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21.04.2016

16:49 Uhr

Sierens Welt

Das Symbol Jan Böhmermann

VonFrank Sieren

Der Hype um Jan Böhmermann wegen seines Erdogan-Schmähgedichts klingt ab. Nicht so in China: Dort gilt der Moderator als Symbol für die Zensur des Westens. Warum das nicht so einfach ist.

Der Moderator der Satiresendung „Neo Magazin Royal“ hatte ein Schmähgedicht über Türkei-Chef Erdogan veröffentlicht. Reuters

Jan Böhmermann

Der Moderator der Satiresendung „Neo Magazin Royal“ hatte ein Schmähgedicht über Türkei-Chef Erdogan veröffentlicht.

Jan Böhmermann ist in China angekommen. Statt mit der chinesischen Floskel „Hast Du schon gegessen?“, werde ich derzeit in Peking mit „Bei Euch wird ja auch zensiert.“ begrüßt. Sogar eine chinesische TV-Talkshow hat sich schon mit dem Fall beschäftigt.

Leider kommt mir der Satz „In Deutschland wird nicht zensiert.“ nicht mehr so einfach über die Lippen. Das ZDF hat den Beitrag ja aus der Mediathek genommen. Und es wurde sehr deutlich, dass Angela Merkel im Zweifel die guten Beziehungen zu Herrn Erdogan wichtiger sind, als die Meinungsfreiheit. Mag es ihr auch noch so klug erscheinen: Denn sie wird zweifellos eher wiedergewählt, wenn sie die Flüchtlingsprobleme löst, wozu sie Erdogan unbedingt braucht, als wenn sie die Meinungsfreiheit verteidigt.

Insofern ist die Feststellung eines chinesischen Freundes richtig: Böhmermann wollte auf die türkischen Missstände aufmerksam machen und hat dabei aus Versehen die Zustände in Deutschland entlarvt. Dabei unterschätzt der Freund allerdings: Die „Zustände“ bedeuten auch, dass am Ende ein vergleichsweise, unabhängiger Richter zwischen Meinungsfreiheit und der Bestrafung von Beleidigungen abwägt.

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Der Autor

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

In China ist das anders: Das hat der Anwalt Ge Yongxi vergangene Woche erlebt. Er postete eine satirische Fotomontage. Sie zeigt Spitzenpolitiker aus drei Generationen, Deng Xiaoping, Jiang Zemin und Xi Jinping, denen das Wasser bis zur nackten Brust steht, während sie den Panamakanal durchwaten. Jeder Chinese denkt dabei an den Satz „Nach den Steinen tastend den Fluss überqueren“, mit dem Deng die chinesischen Ideologen zum Pragmatismus erzogen hat. Deng, sagt in der Karikatur, der Kanal sei schon sehr tief. Jiang fürchtet, sie könnten ertrinken. Xi beruhigt sie jedoch: „Ich habe doch einen Schwager.“ Sein Schwager ist jüngst in den Panama Papers aufgetaucht.

„Schwager“ gilt schon länger als Synonym für Korruption. Im Vergleich zu Böhmermanns Geschmacklosigkeit ist das eine sehr feinsinnige Satire. Ge wurde jedoch noch am selben Tag verhaftet. Am nächsten Morgen wurde er wieder freigelassen, nachdem er eine Unterlassungserklärung unterschrieben hatte. Mit der gleichen Wahrscheinlichkeit jedoch hätte Ge auch länger im Gefängnis sitzen können.

Kommentare (6)

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21.04.2016, 17:12 Uhr

Ich habe dazu zwar keine Meinung , aber das ist mir trotz des schönen Wetters draußen einen Kommentar wert, da ich generell zu jedem Thema was schreibe.

Herr Peter Delli

21.04.2016, 17:20 Uhr

Herr Spiegel-Troll@
Die Zwangsstörung gehört zu den psychischen Störungen. Es besteht für den Betroffenen ein innerer Drang, bestimmte Dinge zu denken und/oder zu tun. Der Betroffene wehrt sich gegen das Auftreten der Zwänge; er erlebt sie als übertrieben und sinnlos, kann ihnen willentlich jedoch meist nichts entgegensetzen. Die Störung bringt deutliche Belastungen und Beeinträchtigungen des Alltagslebens mit sich. Ältere Bezeichnungen für Zwangsstörungen sind Zwangserkrankung, Zwangsneurose und anankastische Neurose. Die Zwangsstörung ist von der zwanghaften Persönlichkeitsstörung sowie von Zwangssymptomen im Rahmen anderer psychischer oder neurologischer Erkrankungen zu unterscheiden.

Herr Peter Delli

21.04.2016, 17:20 Uhr

Herr Spiegel-Troll@
Die Zwangsstörung gehört zu den psychischen Störungen. Es besteht für den Betroffenen ein innerer Drang, bestimmte Dinge zu denken und/oder zu tun. Der Betroffene wehrt sich gegen das Auftreten der Zwänge; er erlebt sie als übertrieben und sinnlos, kann ihnen willentlich jedoch meist nichts entgegensetzen. Die Störung bringt deutliche Belastungen und Beeinträchtigungen des Alltagslebens mit sich. Ältere Bezeichnungen für Zwangsstörungen sind Zwangserkrankung, Zwangsneurose und anankastische Neurose. Die Zwangsstörung ist von der zwanghaften Persönlichkeitsstörung sowie von Zwangssymptomen im Rahmen anderer psychischer oder neurologischer Erkrankungen zu unterscheiden.

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