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17.11.2016

12:33 Uhr

Sierens Welt

Deutsch-chinesischer Zickenkrieg

VonFrank Sieren

Die Trump-Wahl in den USA sorgt nicht unbedingt dafür, dass in den angeschlagenen deutsch-chinesischen Beziehungen nunmehr die Vernunft siegt. Im Gegenteil. Das Bashing geht weiter.

Die deutsch-chinesischen Beziehungen haben noch immer Schlagseite. Der Bundeswirtschaftsminister findet, dass deutsche Unternehmen in China benachteiligt werden. Zudem ist die Wahl Trumps nicht gerade hilfreich. dpa

Sigmar Gabriel in Hongkong

Die deutsch-chinesischen Beziehungen haben noch immer Schlagseite. Der Bundeswirtschaftsminister findet, dass deutsche Unternehmen in China benachteiligt werden. Zudem ist die Wahl Trumps nicht gerade hilfreich.

PekingDie deutsch-chinesischen Beziehungen haben nach wie vor Schlagseite. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel findet, dass deutsche Unternehmen in China diskriminiert werden und wir unsere Firmen zu leichtfertig verkaufen. Das wird man doch noch mal sagen dürfen, hat er gedonnert und das ist nicht schlecht angekommen in der deutschen Öffentlichkeit.
Peking ist wiederum nach wie vor verstimmt, dass Gabriel Probleme an die große Presseglocke gehängt hat, ohne mit Premier Li Keqiang zuvor hinter den Kulissen darüber zu sprechen. Li mag sich nicht bloßzustellen lassen, damit deutsche Politiker zu Hause gut aussehen. „Wenn Sie in Gegenwart Ihrer Frau bei Ihren Kumpels über sie herziehen“, formuliert es ein chinesischer Diplomat prägnant, „macht das die Versöhnung zu Hause nicht einfacher“ .

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Leichter zu durchschauen, doch auch gefährlich: Für Peking hat der neue US-Präsident einen großen Vorteil, aber auch Nachteile. Auf der anderen Seite hat Trump in der Chinapolitik kaum Spielraum.

Die Trump Wahl ist dabei nicht hilfreich. Es wird für China und Deutschland nunmehr schwieriger, Waren in die USA zu verkaufen. Damit wird China jedoch als Markt noch wichtiger für die Deutschen. Angela Merkel gilt umgekehrt mehr denn je als die einzige verlässliche Gesprächspartnerin im Westen. Und deutsche Technologie ist für Peking interessanter denn je. Dennoch siegt die Vernunft in so einem Fall nicht unbedingt von selbst.
Im deutschen Wahljahr 2017 besteht nämlich die Gefahr, dass Gabriel und andere sich der Antichina-Stimmung bedienen, die nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland gärt – und sei es nur in der Absicht, zu verhindern, dass die AfD zu viele Stimmen bekommt, die ebenfalls zum China-Bashing neigen wird.

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Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel lässt mit seiner Kritik an China nicht locker: Er wünsche sich gleiche Bedingungen für deutsche Unternehmen in China wie umgekehrt. Die deutsche Wirtschaft stimmt Gabriels Vorstoß zu.

Peking wiederum könnte sich dann ein ohnehin geschwächtes Unternehmen wie VW vornehmen, um deutlich zu machen, wie es um die Augenhöhe zwischen Deutschland und China tatsächlich bestellt ist. Die Pekinger Diplomaten jedenfalls werden Premier Li und Präsident Xi Jinping, die beide ausgerechnet im kommenden Jahr nach Deutschland reisen, nicht ins offene Messer des Wahlkampfes laufen lassen.
Deshalb ist es wichtiger denn je, dass Berlin wieder einen verlässlichen Ton findet und die stillen, aber wirkungsvollen Gesprächskanäle hinter den Kulissen ausgebaut werden.

Peking hingegen muss deutlich machen, dass es gegenüber guten Freunden nicht alles tut, was es tun könnte, nur weil es inzwischen mächtig genug dazu ist. Ein Kompromiss zum Beispiel bei der neuen E-Auto Verordnung, der den deutschen Herstellern eine faire Chance lässt, sich auf die neue Lage einzustellen, würde manchem heißblütigen deutschen Wahlkämpfer besänftigen. Und dann sollten die Partner China und Deutschland sich umgehend um Wichtigeres kümmern: Sie müssen Seite an Seite Donald Trump von den Vorteilen des freien Handels zu überzeugen.

Unser Kolumnist der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

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