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08.10.2015

16:48 Uhr

Sierens Welt

Keine Einsturzgefahr

VonFrank Sieren

Stabiles Wachstum, hohe Währungsreserven, kaum Auslandsschulden: Sorgen über die chinesische Volkswirtschaft sind unbegründet, meint China-Korrespondent Frank Sieren. Im Gegenteil: Das „Haus China“ stehe ziemlich robust.

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Der Autor

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Eine harte Landung einer Volkswirtschaft sieht in jedem Land ähnlich aus: Das Wachstum ist auf null oder sogar im Minusbereich, die Währung wurde bis zum geht-nicht-mehr abgewertet, um die eigenen Produkte preiswert zu machen und trotzdem erwirtschaftet das Land ein hohes Handelsbilanzdefizit, gibt also mehr aus, als es einnimmt. Die Auslandsverschuldung ist deshalb hoch. Die Devisenreserven sind stark abgeschmolzen oder aufgebraucht. Die Industrieproduktion sinkt. Der Konsum geht zurück. Die Immobilienpreise und die lokalen Börsen brechen ein. Das Kapital flieht ins Ausland. Die Inflation galoppiert. Die Arbeitslosigkeit steigt dramatisch. Soziale Unruhen flammen auf. Die Regierung wackelt.

Das erleben wir zum Beispiel derzeit in Brasilien. Und genau das macht dem Internationalen Währungsfonds große Sorgen, wie man gestern lesen konnte: Die Wirtschaft schrumpft dieses Jahr um ein gutes Prozent. Der Real ist seit Anfang 2014 zum US-Dollar um 40 Prozent eingebrochen. Die Inflation liegt bei fast acht Prozent. Die Auslandschulden betragen 750 Milliarden US-Dollar. Tendenz steigend. Und das bei nur halb so hohen Devisenreserven und einem Handelsbilanzdefizit von fast vier Milliarden US-Dollar im Jahr. Die Industrieproduktion und der Konsum sind rückläufig. Die Arbeitslosigkeit steigt. Doch selbst Brasilien ist noch längst kein Failed State, allerdings ein Land, um das man sich derzeit Sorgen machen muss.

Sorgen macht auch Russland, wenn auch nicht ganz so große wie Brasilien, da der Einbruch im Westen durch die Sanktionen politisch gewollt, also nicht von Dauer ist. Auf der Habenseite hat Russland immerhin ein Handelsbilanzplus von 190 Milliarden US-Dollar, was allerdings bei Auslandschulden von über 600 Milliarden US-Dollar so viel dann auch nicht ist, vor allem, wenn die Wirtschaft in diesem Jahr über 3,7 Prozent schrumpfen wird. Der Rubel ist seit Anfang 2014 über 50 Prozent eingebrochen. Die Inflation liegt bei 17 Prozent. Der Einzelhandel ist um 4,5 Prozent zurückgegangen. Die Immobilienpreise in Moskau sind um 25 Prozent eingebrochen.

Kommentare (2)

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Herr go rilla

08.10.2015, 17:00 Uhr

Aufenthalt vor Ort kann die Perspektive verzerren, je länger, je mehr.
Die eingangs angeführten Anzeichen für eine deutlich schlechtere Zukunft sind in China bald alle vorhanden - allerdings soweit offiziell veröffentlicht, noch nicht angsteinflößend. Aber so ist es am Anfang immer.

In China tritt hinzu, daß es sich um eine Autokratie schlimmster Art handelt, der jegliches demokratische Verhalten völlig abgeht. Es sind daher weder die veröffentlichten Zahlen und Prognosen glaubwürdig noch das Verhalten der Administration voraussehbar oder zumindest kalkulierbar und schon gar nicht zwingend oder zumindest in der Regel rechtsstaatlich.

So ist mit guten Gründen anzunehmen, daß auch eine Fremdprognose, die all dies nicht ausdrücklich ins Kalkül zieht, nichts wert ist.

Adolf Schickelgruber

08.10.2015, 18:38 Uhr

Deutschland wird Dank Zuwanderung bald die gleiche Einwohnerzahl haben und deshalb in unermesslichen Wohlstand versinken.
Spaß beiseite,: Wie erklärt sich der Devisen-Abfluss aus China, wenn alles zum Besten steht ?

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