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30.04.2015

10:10 Uhr

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

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Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Na bitte, geht doch! Das haben sich die viel Kummer gewohnten chinesischen Fußballfans beim Asien-Cup gedacht. China konnte bei dem Turnier in seiner Gruppe gewinnen, flog dann aber gegen Cup-Gewinner Australien raus. Wenn das so weitergeht, wird die chinesische Nationalmannschaft sicher bald nicht mehr nur auf Platz 83 der Weltrangliste dahindümpeln, hofften die chinesischen Fußballfunktionäre noch im Januar bei dem Turnier. Doch inzwischen ist die Luft wieder raus. Der chinesische Fußball ist nach wie vor ungenießbar.

Damit das anders wird, will Chinas Präsident Xi Jinping, ein bekennender Fußballfan, nachhelfen. Bisher gibt es landesweit rund 5 000 Schulen, in denen Fußball unterrichtet wird. In den nächsten fünf Jahren sollen daraus 20 000 werden. Bis 2030 soll dann an 50 000 Schulen Fußballunterricht angeboten werden. China soll auf absehbare Zeit zu den Top-Nationalmannschaften aufschließen, heißt die Losung. Immerhin: Die Chinesen sind fußballverrückt. Jeden Samstag werden zahlreiche Spiele der europäischen Ligen live im chinesischen TV übertragen.

Der hilfesuchende Blick der chinesischen Funktionäre geht jedoch nicht automatisch zum Weltmeister Deutschland. Denn wenn's ums Geld geht, und das geht es bei Chinesen immer, liegen andere vorne. Der wertvollste Verein der Welt ist nämlich der spanische Rekordmeister Real Madrid. Er ist rund 2,46 Milliarden Euro wert, gefolgt von Barcelona und Manchester United. Bayern München belegt mit 1,32 Milliarden Euro "nur" den vierten Platz. In die Top 20 schafften es aus der Bundesliga nur noch Borussia Dortmund auf Platz elf, Schalke 04 (zwölf) und der Hamburger SV (18).

Ist das der Grund, warum bisher noch kein Chinese sich an einem deutschen Klub beteiligt hat? Anfang des Jahres hat Wang Jianlin, der Chef des größten chinesischen Baukonzerns Dalian-Wanda-Gruppe, 52 Millionen US-Dollar ausgegeben, um 20 Prozent des spanischen Spitzenklubs Atletico Madrid zu kaufen. Zwei Tage später haben andere Investoren aus China den holländischen Klub Door Oefening Den Haag gekauft. Bereits 2014 kauften Chinesen zwölf Prozent des englischen Klubs Birmingham City. Inter Mailand plant, den nächsten Stadionbau gemeinsam mit chinesischen Investoren zu finanzieren. Und als Prinz William im März in China weilte, stand ebenfalls der Besuch eines Fußballcolleges nach britischem Vorbild auf dem Plan.

Guter deutscher Fußball hin, das gute Image der Deutschen her, die Chinesen haben engere Beziehungen zu all jenen Ländern, in denen sie schon investiert haben. Immerhin scheint der FC Bayern München die Chance jetzt zu ergreifen. Im Sommer reist man zu drei Testspielen nach Peking, Schanghai und Guangzhou. Trainer Pep Guardiola kennt das schon aus Barcelona. Und Bayern Präsident Karl-Heinz Rummenigge hofft, in China künftig eine zentrale Rolle zu spielen. Peking möchte von ihm jedoch nicht hören, dass der Aufbau nicht so einfach geht, wie bei seinen Flughäfen und Hochgeschwindigkeitszügen. Peking wünscht sich ein Konzept, wie sie möglichst bald aus dem Tal der Tränen herauskommen.

Der Autor gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Sie erreichen ihn unter: sieren@handelsblatt.com.

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