Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.05.2011

14:49 Uhr

Situation-Room-Dokument

Ein Foto und ein Präsident

VonMarkus Ziener

Die Aufnahme aus dem Situation Room des Weißen Hauses ist schon jetzt Kult. Die eigentliche Faszination des Bildes liegt in seiner verborgenen Aussage.

WashingtonKultstatus erwarb sich das Foto aus dem Situation Room des Weißen Hauses bereits Stunden nach seiner Veröffentlichung. Darauf zu sehen sind der US-Präsident und ein Dutzend andere, die gebannt und fasziniert auf einen Bildschirm blicken, auf dem in Echtzeit zu sehen ist, was sich gerade auf der anderen Seite des Erdballs abspielt: Die entscheidenden Minuten der Jagd nach dem Top-Terroristen Osama bin Laden in Pakistan.

Quelle: Reuters

Doch die Interpretation dieses einmaligen Bilddokuments geht auch eine knappe Woche nach dem Tod des El Kaida-Chefs weiter. Der Grund: Das Foto bietet einen intimen Blick in die wichtigste Machtzentrale dieser Welt. Im Zentrum stehen dabei Präsident Barack Obama und seine Außenministerin Hillary Clinton. Der eine, weil er angetan in legerem weißem Poloshirt und dunklem Blouson und in gebeugter, niedriger Haltung auffällig unpräsidentiell, ja unbeteiligt wirkt. Die andere, weil sie, mit der rechten Hand vor dem Mund und starrem Blick nach vorne, die Anspannung dieser Minuten verkörpert.

Die eigentliche Faszination des Bildes liegt aber gerade in seiner verborgenen Aussage. Denn heute wissen wir, dass Obama die Kontrolle der Kommandoaktion nie aus der Hand gegeben hat. Während sich der US-Präsident in den letzten Wochen mit dem Dauerstreit ums Haushaltsdefizit und den Wirbelstürmen im Süden der USA befasste, beriet er kontinuierlich mit seinem Sicherheitsteam die Operation gegen „Geronimo“ – Codewort für Osma bin Laden - in Abbottabad in Pakistan. Und das im Bild festgehaltene Entsetzen des Moments von Hillary Clinton täuscht über die Tatsache hinweg, dass die Ministerin seit vielen Monaten genau wusste, was in Pakistan gespielt wurde. Die vor den Mund geschlagene Hand lässt sie indes ängstlich erscheinen. Ängstlicher als sie wohl je war – und weshalb sie jetzt mit der Bemerkung, die Geste sei einer Allergie geschuldet,  das vermeintliche Zeichen der Schwäche herunterspielen will.

Fesselnd ist an der Aufnahme des Regierungsfotografen Pete Souza jedoch noch mehr. Denn wer sich je den Situation Room im Weißen Haus als geräumige Kommandozentrale vorgestellt hat, der sieht sich getäuscht. Tatsächlich ist der schalldichte Raum eher klein, gedrängt und vollgestellt mit einem Tisch, einigen Stühlen, Laptops und anderem technischen Gerät. Eingerichtet wurde der so genannte „Sit Room“ von John F. Kennedy 1961 nach dem Scheitern der geplanten Invasion Kubas in der Schweinebucht. Ab sofort sollte der amerikanische Präsident über einen nahen Befehlsstand verfügen, an dem alle Informationen zusammenliefen.

Was die Männer und Frauen am Spätnachmittag dieses Tages auf dem Bildschirm im im Situation Room sahen wird möglicherweise nie genau bekannt werden. Von dem, was sie hörten, wissen wir, dass es unter anderem die Stimme von Leon Panetta war. Der CIA-Direktor befand sich in seinem eigenen Situation Room und kommentierte von dort per Lautsprecher für den Präsidenten die Ereignisse in Abbottabad. „Wir haben Geronimo im Bild“, sagte Panetta schließlich. Und nachdem die tödlichen Schüsse gefallen waren erklärte Obama: „Wir haben ihn“.

 

 

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

C.Meyer

08.05.2011, 16:43 Uhr

Immerhin merkwürdig. Warum sitzt der Militär mit ordensgeschmückter Brust auf dem Chefsessel und der Präsident geduckt mit kleinem Kopf daneben? Wenn es um eine verborgene Hierachie gänge, hat dieses Photo einige Aussagekraft.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×