Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.07.2015

15:32 Uhr

Sierens Welt

Taylor Swift vs. Volksrepublik China

VonFrank Sieren

Taylor Swift provoziert Chinas Behörden mit einer Modekollektion. Die Marke der Sängerin kann als Anspielung auf die Freiheitsbewegung von 1989 verstanden werden. Ein spannendes Duell, meint unser Kolumnist Frank Sieren.

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Der Autor

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Kennen Sie Taylor Swift? Nicht? Ich kannte die 25-Jährige Pop-Sängerin bis vor kurzem auch kaum. Wir kennen sie nicht, weil wir Ü40 sind, uns hauptsächlich mit Wirtschaft beschäftigten und noch keine siebenjährigen Kinder haben. Eine Wissenslücke, denn sie ist eine der erfolgreichsten Sängerinnen der Welt.

Ihr Album „Fearless“ war schon 2008 das erfolgreichste Album der 2000er. Mit ihrem gegenwärtigen Hit-Album hat sie allein neun von 15 Nominierungen für die MTV Video Music Awards 2015 bekommen, die Ende August vergeben werden. Nicht unsere Baustelle, richtig.

Immerhin einen Schnittpunkt gibt es: Ihr Vater leitet die Swift Group, ein erfolgreiches Finanzberatungsteam der Bank of America Merryl Lynch. Allerdings verdient die Kleine schon heute mehr als ihr Vater. 64 Millionen US-Dollar. Damit ist sie nach Beyonce, die weltweit am zweitbesten bezahlte Musikerin.

Erste Verkaufswoche: Taylor Swift bricht mit neuem Album Rekorde

Erste Verkaufswoche

Taylor Swift bricht mit neuem Album Rekorde

Es ist der stärkste Verkauf seit 2002: Bereits 1,3 Millionen Exemplare von Taylor Swifts neuem Album „1989“ wurden in der ersten Woche verkauft. Auch einen weiteren Rekord kann die US-Sängerin einstellen.

Doch was hat sie mit China zu tun? Viel. Erst hat sich Swift erfolgreich mit Apple angelegt. Nun fordert sie China heraus – mit einer Frauen-Mode Kollektion. Die Sängerin hat Apple gezwungen, die Konditionen für den Musikdienst I-Tunes anzupassen. Apple wollte Musik für die ersten drei Monaten honorarfrei streamen, bis Swift in einem Blog dies als „schockierend und enttäuschend“ bezeichnete. Apple lenkte wenige Stunden später ein. Mutig!

Nun ist China dran: Swift neustes Album ist nach ihrem Geburtsjahr 1989 benannt, das Jahr, in dem die Freiheitsbewegung vom Platz des Himmlischen Frieden blutig niedergeschlagen wurde. Ein Datum, das in den sozialen Medien und öffentlichen Debatten Chinas bis heute zensiert wird.

Dafür kann Swift nichts. Damit hat sie nichts zu tun. Es spricht nichts dagegen, ihr Album 1989 zu nennen. Erstaunlich ist aber schon, dass sie nun in China, und zwar nur in China eine Modekollektion unter dem Label TS 1989 herausbringt. TS sind ihre Initialen. Sie könnten aber auch für Tiananmen Square stehen.

Ihre Mode wird über die chinesischen Online Konzerne jd.com und alibaba.com vor ihrer Chinatour im November vertrieben. Die Mode-Ankündigung im chinesischen Netz ist bereits online. Bisher wurde sie nicht zensiert. Vernünftig wäre es von Peking, die Swift-Mode auch weiterhin zu ignorieren. Doch das ist im gegenwärtigen politischen Klima unwahrscheinlich.

Die Hardliner werden befürchten, dass die T-Shirts zu einem Symbol für die Unzufriedenheit mit der Partei werden könnten. Die Neurotiker unter ihnen werden sogar behaupten, Swift habe das lange vorbereit, wenn sie die Abfolge ihrer Alben Titel lesen: „Furchtlos“, „Spreche jetzt“, „rot“, „1989“.

Und sie werden fragen: Steckt da womöglich der amerikanische Geheimdienst dahinter? Ist es nicht eigenartig, dass Swift just vor der ersten USA Reise von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping im Herbst damit auftaucht?

Die Westen-Versteher im chinesischen Apparat werden dagegen halten: Ihre Texte seien unpolitisch. Swift sei einfach nur jung, gedankenlos und naiv. Ausgerechnet die New York Times fällt ihnen allerdings in den Rücken. Sie bescheinigt der Sängerin, es sei „nichts Naives“ in ihrer Musik und sie sei „eine der führenden Pragmatiker“ der USA. Es wird also spannend das Duell: China gegen Taylor Swift. Wie gut, dass wir jetzt wenigstens wissen, wer sie ist.

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit 20 Jahren in Peking.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×