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29.05.2015

07:38 Uhr

Sierens Welt

Chinas risikoarme Blase

VonFrank Sieren

Unser Kolumnist ist einer der führenden deutsche China-Spezialisten. Er sagt: Selbst wenn die Blase platzt, hat das kaum Folgen für China und die Welt.

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Der Autor

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Wie auf dem Bauernmarkt geht es zu, wenn ich in Macao morgens um 7 Uhr im Hotel-Casino vorbeischaue. Ich bin schon auf dem Weg zum Frühstück. Die Spieltische in den fußballfeldgroßen, plüschigen Hallen in der ehemaligen portugiesischen Kolonie bei Hongkong sind jedoch noch fast genauso voll wie abends: Mit rauchenden Männer in billigen Jacketts und ausgetretenen Schuhen. Mit dickgeschminkten Frauen mit Pumucklfrisuren in zu engen, bunten Kleidern. Die Chinesen machen in Macao mindestens doppelt so viel Umsatz pro Kopf und Tag wie die amerikanischen Spieler in Las Vegas.

Ähnlich wie im Spielkasino geht es derzeit auch an den chinesischen Börsen zu. Die Aktien laufen heiß. Die chinesischen Zocker benehmen sich wie Erich Honecker im Frühjahr 1989: „Vorwärts immer, rückwärts nimmer.“ Als Anfang Mai die Kurse in drei Tagen um mehr als acht Prozent einbrachen, eröffneten die Chinesen sogleich in einer Woche mehr als vier Millionen Aktiendepots. Innerhalb eines Jahres haben die Depots sich auf 200 Millionen vervierfacht. Da hört mancher im Westen die Blase schon platzen.

Doch die chinesische Blase, lässt sich mit der westlichen Blase kaum vergleichen und wird deswegen auch nicht so spektakulär platzen. Die Chinesen zocken zwar sehr gerne, aber sie gehören gleichzeitig auch zu den fleißigsten Sparern der Welt. Nie im Leben würden sie alles, was sie gespart haben, an der Börse aufs Spiel setzen.

Dass Normalbürger massenhaft viel mehr investieren als sie besitzen, wie vor 2008 in den USA, ist derzeit in China nicht möglich. Der Anteil der Aktien, die auf Kredit verkauft werden, liegt deutlich unter zehn Prozent. Der Boom besteht aus hunderten von Millionen Zockern, die jeweils nur wenig riskant anlegen und dabei nur eine überschaubare Zahl an Aktien zur Verfügung haben. Deswegen gehen einzelne Werte durch die Decke.

Das ist nur ein Grund, warum die chinesische Blase dickhäutiger ist, als die westliche. Zwar gibt es auch Gemeinsamkeiten: Ähnlich wie die Amerikaner in den 2000er-Jahren hat auch in China die Regierung ein großes Interesse daran, dass die Börse boomt. Und in beiden Fällen geht es darum, in einer Krise das Wirtschaftswachstum anzukurbeln.

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