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24.04.2015

10:16 Uhr

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

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Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Chinesischer Wein. Das klingt nicht gut. Da können die Chinesen dreimal behaupten, sie hätten schon in der Antike Wein angebaut. Jahrelang war chinesischer Wein nur für diejenigen genießbar, die keinen anderen Wein kannten. Oder man trank das Sauergewächs zusammen mit einem chinesischen Reisschnaps. Wein und Maotai statt Bier und Korn. Dann merkten wohlhabende Chinesen, dass französischer Bordeaux besser schmeckt, wenn man den Maotai weglässt. Wer angeben wollte, protzte mit einen Saint- Émilion oder einem Château Lafite. Inzwischen sind die Chinesen einen Schritt weiter: Sie entdecken lokale Spitzenweine. Und dass er ihnen schmeckt, liegt nicht daran, dass der Maotai ihnen etwa schon alle Geschmacksnerven weggeätzt hat.

Was Staats- und Parteichef Xi Jinping kürzlich für den Fußball angekündigt hat, gilt seit einigen Jahren für Wein: Mit staatlicher Hilfe und einem Machtwort soll es gelingen, China auch in Disziplinen erfolgreich werden zu lassen, von denen die Ausländer gerne sagen: Das lernen die nie. Beim Fußball muss China dies erst noch beweisen.

Beim Wein ist es schon gelungen. Es wird immer mehr chinesischer Wein angebaut, die internationalen Weinspezialisten staunen, die Weinimporte nach China lassen nach. Das sieht nicht gut aus für Frankreich - vor allem nicht für den französischen Bordeaux, der allein 50 Prozent aller chinesischen Weinimporte bedient. 25 Prozent der gesamten Bordeauxproduktion gehen nach China. 2013 schon haben die Chinesen die Franzosen als die größten Rotweintrinker der Welt überholt. Das ist schon ein wenig unfair, wenn 1,4 Milliarden Chinesen gegen 60 Millionen Franzosen antreten. Knapp 1,5 Liter pro Jahr und Kopf reichen den Chinesen für den Sieg. Die Franzosen brauchen dafür 50 Liter pro Kopf. Fast ein Fläschchen pro Woche also.

Inzwischen sind die Bordeaux-Exporte innerhalb eines Jahres um 18 Prozent eingebrochen. Dafür ist einerseits die Antikorruptionskampagne von Staats- und Parteichef Xi Jinping verantwortlich. Teure Flaschen als Geschenke oder bei Geschäftsessen sind nicht mehr "en vogue". Ein Kader, der auf Nummer sicher gehen will, serviert und schenkt chinesischen Wein. Gleichzeitig ist der lokale Wein viel besser geworden. Die chinesische Provinz Ningxia zum Beispiel ist inzwischen ein international anerkanntes Weinbaugebiet. In der letzten Dekade hat sich diese Region mit staatlicher Unterstützung rasant entwickelt.

Helan Qing Xue ist ein Weingut, das jährlich nur 30 Tonnen produziert. Die haben es aber in sich. Beim britischen Weinpreis "World Wine Award" wurden diese Weine immer wieder ausgezeichnet. Dabei ist Helan Qing Xue noch ein junges Weingut, das erst 2005 gegründet wurde. "Frankreich, pass auf!", sagt Jancis Robinson bereits. Und da liegt sie nicht ganz falsch. Sie ist neben Robert Parker die bekannteste Weinkennerin der Welt und hat bereits fünf Weine aus Ningxia mit "exzellent" bewertet. Sie hat recht. Das Zeug ist teuer, aber schmeckt auch verdammt gut.

Die Zeiten ändern sich also: Was vor einigen Jahren nicht von gediegener Etikette zeugte, ist nun nicht nur politisch korrekt, sondern beweist auch guten Geschmack: Der weltgewandte China-Kenner schenkt Chinesen chinesischen Rotwein.

Unser Kolumnist gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Sie erreichen ihn unter: sieren@handelsblatt.com

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