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06.10.2016

19:32 Uhr

Sierens Welt

Chinas Freud, Europas Leid

VonFrank Sieren

Der chinesische Yuan ist erstmals Teil des IWF-Währungskorbs. Der große Verlierer ist der Euro. Daran ist Europa selbst schuld: Brüssel hätte gleichzeitig Pekings Stimmrechte anpassen müssen.

Vollbracht: der Einzug des chinesischen Yuan in den Währungskorb des Internationalen Währungsfonds (IWF). dpa

Chinesischer Yuan

Vollbracht: der Einzug des chinesischen Yuan in den Währungskorb des Internationalen Währungsfonds (IWF).

PekingDiese Woche hätte ein Aufschrei durch Europa gehen müssen. Proteste gegen Washington wären angemessen gewesen. Die Amerikaner haben durchgedrückt, dass der Einzug des chinesischen Yuan in den Währungskorb des Internationalen Währungsfonds (IWF) fast ausschließlich auf dem Rücken der Europäer ausgetragen wird.

Seit dem 1. Oktober ist der Anteil des Euro im IWF-Währungskorb um 6,5 Prozent geschmolzen, während der US-Dollar nur 0,2 Prozent abgeben muss und auf über 41 Prozent Anteil bleibt. Der Euro hingegen hält nunmehr nur noch einen Anteil von gut dreißig Prozent. Die Chinesen, erstmals in dem Korb vertreten, kommen nun auf gut zehn Prozent. Endlich bildet der IWF-Währungskorb die Kräfteverhältnisse der Währungen angemessen ab.

Von den Stimmrechten im IWF kann man das hingegen nicht behaupten, vor allem nicht, wenn die Stimmrechte an den jeweiligen kaufkraftbereinigten Anteilen an der Weltwirtschaft gemessen werden. Die USA halten gerade noch 15 Prozent an der Weltwirtschaft. Ihr Anteil ist in den vergangenen zehn Jahren von 19 Prozent geschrumpft. Sie sind mit 16 Prozent der Stimmrechte also noch gut bedient. Der EU Anteil an der Weltwirtschaft liegt bei 16 Prozent. Die Europäer verfügen jedoch überproportional über 22 Prozent der Stimmen. Allerdings sprechen sie nur selten mit einer Stimme.

China hingegen führt mit einem Anteil von 17 Prozent die Dreiergruppe an, hat aber nur lächerliche 3,8 Prozent der Stimmrechte im IWF bekommen. Das ist inzwischen schon frech. Der IWF ist also auch nach seiner Reform eine westliche dominierte, historisch überholte Institution mit globalem Anspruch. Seine heutige Struktur konnte 1944 von den USA in Breton Woods durchgesetzt werden, als die Amerikaner vor Kraft nur so strotzen.  

Nun könnte Brüssel sagen, wir sind gut bedient und verhalten uns ruhig. Das ist aber kurzsichtig: Strategisch klug wäre es gewesen, wenn sich Brüssel und die Schwellenländer dafür stark gemacht hätten, dass nicht nur der Währungskorb überarbeitet wird, sondern auch Pekings Stimmrechte an die Machtverhältnisse der Weltwirtschaft angepasst worden wären. Brüssel hätte dann zwar gleichzeitig einige Prozent an Stimmenanteilen verloren, aber einen großen neuen Verbündeten gewonnen. Denn Peking wiederum hätte mit seiner neuen Macht dafür gesorgt, dass der US-Dollar und nicht der Euro im Währungskorb rasiert wird. Peking ist ja an einem starken Europa interessiert.

Doch stattdessen beschäftigten sich die Brüsseler Kommissare viel lieber mit der Frage, wie man Chinas Wirtschaftsmacht eindämmen kann, und lassen es zu, dass Washington seine IWF-Macht auf Kosten der EU behaupten kann. Deshalb ist es nur konsequent, dass Peking seine eigenen globalen Institutionen gründet.

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China Spezialisten. Er lebt seit 20 Jahren in Peking.

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