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27.02.2015

13:42 Uhr

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

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Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Der "Sozialismus chinesischer Prägung" und die Marktwirtschaft europäischer Marotten bewegen sich aufeinander zu. Das ist kein Kompliment für Europa. "Chinesische Prägung" ist ein Begriff, mit dem Chinas Kommunisten offiziell ihren Sozialismus beschreiben. Dazu gehört alles, was dem Aufstieg Chinas dient.

Die Europäer dagegen sind Innovationsmuffel. Ist das übertrieben? Nein: Man muss nur einmal kurz hintereinander in Peking und Berlin Taxi fahren, um zu verstehen, was ich meine. Peking ist für mich der Taxihimmel. Ich kann die normalen Taxen auf der Straße anhalten oder zwischen Uber und zwei anderen großen Anbietern auf meinem Smartphone wählen. Und ich kann mich sogar in meinem eigenen Auto nach Hause fahren lassen, wenn ich viel getrunken habe. Es dauert meist nur wenige Minuten, bis ein Fahrer mir eine SMS schickt, dass er vor der Bar Stand-by ist.

In Deutschland hingegen darf ein Uber-Fahrer nicht mehr als 35 Cent pro Kilometer nehmen. Das ist unter dem Existenzminimum, vom Staat so geregelt, und kaum jemand regt sich über diese Gängelung auf.

So etwas lassen die Chinesen sich nicht gefallen. In China sind die neuen Mitfahrdienste zwar auch verboten, aber es schert sich niemand darum. Kunden und Fahrer üben den zivilen Ungehorsam. Warum? Sie finden das Angebot einfach zu gut.

Investoren reißen sich um das verbotene Geschäft, das in China schon über 200 Millionen Nutzer hat und einen Umsatz von 200 Milliarden Euro generiert. Der Internetriese Alibaba ist Partner des chinesischen Anbieters Kuaidi, sein Wettbewerber Tencent hat bei Didi investiert. Und Baidu ist mit 600 Millionen US-Dollar bei Uber eingestiegen. Anfang des Jahres haben sie frisches Kapital eingesammelt. Kuaidi erhielt in der letzten Finanzierungsrunde 600 Millionen US-Dollar aus Japan und Didi 700 Millionen US-Dollar, vor allem aus Singapur.

In China schaffen Unternehmen und Kunden Fakten, an denen die Regierung kaum vorbeikommt. Damit sie den einen nicht gegen den anderen ausspielen kann, haben Didi und Kuaidi kürzlich angekündigt zu fusionieren. Gemeinsam haben sie nun einen Marktwert von 5,3 Milliarden Euro. Europa wirkt derweil wieder ein Stück altbackener.

Der Autor gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Sie erreichen ihn unter: sieren@handelsblatt.com

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