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25.06.2015

13:45 Uhr

Sierens Welt

Labile Normalität

VonFrank Sieren

Es ist eine kleine Sensation: Der chinesische Künstler Ai Weiwei stellt wieder in Peking aus. Der Staat und er haben einen Modus Vivendi gefunden, meint Frank Sieren. Trotzdem darf Weiwei nicht nach Deutschland reisen.

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Der Autor

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Es ist eine kleine Sensation, die davon lebt, dass man sie nicht herausposaunt. Ein Ereignis, das keine Aufregung verträgt, kein Geschrei, dem vielmehr eine gewisse Selbstverständlichkeit gut tut:  Der chinesische Künstler Ai Weiwei stellt wieder in Peking aus. Es sind gleich mehrere Ausstellungen und seine erste Einzelausstellung in China seit Jahren. Und sie sind nicht etwa in einer Tiefgarage zu sehen, sondern im 798, dem bekanntesten Künstlerviertel Chinas, den Bauhaus inspirierten Fabrikhallen, die in der Mao-Zeit von den Russen nach deutschen Plänen erbaut wurden.

Das Verhältnis zwischen Ai Weiwei und dem chinesischen Staat entspannt sich. Eine labile Normalität. "Es ist Zeit, die Seite über die politische Kontroverse mit ihm umzuschlagen“, schreibt die staatliche Tageszeitung Global Times. Das bedeutet nicht, dass der Staat so denkt, sondern nur, dass es nicht mehr so riskant ist, dies so zu schreiben.

Zahlen und Fakten zu China

Bevölkerung

China ist mit 1,37 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Erde.

Fläche

Auf einer Fläche von rund 9,5 Millionen Quadratkilometern ist China in 22 Provinzen und fünf Autonome Regionen gegliedert.

Sonderverwaltungszonen

Dazu kommen die beiden Sonderverwaltungsregionen Hongkong und Macau.

Hauptstadt

Die Hauptstadt des Reichs der Mitte ist Peking. Dort allein leben mehr als 20 Millionen Menschen – und das sind nur die offiziellen Zahlen.

Han und Minderheiten

Die große Mehrheit der Bevölkerung sind Han-Chinesen (91,6 Prozent), dazu kommen 55 Minderheiten.

Religion

Rund ein Fünftel der Bevölkerung hängt Volksreligionen an, dazu kommen sechs Prozent Buddhisten und 2,4 Prozent Muslime.

Stadt und Land

Mit 749 Millionen Menschen lebt die Mehrheit der Bürger (55 Prozent) in Städten.

Der Konflikt um Ai Weiwei könnte ein Modell werden, wie der chinesische Staat sich mit Menschen arrangiert, die er für unliebsam, für Störenfriede hält. Deshalb ist die Geschichte von Ai und den Sicherheitsbehörden weit über den Bereich der Kunst hinaus interessant.

Die Auseinandersetzung von Ai Weiwei und dem Staat ist eine Geschichte, in der zwei Welten erst einmal ungebremst und unversöhnlich aufeinander geprallt sind.  Lange verharrten der sture Staat und das aufmüpfige Opfer unversöhnlich, um sich dann doch langsam zu verständigen und nun einen Modus zu finden, in dem beide leben können. Einen Modus Vivendi. Es ist die vorläufige Regelung einer Streitfrage, die womöglich dauerhaft Bestand hat. Das war nicht abzusehen:

Ai Weiwei wurde so verprügelt, dass er schwer verletzt war. Er musste sein Atelier auf eigene Kosten abreißen, wurde an der Ausreise gehindert, im April 2011 dann verhaftet und in einem Hotelzimmer interniert. Steuerhinterziehung wurde ihm vorgeworfen: „Provokante Menschen wie Ai Weiwei muss man im Zaum halten“, fasst damals ein Sprecher des Außenministeriums die Haltung des Staates zusammen.

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