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08.09.2016

14:23 Uhr

Sierens Welt

Chinas versteckte Leistungsträger

VonFrank Sieren

Shanghai, Peking – sonst nichts. Jenseits der großen Ballungsräume in China erahnen die meisten Deutschen nur Einöde. Doch das chinesische Hinterland gilt zu Unrecht als provinziell. Dort agieren einige Weltmarktführer.

Drei Mal die Woche fährte in Güterzug direkt nach Hamburg. Reuters

A Stahlbau in Zhengzhou

Drei Mal die Woche fährte in Güterzug direkt nach Hamburg.

Für uns ist es selbstverständlich, dass unsere Hidden Champions aus deutschen Kleinstädten heraus in ihrer Branche die Welt regieren. In China jedoch ist das für uns unvorstellbar. Jenseits der Großräume Shanghai und Peking beginnt für die meisten Deutschen Niemandsland. Bei Nanjing, der sieben Millionen Metropole am Unterlauf des Yangtse-Flusses, machen manche vielleicht noch eine Ausnahme. Denn dort hat BASF das größte Werk außerhalb Deutschlands mit Hidden Champions als Zulieferer. Oder beim Audi Standort Changchun hoch im Norden Chinas. Immerhin noch eine 3,5 Millionen Einwohner Stadt.

Doch selbst nach über zwanzig Jahren in China bin ich immer wieder überrascht, was Chinas Hinterland inzwischen hervorbringt. So ging es uns auch bei der diesjährigen Handelsblatt-On-Tour Reise, die uns in die zentralchinesische Provinz Henan führte. Henan ist mit 106 Millionen Menschen die bevölkerungsreichste Provinz Chinas. Auf einer Fläche etwa halb so groß wie Deutschland verfügt sie inzwischen über 7000 Kilometer neue Autobahn. Deutschland hat 13.000.

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Der Autor

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Die Hauptstadt Zhengzhou am Gelben Fluss erreicht man von Peking inzwischen in nur drei Stunden mit dem Schnellzug. Doch Zhengzhou kennt bei uns kaum jemand, obwohl dort eine der sechs Freihandelszonen Chinas liegt und drei Mal die Woche ein Güterzug direkt nach Hamburg fährt.

Eine Stunde nördlich liegt Xinxiang, was so viel wie „neue Heimat“ heißt. Die Millionenstadt ist allenfalls ein paar Menschen der Stadt Wuppertal bekannt. Denn mit Wuppertal hat Xinxiang zarte Bande geknüpft.

Die chinesische Kreisstadt beeindruckt jedoch bereits mit üppig begrünten sechsspurigen Alleen. Ein Hauch von Miami in der chinesischen Provinz. Dort sitzt zum Beispiel die Golden Dragon Group mit 30 Prozent Weltmarktanteil bei Kupferspezialkabel. Und siehe da: Das Unternehmen betreibt bereits ein Joint Venture mit der KME AG aus Osnabrück. Gemeinsam stellen sie Hochpräzisionskupferbänder für Platinen und Steckverbindungen her.

Handelsblatt on Tour: Prototypen des chinesischen Mittelstands

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Prototypen des chinesischen Mittelstands

Das kommunistische China setzt auf Familienunternehmen. Die Regierung fördert den Mittelstand mit attraktiven Steuergeschenken und fordert ihn mit hohen Erwartungen. Jetzt tritt gerade die zweite Generation an.

Um die Ecke hat die Hualan Biological Engineering ihren Hauptsitz. Es sieht hier fast ein wenig aus wie auf einem kalifornischen Campus inklusive kleinem Golfplatz. Das in Shenzhen gelistete Familienunternehmen fertigt gentechnisch hergestellte Medikamente gegen Brustkrebs, spezielle Blutgerinnungsmittel und Impfstoffe gegen Hepatitis B. Alles nach den strengsten und modernsten Produktionsstandards der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA). Selbst der mitreisende Kardiologie-Professor ist kurz sprachlos. Die Tochter des Gründers führt uns durch die Anlage. Sie sucht deutsche Partner.

Xinxiang ist nun wahrlich keine Stadt, die wir kennen müssen. Mit ihren pfiffigen Unternehmern müssen wir allerdings rechnen.

Unser Korrespondent der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

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