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23.01.2015

09:52 Uhr

Simbabwes Kampf um Land

First Lady enteignet die Enteigner

Vor 15 Jahren enteigneten sie weiße Farmer und wurden als Vorkämpfer gepriesen. Doch jetzt werden Simbabwes Kleinbauern selbst vertrieben. Die Polizei enteignet sie, weil die Frau des Präsidenten mehr Land braucht.

Simbabwes First Lady Grace Mugabe. Sie enteignet Bauern, um einen Wildpark zu errichten. dpa

Simbabwes First Lady Grace Mugabe. Sie enteignet Bauern, um einen Wildpark zu errichten.

MazoweDas hätte sich Timon Shava nie träumen lassen. Im Jahr 2000 gehörte er sozusagen zu den Helden des Landreform-Programmes in Simbabwe, nahm mit Hunderten weiteren Kleinbauern an Enteignungen teil, an der Vertreibung weißer Farmer. Heute ist Shava obdachlos. Die Polizei hat Dutzende von Strohhütten auf einem Farmgelände zerstört, weil jemand anders es haben will: Grace Mugabe, die Frau des langjährigen Präsidenten Robert Mugabe.

Die 49-jährige First Lady besitzt einen anderen Landwirtschaftsbetrieb ganz in der Nähe und sagte im vergangenen Jahr, dass sie die Farm in einen Wildpark umwandeln wolle. Mit dem Erlös daraus könne man Geld für ein Waisenheim sammeln.

Es ist eine neue Drehung und Wendung im bereits lange andauernden Streit über Land in dieser südafrikanischen Nation. Und diesmal stehen mächtige Personen aus der Regierungspartei Zanu PF, früher eine gegen weiße Unterdrücker gerichtete Befreiungsbewegung, armen Pächtern gegenüber. Zu den mächtigen Figuren zählt Grace Mugabe, der Ambitionen auf die Nachfolge ihres 90-jährigen Ehemannes nachgesagt werden. So wurde sie im Dezember Chefin der Zanu-Frauenliga und zählte neben ihrem Mann zu den schärfsten Kritikern der - kürzlich aus ihrem Amt entlassenen - Vizepräsidentin Joice Mujuru.

Die EU und Afrika

Bildung, Gesundheit und Zivilgesellschaft

Die EU fördert afrikanische Staaten bei der Ausbildung. Mehr als zwölf Millionen Menschen hat sie nach eigenen Angaben zwischen 2007 und 2013 bei ihrer Schul- oder Berufsausbildung unterstützt. Tausende Studenten erhielten Stipendien oder nahmen am Erasmus-Austauschprogramm teil. 178 Millionen Euro flossen in den vergangenen sieben Jahren in mehr als 600 afrikanische Forschungsprojekte zu Ernährungssicherheit, Klimawandel, Gesundheit und Energie. Auch zur Förderung von Demokratie und Menschenrechten und für den Kampf gegen den Klimawandel stellt die EU Geld bereit.

Wachstum und Handel

Europa ist der wichtigste Partner Afrikas in der Entwicklungshilfe. Zwischen 2007 und 2013 unterstützten die EU und ihre Staaten Afrikas Entwicklung mit rund 141 Milliarden Euro. Der Handel zwischen Europa und Afrika wächst seit Jahren – in beide Richtungen. 2013 exportierten die EU-Staaten Waren im Wert von 153 Milliarden Euro auf den afrikanischen Kontinent. Das war ein Rekord, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat meldete. Frankreich, Deutschland und Italien waren die größten Exporteure. Deutschlands Ausfuhren nach Afrika summierten sich 2013 auf 22 Milliarden Euro. Umgekehrt ist die EU für Afrika der größte Handelspartner, dorthin gehen 40 Prozent aller afrikanischen Ausfuhren. Die afrikanischen Staaten verkauften im vergangenen Jahr Waren für 168 Milliarden Euro nach Europa.

Friedenssicherung

Im vergangenen Jahrzehnt hat die EU 16 EU-Missionen nach Afrika geschickt, um Krisen zu bewältigen und den Frieden zu sichern. Darunter waren nach Angaben des EU-Rates sieben Militäroperationen etwa im Kongo, Somalia und Mali sowie 9 zivile Missionen wie in Kinshasa oder im Sudan/Darfur. Derzeit sind mehr als 2300 Männer und Frauen unter der EU-Flagge bei EU-Friedensmissionen in Afrika im Einsatz. Seit 2004 hat die EU 1,2 Milliarden Euro zur Unterstützung afrikanischer Operationen zur Friedenssicherung bereitgestellt.

Shava wurde von der Manzou-Farm in Mazowe vertrieben, einer Toplandwirtschaftsregion gut 40 Kilometer nördlich der Hauptstadt Harare. Die Polizei habe ihm und anderen protestierenden Pächtern gesagt, dass das Land für Grace Mugabe bestimmt sei, schilderte Shava Journalisten der Associated Press. „Sie spendeten Beifall, als wir die weißen Besitzer 2000 wegjagten. Aber jetzt werden wir wie Kriminelle behandelt. Es ist, als ob wir diesen Ort für die großen Leute verwaltet haben. Wir sind benutzt worden.“

Robert Mugabe hatte die manchmal gewalttätigen Enteignungen weißer Farmer vor 15 Jahren als Maßnahme bezeichnet, um Ungleichgewichte aus der Kolonialzeit beim Landbesitz zu korrigieren. Kritiker sagen, dass Misswirtschaft die landwirtschaftliche Produktion auf vielen der übernommenen Betriebe beeinträchtigt hat.

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