Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.05.2016

11:04 Uhr

Sierens Welt

Nur nicht vor die Tür gehen

VonFrank Sieren

Vor allem Chinas Frauen machen das Land zum größten und fortschrittlichsten Onlineshopping-Markt der Welt. Im Vergleich etwa zu Deutschland haben sie eine Shopping-Entwicklungsstufe übersprungen.

Fast die Hälfte der 600 Millionen Menschen, die ans Internet angeschlossen sind, kauft regelmäßig im Netz. dpa

Internetcafé in Peking

Fast die Hälfte der 600 Millionen Menschen, die ans Internet angeschlossen sind, kauft regelmäßig im Netz.

PekingFür Frauen ist einkaufen ein Erlebnis. Für Männer ein notwendiger Vorgang, um an ein neues Produkt zu kommen. Dieses Klischee stimmt weder in China noch in Deutschland. In beiden Ländern kaufen Frauen mehr online ein als Männer. In China ist dieser Trend allerdings noch sehr viel ausgeprägter, als in Deutschland.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Bezahlsystems Alipay herausgefunden, an das alleine 450 Millionen Chinesen angeschlossen sind. Sind chinesische Frauen also emanzipierter? Sind sie technikaffiner, gewissermaßen moderner als Männer? Nein. Sie sind einfach pragmatischer. In ihrem wuseligen chinesischen Umfeld macht es mehr Sinn, drei Köpfe Salat, vier Joghurts und Olivenöl online zu bestellen und sich nach Hause liefern zu lassen.

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Der Autor

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Wenn man den Anteil des Onlineshoppings in Deutschland und China vergleicht, fällt auf, dass vor allem die chinesischen Frauen im Vergleich zu Deutschland gewissermaßen eine Entwicklungsstufe übersprungen haben. Sie haben die Supermarktphase ausgelassen. Vor allem in ländlichen Gebieten sind sie vom Tante Emma Laden direkt im Internet gelandet, bevor die Supermärkte ihre Netze überhaupt aufbauen konnten.

Das Onlineshoppen ist einfach. Denn fast überall in China gibt es inzwischen preiswertes oder sogar kostenloses Internet. Die lokalen Smartphone-Marken sind so erschwinglich, dass bereits jeder zweite chinesische Mobilfunkbenutzter ein Smartphone hat. Ein anderer Vorteil: Die Kundinnen, die weniger spontan kaufen als Männer, bekommen halbwegs unabhängige Bewertungen der Produkte gleich mitgeliefert.

In den Großstädten wiederum müssen sie sich nicht durch verstopfte Straßen quälen und in volle U-Bahnen quetschen. In Peking, Schanghai und anderen Metropolen überlegen sich die jungen, pragmatischen Frauen inzwischen drei Mal, ob und warum sie einen Umweg machen.

Auf dem Land hingegen sind die Straßen freier, aber die Wege zum nächsten Supermarkt sind unter Umständen weit. Und wenn sie schließlich, wie in China üblich, die Lieferung erst bei Erhalt bezahlen müssen – am besten bargeldlos über das Smartphone – gibt es kaum noch einen Grund, nicht online zu kaufen. Zumal der Lieferant auf seinem dreirädrigen Lastenmotorrad die Ware auch noch gleich wieder mitnimmt, sollte sie der Kundin nicht gefallen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×