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02.11.2011

19:16 Uhr

Simeon Djankov

„Der Handel mit Griechenland ist eingebrochen“

VonMathias Brüggmann

Bulgariens Vizepremier Simeon Djankov hat das härteste aller Sparprogramme in Europa durchgesetzt. Nun empfiehlt er den Euro-Ländern ein ähnlich rustikales vorgehen, etwa harte Kürzungen bei den Beamten.

Bulgariens Vizepremierminister Simeon Djankov. Reuters

Bulgariens Vizepremierminister Simeon Djankov.

Herr Djankov, ist Bulgarien aus der Finanzkrise heraus oder stecken sie noch voll drin?

Wir sind aus dem Gröbsten heraus. Unsere Wirtschaft wächst wieder und die Steuereinnahmen steigen. Aber wir stecken natürlich auch in einer Phase der großen Unsicherheit, denn 60 Prozent unseres Handels geht in die EU, über die Hälfte davon nach Deutschland. Und wenn Deutschland wieder schwächer wächst, dann hat das natürlich auch für uns Folgen. Unsere Wachstumsprognosen wurden für 2012 deshalb von 4,1 auf 2,9 Prozent gesenkt. Das bringt noch keine Probleme für die Stabilität Bulgariens, wohl aber für nun nur noch schwächeres soziales Wachstum. Und wie überall in Europa sind auch die Bulgaren es leid, immer neue Sparrunden zu bekommen oder Kürzungsankündigungen.

Und was haben Sie Ihrem Volk stattdessen zu bieten?

Wir haben in diesem Jahr wenigstens den Mindestlohn angehoben um fast 15 Prozent und die niedrigsten Renten haben wir auch angehoben.

Und der Mindestlohn ist jetzt wie hoch?

135 Euro.

Nur 135 Euro? Im Monat?

Ja, aber es waren davor 120 Euro. Und wir haben auch die Witwenrente um ein Drittel angehoben für 700000 der 2,1 Millionen Rentner. Das war alles was wir uns leisten konnten. Denn das wirtschaftliche Abbremsen in Westeuropa hat ja auch für uns Folgen. Zudem haben wir uns verordnet, nicht mehr als zwei Prozent Haushaltsdefizit zu bekommen.

Wie soll das gehen? Sie können damit im Notfall keine Konjunkturprogramme auflegen.

Wir müssen also die Steuereinnahmen erhöhen ohne die Steuern zu erhöhen. Wir haben dieses Jahr bereits 13 Prozent höhere Steuereinnahmen eingesammelt.

Wie das denn?

Erstens weil die Wirtschaft dieses Jahr immerhin um 2,8 Prozent wächst. Aber vor allem, weil wir jetzt dort zugreifen, wo früher durch Schmuggel oder Steuerhinterziehung Gelder verloren gingen.

Kommentare (21)

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herbert

02.11.2011, 20:23 Uhr

Bulgarien ist nicht Deutschland also zwei verschiedene Wirtschaften!
Wie war der Vorschlag, bei den Beamten sparen?
Ihm fehlt wohl der Durchblick!
Der einfache Beamtendienst liegt mal soeben über dem Sozialhilfesatz.
Der mittlere Beamte wie ein Facharbeiter, der höhere wie ein Ingeneur und der gehobene eben Ärzte und Rechtsanwälte.



Geier

02.11.2011, 20:45 Uhr

Kann das den vielleicht sein das Beamte nicht ,alle paar Jahre mehr Geld bekommen neben der normalen Lohnerhöhung.
Sonstige Vergünstigungen haben z.b. Krankenversicherung,Pensionen usw.
Wenn ich unrecht habe Sorry.

Account gelöscht!

02.11.2011, 21:07 Uhr

Ich habe keine Ahnung ob die Eurozone die 'Bulgarien' Kriterien einführen muss(40% Schulden,2% Defizite)aber die Renditen für Bulgarien sind niedriger als die von Spanien.Zumindest kann man den Zahlen in Bulgarien trauen-der IWF prüft seit der Bindung an der DMark die Bücher.Ich habe leztens ein weiteres Interview mit dem Mann gelesen-dort hat er gesagt, dass der IWF in Bulgarien eine Eigenkapitalquote bei den Banken von 15% gefordert hat-und dass die sehr gute Erfahrungen damit gemacht haben in den letzten 10 Jahren.Da werden uns aber 'Experten' sagen 9% ist schon hoch genug und dass Deutschalnd nicht Bulgarien ist-also werden eir auch in 20 Jahren Banken retten müssen.

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