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13.11.2013

11:19 Uhr

Skandal erreicht Europa

EU nimmt Aluminiummarkt ins Visier

ExklusivDer Skandal um mögliche Manipulation auf dem Markt für Aluminium in den USA beschäftigt nun auch die Wettbewerbshüter der EU. Sie wollen die Rolle von Investmentbanken, Hedgefonds und Rohstoffhändlern am Markt prüfen.

Konzerne wie Coca-Cola beschweren sich über die hohen Aluminiumpreise. dpa

Konzerne wie Coca-Cola beschweren sich über die hohen Aluminiumpreise.

BrüsselDie Frage, wie groß die Manipulationen auf dem Markt für Aluminium in den USA sind, beschäftigt nun auch Europa. Die Kartellwächter in Brüssel nehmen nach einem Bericht des Handelsblatts offenbar die Lagertätigkeit von Investmentbanken und Rohstoffhändlern ins Visier. Das geht aus einer Antwort von Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia auf eine Anfrage aus dem EU-Parlament hervor. Weil sie ihre „Monitoring- und Durchsetzungsmaßnahmen schützen“ wolle, so die Kommission, halte sie es zum gegenwärtigen Zeitpunkt für unangemessen, „zu Maßnahmen Stellung zu nehmen, die in Europa oder den USA ergriffen werden könnten.“ Kartellanwälte sehen in der verklausulierten Formulierung ein klares Indiz dafür, dass die Praxis den Argwohn der Wettbewerbswächter geweckt hat.

„Wir beobachten die Situation“, sagte der Sprecher von Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia am Mittwoch. Investmentbanken, Hedge-Fonds und Rohstoffhändler stehen im Verdacht, mit Liefertricksereien die Preise von Aluminium in die Höhe getrieben zu haben. Unternehmen wie Coca Cola und Boeing hatten sich in den USA darüber beschwert, dass Auflagen der Londoner Metallbörse LME umgangen werden. Auch in Europa sollen sich Unternehmen bei der EU-Kommission zumindest inoffiziell beschwert haben.

Almunia habe dem EU-Parlament am 9. Oktober mitgeteilt, dass die Brüsseler Behörde regelmäßig mit US-Regulierungsstellen bei kartellrechtlichen Fragen an den Rohstoffmärkten zusammenarbeite, sagte der Sprecher. Es sei aber zu früh, bereits über Maßnahmen zu sprechen, die als Reaktion auf mutmaßliche Tricksereien in Europa oder den USA ergriffen werden könnten.

Die großen Akteure im Rohstoffhandel

Platz 5

Das Unternehmen Mercuria Energy Group rangiert auf dem fünften Platz der Rohstoffhändler. 2011 erzielte der Konzern mit Sitz in Genf einen Umsatz von 75 Milliarden Dollar.

Platz 4

Der Konzern Gunvor handelt mit Erdöl und Ölprodukten. Das Unternehmen erwirtschaftete 2011 einen Umsatz von 80 Milliarden Dollar.

Platz 3

Der niederländische Konzern Trafigura rangiert auf Platz drei unter den umsatzstärksten Rohstoffhändlern. Das Unternehmen mit Sitz in Amsterdam hat sich auf den Handel von Ölprodukten sowie Industriemetalle spezialisiert. Die Niederländer setzten 2011 122 Milliarden Dollar um.

Platz 2

Das zweitgrößte Unternehmen im Rohstoffgeschäft ist Glencore. Der einst verruchte Konzern mit Hauptsitz im Schweizer Konzern Zug erwirtschaftete 2011 einen Umsatz von 186 Milliarden Dollar. Das Unternehmen deckt nahezu den gesamten Grundgüterhandel von Industrie- und Edelmetallen über Agrargüter bis hin zu Öl, Gas und Strom ab.

Platz 1

Der größte Rohstoffhändler der Welt mit einem Umsatz von 297 Milliarden Dollar ist Vitol. Der Konzern mit Hauptsitzen in Rotterdam und Genf ist auf den Ölhandel spezialisiert. Zudem ist das Unternehmen im Erdgas-, Emissions-, Energie- und Biotreibstoffhandel aktiv.

Quelle: Bloomberg, Unternehmensangaben

Der weltweite Handel von Aluminium wird von der LME geregelt, befindet sich aber zu großen Teilen in der Hand weniger Investmentfirmen. Dazu gehören große US-Investmentbanken wie Goldman Sachs und der Rohstoffhändler Glencore. Nach Auskunft der Kommission gibt es im EU-Bankenrecht derzeit keine expliziten Vorschriften, nach denen Banken in Bezug auf den Besitz physischer Vermögenswerte Einschränkungen unterliegen.

Kritikern ist das ein Dorn im Auge. Sie monieren, dass das Fehlen klarer Vorschriften Marktmanipulationen Tür und Tor öffne. „Es wird Zeit, dass auch in Europa etwas geschieht“, sagt Reinhard Bütikofer, Rohstoffexperte der Grünen im Europaparlament, mit Blick auf die Untersuchungen in den USA. „Wir benötigen Transparenzauflagen – und dafür wird auch die EU-Kommission gebraucht.“

Dass Brüssel alarmiert ist, zeigt ein Fall aus der Vergangenheit, auf den die Kommission in ihrer Antwort Bezug nimmt. Im Rahmen der Untersuchung des Zusammenschlusses von Glencore und Xstrata hatte Kommissar Almunia auch die Tätigkeiten der Konzerne in den Bereichen Lagerung und Logistik untersucht und beanstandet, der Zusammenschluss der beiden Rohstoffkonzerne berge das Risiko, diese könnten das Angebot an Zinkmetall in der EU kontrollieren. Deshalb hatte Glencor vor der Fusion Zugeständnisse machen müssen.

Von

lud

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