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14.07.2016

14:13 Uhr

Sierens Welt

Ganz gemein

VonFrank Sieren

Die Kritik am westlichen System wird in China lauter. Nicht mauern, sondern gut zuhören sei nun die Lösung, meint unser Kolumnist. Warum das aber ganz und gar nicht einfach werden dürfte.

Dass keine der beiden Seiten gerne kritisiert wird – weder China noch der Westen – ist klar. AFP; Files; Francois Guillot

Die Kritik am System

Dass keine der beiden Seiten gerne kritisiert wird – weder China noch der Westen – ist klar.

PekingIst die Kritik berechtigt oder will sie nur unser bewährtes System diskreditieren? Muss man die Enttäuschung der Kritiker ernst nehmen oder bekämpfen? Ist ihre Wut unberechtigt nur, weil sie von Demagogen missbraucht wird? Und haben die Demagogen nicht nur deshalb Aufwind, weil die, die an der Macht sind, mauern?

Die gleichen Fragen, die sich die Etablierten inzwischen überall im Westen gefallen lassen müssen, werden nun allmählich lauter – und zwar weltweit. Vor allem in China, dem Vorkämpfer der Aufsteiger in der neuen multipolaren Weltordnung.

Dies erstaunte beim EU-China-Gipfel in dieser Woche Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und den Präsidenten des Europäischen Rates Donald Tusk. So deutlich hatten sie nicht damit gerechnet. Beim G20-Gipfel Anfang September wird der Ton noch entschiedener werden, wenn erstmals in der Geschichte der globalen Gipfel das Treffen in China stattfinden wird.

Schon seit Monaten gärt die Kritik am Westen in den chinesischen Medien. Die Flüchtlingskrise sei das Ergebnis „einer überzogenen Vorstellung von Demokratie“. Der Westen habe den arabischen Ländern seine politischen Ideen aufgezwungen, „die Flüchtlingskrise ist die Quittung“ liest man in der Global Times; ein „leichtfertiges demokratisches Referendum“ habe Europa in eine Krise gestürzt, in der Volkszeitung. Der Westen lebe über seine Verhältnisse und auf Kosten der Schwellenländer, steht in der China Daily. Daraus schließen Kommentatoren: Die Menschen im Westen fühlten sich von ihren Politikern nicht mehr vertreten und der westliche Entwicklungsweg sei auch nicht der Weisheit letzter Schluss.

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Der Autor

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Die Etablierten reagieren auf internationaler Ebene ähnlich wie auf nationaler. Sie mauern, statt eine Debatte darüber zu führen, wie man die westlichen Demokratien modernisieren kann. Die Stimmen aus China seien ja nur ein Teil der populistischen Re-Ideologisierungskampagne von Präsident Xi Jinping. China wolle uns nur destabilisieren.

Natürlich finden sich auch überhebliche, maßlose Kritiker im Reich der Mitte. China sei anders als der Westen „voller Tugend und Weisheit, wenn es darum geht, eine neue Weltordnung zu etablieren“, glaubt die Volkszeitung.

Die Verteufelung der Kritiker führt jedoch nicht weiter, wenn es darum geht, unser System neu auszutarieren. Das gilt vor allem für Kritiker aus China, deren Einfluss jeden Tag wächst. Hier wie dort bringt es wenig, mit der Kritik an dem jeweils anderen, den eigenen Weg zu zementieren.

Allerdings können wir der Mehrheit der chinesischen Medienstimmen dies nicht vorwerfen. Über 70 Prozent der marktwirtschaftlich orientierten und der staatlichen chinesischen Medien berichten neutral bis positiv über die Krise in Europa. Das ist das Ergebnis einer Auswertung von 75.000 Artikeln durch das Berliner Forschungsinstituts MERICS. Die Werte in den sozialen Medien sind wie üblich niedriger. Doch immerhin noch 58 Prozent der Äußerungen zur Krise in Europa sind positiv oder neutral. Interessant ist wiederum, wie negativ MERICS das Ergebnis kommentiert: „Selbst marktorientierte und soziale Medien schrecken nicht davor zurück, negative Fakten und Szenarien zu berichten“, lautet die Überschrift. Ja, das ist ja wirklich ganz gemein.

Unser Kolumnist der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

14.07.2016, 14:28 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Peter Noack

14.07.2016, 16:28 Uhr

Wer wollte denn China mit den Augen der EU oder der Nato sehen?
Was hat denn die Politik des Westens seit 2001 den Staaten des Nahen Ostens oder Nordafrikas gebracht?

Sind wenigstens die gröbsten sozialen Probleme der neuen EU Staaten gelöst?
Müssen immer weitere Millionen Arbeitsmigranten ihre Heimat verlassen und die Sozialsysteme in den reichen Staaten überbelasten?
Stimmt es.dass Großbritannien 3 Mio. solcher Wanderarbeiter aufggenommen hat?
Kommenjeweils weitere 3 Millionen nach Frankreich und Italien? Hat Deutschland 4 Millionen aufgenommen? Wie viele Albaner sind in Griechenland, obwohl Albanien nicht in der EU ist?
Sollen zu den 12 Mio. Arbeitsmigranten aus Osteuropa noch einmal 12 Millionen dazu kommen? Wie sollten das die Völker im Westen verkraften? Ist das die vielgepriesene Arbeitnehmerfreizügigkeit???

Ihr könnt nicht anders: Ihr müsst die EU zerstören. Soll das die Welt von der EU lernen?
Hat der Westen ein einziges Land in der Welt politisch stabilisieren können? Wenn schon nichrt Afghanistan, Pakistan, Bangladesch, Libyen, Syrien, Irak, Ägypten, Somalia, Nigeria, Jemen, Südsudan, Kongo, Palästina usw. usf. Diese nicht! Dann wenigstens Portugal, Spanien, Griechenland, Italien, Frankreich oder Großbritannien? Ganz zu schweigen vom Westbalkan.

Herr Peter Noack

14.07.2016, 16:44 Uhr

Sollen jetzt die hochentwickelten Industrieataaten Zentralasiens auf einen Beitritt in die EU vorbereitet werden? Kirgistan hat nur 6 Mio. Einwohner. Das Türkenvolk Turkestan hat schon 29 Millionen. Dazu kommen noch Taschikistan, Armenien und Georgien. Wollen wir die Sunitten und Schiiten befrieden, die sich untereinander mit Terror bekämpfen?
Wie stellt man sich denn eine EU von Portugal bis Wladiwostok vor? Soll dazu auch China und Korea kommenm?
Werden alle neuen EU Staaten dann auch Mitglied der Nato?

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