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02.07.2015

14:51 Uhr

Sierens Welt

Ein schelmisches Lächeln

VonFrank Sieren

Die Griechenland-Krise gibt dem chinesischen Premier Li den Raum, eine andere Europapolitik als Brüssel zu machen. Weshalb Peking vor allem mit denen spricht, die Mächtiger sind als Brüssel.

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Der Autor

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

PekingDer chinesische Premierminister Li Keqiang schien diese Woche zum falschen Zeitpunkt am falschen Platz. Seine Europareise platzt in den neuen Höhepunkt der Griechenlandkrise. EU-Präsident Jean-Claude Juncker hatte wenig Zeit, sich darüber zu freuen, dass China „bestrebt ist“, seinen Milliarden EU-Investitionsfonds (EFSI) zu unterstützen. Und ebenso wenig Zeit hatte er, sich zu ärgern, dass Li sich nicht auf eine Summe festlegen lassen wolle. Das kann man ihm angesichts des Chaos nicht verdenken.

Doch etwas mehr Aufmerksamkeit hätte Chinas Premier Li schon verdient. China ist für die Zukunft Europas im Zweifel wichtiger als Griechenland. Kein anderes wichtiges Land hat so ein großes Interesse an einem starken Europa, als geostrategisches Gegengewicht zu den USA. Kein anderes Land der Welt hat so viel Geld, um in Europa zu investieren. Und Europa ist für die Chinesen als Absatzmarkt interessant.

Zahlen und Fakten zu China

Bevölkerung

China ist mit 1,37 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Erde.

Fläche

Auf einer Fläche von rund 9,5 Millionen Quadratkilometern ist China in 22 Provinzen und fünf Autonome Regionen gegliedert.

Sonderverwaltungszonen

Dazu kommen die beiden Sonderverwaltungsregionen Hongkong und Macau.

Hauptstadt

Die Hauptstadt des Reichs der Mitte ist Peking. Dort allein leben mehr als 20 Millionen Menschen – und das sind nur die offiziellen Zahlen.

Han und Minderheiten

Die große Mehrheit der Bevölkerung sind Han-Chinesen (91,6 Prozent), dazu kommen 55 Minderheiten.

Religion

Rund ein Fünftel der Bevölkerung hängt Volksreligionen an, dazu kommen sechs Prozent Buddhisten und 2,4 Prozent Muslime.

Stadt und Land

Mit 749 Millionen Menschen lebt die Mehrheit der Bürger (55 Prozent) in Städten.

Deshalb betonte Premier Li, dass die Schuldenfrage, „kein rein europäisches Thema“ sei. Das kann man auch noch kürzer formulieren: Wer bezahlt, bestimmt mit. Und Peking hat andere Vorstellungen als Brüssel:  Mehr Geld für Griechenland von der EU, damit die chinesischen Investitionen Aufwind bekommen. Und ein starker Euro, der ihre Produkte billiger werden lässt.

Doch derzeit gibts kein Geld und der Euro ist schwach. Die Chinesen jammern nicht darüber. Sie machen das Beste draus und investieren in europäische Infrastruktur und europäische Unternehmen. Das passt gut zur neuen Pekinger Politik. Die eigenen Firmen, die Stubenhocker, sollen nun endlich in die Welt hinaus, wo sie sich international bewähren müssen. „Die neue Seidenstraße“, lautet das Stichwort dazu.

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Europa sucht nach Wachstum – und findet Kapital aus China. Mit vielen Milliarden will die Volksrepublik den neuen Fonds des EU-Präsidenten Juncker stützen. Die Aktion ist Teil einer weltweiten Pekinger Aufbauhilfe.

Gerade, weil Peking anders tickt als Brüssel lohnt es sich, das Kleingedruckte der chinesischen Europapolitik zu lesen. “China hat schon immer den Integrationsprozess unterstützt“, sagte Premier Li Keqiang. Peking hat allerdings sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie Integration funktioniert.

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