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22.08.2013

06:32 Uhr

Sitzungs-Protokoll

Die Fed spricht in Rätseln

VonNils Rüdel

Wann wird die US-Notenbank Fed damit beginnen, ihre milliardenschweren Stützungsprogramme zurückzufahren? Investoren hatten sich Hinweise aus dem jüngsten Sitzungs-Protokoll erhofft. Die Verwirrung ist nun umso größer.

Geldpolitik

US-Notenbank Fed: Ende der Geldflut nicht in Sicht

Geldpolitik: US-Notenbank Fed: Ende der Geldflut nicht in Sicht

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Bei den Sitzungen der US-Notenbank Fed scheint es zuzugehen wie bei einem vogelkundlichen Experiment. Zumindest in den Analysen hinterher. Da ist dann viel die Rede von „Tauben“ und „Falken“, und wer von beiden sich diesmal durchgesetzt hat. Die Falken stehen für eine strenge Politik und haben vor allem die Inflation im Blick. Die Tauben dagegen sorgen sich eher um die Arbeitslosigkeit und nutzen allerhand geldpolitische Instrumente aus, um das Wachstum zu stützen.

Weltweit warten die Investoren derweil auf Hinweise darauf, wer in Washington die Oberhand gewinnt. Sie suchen nach kleinsten Hinweis-Krümeln, wann die Fed ihre milliardenschweren Ankäufe von Staatsanleihen und Immobilienpapieren zurückfahren und ihre Nullzinspolitik beenden will. Die Protokolle der jüngsten Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) Ende Juli müssen deshalb enttäuschen: Die Tauben haben weiter das Sagen, vorerst bleibt alles so, wie es ist. Keine Hinweise auf einen Termin.

Bernanke-Nachfolge: Bulldozer vs. Taube

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Bulldozer vs. Taube

Auch wenn US-Notenbankchef Ben Bernanke noch nicht gesagt hat, dass er aufhören will, tobt schon der Kampf um seine Nachfolge. Als Favoritin gilt Vize Janet Yellen – doch ein alter Bekannter setzt auf eine zweite Chance.

Wohl sind auf dem Treffen ein paar Federn geflogen, doch die Notenbanker stehen weiter hinter dem Zeitplan ihrer obersten Taube, Fed-Chef Ben Bernanke. Der hatte im Juni gesagt: „Später“ in diesem Jahr könnte der Rückzug beginnen und 2014 abgeschlossen sein. Viele erwarten deshalb, dass es beim nächsten Treffen der Notenbanker Mitte September soweit sein könnte.

Dennoch sorgte das Protokoll am Mittwochnachmittag Washingtoner Zeit für Verwirrung. Es ist so formuliert, dass jeder etwas anders herauslesen kann. Die meisten Aussagen in die eine oder andere Richtung werden sofort durch eine Gegenmeinung neutralisiert.

Einige Ausschuss-Mitglieder sehen demnach die US-Wirtschaft auf einem guten Weg, sodass sie bald ohne Hilfe auskommt. Andere sind pessimistischer, sie wollen noch mindestens bis Dezember warten und erst dann entscheiden. „Das einzig Klare ist“, moserte die „New York Times“, „dass die Fed beabsichtigt, die Wall Street – und den Rest der Welt – weiter raten zu lassen“.

Gemeint sind Formulierungen im Protokoll wie diese: „Fast alle Mitglieder des Komitees stimmten darin überein, dass eine Änderung des Ankaufprogramms noch nicht angebracht ist“, heißt es an einer Stelle. Allerdings seien andere Teilnehmer der Meinung, „dass es bald Zeit sein könnte, das Tempo der Ankäufe ein wenig zu verlangsamen“. Die jüngsten Konjunkturdaten bezeichnet das Protokoll überdies als „gemischt“.

Kommentare (32)

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Account gelöscht!

22.08.2013, 06:54 Uhr

Der Alkoholiker braucht also neuen Stoff, und das noch lange, bevor der Entzug beginnt, wenn überhaupt.
Dollar entwerten, d.h. neu drucken bis zum Erbrechen und die Finanzmärkte füttern.
Aktienkurse spiegeln doch wegen dem billigen Geld schon längst nicht mehr die Wirtschaftskraft der Unternehmen wider. Reine Zockerbude geworden!
Wir können darauf warten, daß die Inflation zuschlägt, der Dow und andere Indizes die Hälfte verlieren, und die gesamte Blase auf den Boden der Realität zurück kommt!
Irgendwann muß der König USA erkennen, daß er nackt, d.h. total pleite ist. Wird aber leider damit einen großen Teil der Welt mit sich in den Abgrund reinreißen.
Können uns dann bei Obama und Bernanke bedanken.

Account gelöscht!

22.08.2013, 06:57 Uhr

Mit dieser Verunsicherung scheffeln GoldmanSachs& Co ihr Geld. Man kann davon ausgehen, dass sie besser informiert sind, als der Rest der Welt und ihr Zockerverhalten entsprechend einrichten.
Es wird Zeit, daß das Spielgeld Dollar durch eine ernsthafte Leitwährung abgelöst wird.

hein_bloed

22.08.2013, 07:15 Uhr

Völlig richtig Ihre Analyse. Es wäre auch schön, wenn nicht mehr behauptet würde, QE3 diene dem Wachstum und den Arbeitsplätzen.
Denn für 40Mrd.$ kauft die FED monatlich MBS, für 45 Mrd. 10-30jährige, höher verzinste Staatsanleihen zurück.
Der Effekt, dass dadurch der Leitzins niedrig bleiben kann, sorgt noch lange nicht für neue Jobs in der Realwirtschaft.

Stattdessen wird mit den 40 Mrd. ein Bankencrash verhindert, und die Finanzwirtschaft kann mit dem vielen billigen Kredit eine Aktienblase aufbauen. Durch den Ankauf der Staatsanleihen finanziert die FED die Hälfte des US-Haushalts.

Würde die FED QE3 beenden oder drastisch kürzen, würden die Zinsen steigen, die Aktienbörsen ohne "frisches Geld" weltweit einbrechen, und anschliessend die Anleiheblase platzen, denn ALLE wollen dann die Staatspapiere mit Rendite...

Wir gehen pleite, wer kommt mit?

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