestätigt ein Jahr später durch das Revisionsgericht.

1995

Bilanzfälschung: Angeklagt, mit Hilfe schwarzer Kassen den Fußballer Gianluigi Lentini für seien Klub AC Mailand eingekauft zu haben, profitiert Berlusconi 2002 dank eines von seiner Partei im Parlament verabschiedeten Gesetzes erneut von der Verjährungsregelung.

Steuerbetrug beim Kauf einer Luxusvilla in Macherio bei Mailand: verjährt.

Bilanzfälschung beim Erwerb der Filmgesellschaft Medusa. Berlusconi wird 1997 in erster Instanz zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt. Freispruch im Berufungsverfahren im Jahr 2000, ein Jahr später in der Revision bestätigt.

Illegale Finanzierung der Sozialistischen Partei (PSI) über die Tarnfirma All Iberian. 1998 Verurteilung zu 28 Monaten Haft. Freispruch im Berufungsverfahren ein Jahr später, im Jahr 2000 Bestätigung durch das Revisionsgericht.

1996

Anklage wegen Bilanzfälschung im Zusammenhang mit der Affäre All Iberian. Freispruch 2005.

1998

Richterbestechung, um den Erzrivalen Carlo de Benedetti am Kauf des halbstaatlichen Lebensmittelunternehmens SME zu hindern. Der Kassationsgerichtshof spricht Berlusconi 2007 in letzter Instanz frei.

2012

Steuerbetrug rund um Berlusconis Medienimperium Mediaset. Verurteilung zu vier Jahren Gefängnis und fünf Jahren Amtsverbot. Wegen einer allgemeinen Amnestie wird die Haftstrafe aber sofort auf ein Jahr verkürzt.

März 2013

Beihilfe zur Veröffentlichung vertraulicher Informationen zu einem Finanzskandal im Jahr 2005. Verurteilung in erster Instanz zu einem Jahr Haft.

Juni 2013

Berlusconi wird wegen Begünstigung der Prostitution Minderjähriger und Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt. Zudem darf er nach dem von einem Gericht in Mailand verkündeten Urteil im sogenannten Rubygate-Prozess keine öffentlichen Ämter mehr bekleiden. Das Urteil wird jedoch erst vollstreckt, wenn die Revisionsmöglichkeiten ausgeschöpft sind.

1. August 2013

Das Kassationsgericht in Rom bestätigt im sogenannten Mediaset-Prozess die von den Vorinstanzen verhängte auf ein Jahr reduzierte Haftstrafe. Die Verurteilung zu einem fünfjährigen Verbot der Ausübung öffentlicher Ämter wird jedoch zur erneuten Verhandlung nach Mailand zurückverwiesen.

Bereits im Juli waren im Zusammenhang mit der „Ruby“-Affäre um Sex mit minderjährigen Prostituierten drei Vertraute Berlusconis zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Sie sollen junge Frauen für wilde „Bunga Bunga“-Feste organisiert haben, darunter auch Minderjährige wie eine junge Marokkanerin namens „Ruby“. Berlusconi selbst wurde im Ruby-Prozess wegen Amtsmissbrauchs und Sex mit nicht volljährigen Prostituierten zu sieben Jahren Haft verurteilt. Das Urteil ist aber nicht rechtskräftig - Berlusconi geht in die nächste Instanz.

Von

dpa

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