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24.11.2016

15:44 Uhr

Sierens Welt

Keine guten Manieren

VonFrank Sieren

Die Diskussion um den in Peking gegen Chinesen pöbelnden Daimler-Manager zeigt, dass wir die gegenseitigen Ressentiments nicht unterschätzen dürfen. Die guten Manieren werden schnell vergessen – auf beiden Seiten.

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

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Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

PekingDas ist schon selten dämlich als Ausländer gleich alle Chinesen zu beschimpfen, in einem Streit mit einem Chinesen, um einen Parkplatz in Peking und sie dann auch noch „Bastarde“ zu nennen. So etwas darf eigentlich nicht passieren und schon gar nicht dem Präsidenten und CEO der chinesischen Sparte von Daimler. Andererseits kann so etwas im Affekt schon mal vorkommen, in China ebenso wie in Deutschland, unter Chinesen ebenso wie unter Deutschen. Und eben auch zwischen Deutschen und Chinesen.

Meist jedoch bereuen die Streithähne in so einem Fall schnell, was ihnen rausgerutscht ist, entschuldigen sich und die Sache ist damit erledigt. Auch der deutsche Manager hat sich längst in Anwesenheit der Polizei entschuldigt.

Die Geschichte über den pöbelnden Daimlermanager wurde über 13 Millionen Mal auf Weibo (Chinas Twitter) gelesen und 8500 Mal kommentiert. dpa

Daimler in China

Die Geschichte über den pöbelnden Daimlermanager wurde über 13 Millionen Mal auf Weibo (Chinas Twitter) gelesen und 8500 Mal kommentiert.

Dass Daimler den Mann nun von seinem Job abzieht, ist im Grunde schon zu viel des Guten. Es sei denn, dies war aus Sicherheitsgründen notwendig: Denn die Geschichte wurde über 13 Millionen Mal auf Weibo (Chinas Twitter) gelesen und 8500 Mal kommentiert.

Einige chinesische Reaktionen sind ebenfalls eine Entschuldigung wert: Zunächst einmal ist es nicht in Ordnung, dass Name, Adresse, Telefonnummer und Fotos des Daimler-Managers ins Netz gestellt werden – eine Einladung zur Lynchjustiz. Es ist auch unverschämt, zum Boykott von Mercedes Fahrzeugen aufzurufen. Und Netzkommentare wie folgender in der „Shanghai Daily“ gehen überhaupt nicht: „Glücklicherweise mussten die Pekinger nur ein Jahr mit diesem kranken, weißen Tier zusammenleben“. Das ist leider kein Einzelfall.

Chef der Trucksparte: Daimler-Manager in China am Pranger

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Daimler-Manager in China am Pranger

Ein Daimler-Manager soll eine Frau wüst beschimpft haben. Chinas Staatsmedien befeuern die Debatte im Netz, indem sie Namen, Funktion und Fotos des „überheblichen Europäers“ verbreiten – und zum Boykott aufrufen.

Sicherlich ist es überzogen, in diesem Fall von einer konzertierten, politischen Aktion des chinesischen Staates zu sprechen, um Vertreter deutscher Unternehmen gefügig zu machen. Eine gewisse Fahrlässigkeit jedoch muss man schon konstatieren. Denn solche Kommentare sind nicht unvermeidbar in einem Land, das sich rühmt, ein „gemanagtes Internet“ zu haben, was bedeutet, dass unliebsame Kommentare sofort gelöscht werden. Im Umkehrschluss heißt das: Der „weißes Tier“-Kommentar ist offensichtlich nicht unerwünscht – schon ein wenig erschreckend.

Immerhin haben maßgebliche Blätter wie die staatliche „Global Times“ vernünftig reagiert: Das ansonsten gerne polarisierende Blatt lässt in seinem Artikel nur einen Mercedes-Kunden zu Wort kommen, der zwar fordert, der Manager solle bestraft werden, aber von einem „privaten Einzelfall“ spricht, welcher die Marke Mercedes „nicht berühren sollte“. Ein Leserkommentar wiederum fordert jedoch, all die „deutschen Nazi-Autos zu verbrennen.“

Erschreckend an diesem Streit ist vor allem eines: Die gegenseitigen Ressentiments zwischen Deutschen und Chinesen lassen sich offensichtlich leicht hervorlocken. Die guten Manieren sind dann schnell vergessen – leider auf beiden Seiten.

Unser Korrespondent der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China Spezialisten. Er lebt seit mehr 20 Jahren in Peking.

Kommentare (1)

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24.11.2016, 16:51 Uhr

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