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11.05.2016

16:59 Uhr

Skandal in Paris

Frankreichs Politik – ein Hort für Grapscher?

VonThomas Hanke

Finanzminister Sapin soll einer Journalistin an den Slip gefasst haben. Dem Grünen-Abgeordneten Baupin werfen gleich acht Frauen sexuelle Belästigung vor. In Frankreichs Politikszene ist das offenbar keine Ausnahme.

Französische Politikerinnen wollen nicht länger über sexuelle Belästigung schweigen. AFP; Files; Francois Guillot

Parlament in Paris

Französische Politikerinnen wollen nicht länger über sexuelle Belästigung schweigen.

ParisDie Zeit, in der französische Politiker ihre Kolleginnen oder Mitarbeiterinnen ungestraft sexuell belästigen konnten, scheint abzulaufen. Gegen Denis Baupin, einen Abgeordneten der Grünen, der Vizepräsident der Nationalversammlung ist, erheben jetzt acht Abgeordnete oder Angestellte der Grünen schwere Vorwürfe. Baupin habe sie begraptscht, versucht, sie zum Sex zu zwingen und, nachdem sie sich weigerten, bedroht: „Du kriegst nie wieder einen Job in unserer Fraktion!“ Acht Frauen meldeten sich nach einer Recherche des Online-Mediums Mediapart und des französischen Radios France Inter zu Wort.

Im Zuge dieses Skandals kommt es noch zu ganz anderen Enthüllungen. Der französische Finanzminister Michel Sapin hat sich für sein „unangemessenes Verhalten“ gegenüber einer Journalistin entschuldigt. Sapin wehrte sich auf einer Pressekonferenz gegen „verleumderische Behauptungen“.

Acht Abgeordnete oder Angestellte der Grünen erheben schwere Vorwürfe gegen Baupin. Er soll sie begraptscht und versucht haben, sie zum Sex zu nötigen. AFP; Files; Francois Guillot

Denis Baupin

Acht Abgeordnete oder Angestellte der Grünen erheben schwere Vorwürfe gegen Baupin. Er soll sie begraptscht und versucht haben, sie zum Sex zu nötigen.

In einem gerade veröffentlichten Buch wird eine Szene vom World Economic Forum in Davos 2015 geschildert. Eine Journalistin habe sich gebückt, um einen Stift aufzuheben, dabei sei ihr Rock hochgerutscht, woraufhin Sapin gerufen habe: „Oh, was zeigen Sie mir denn da!“ Anschließend habe er an ihrem Slip gezogen.

Sapin bezeichnete das als frei erfunden. Später schickte er aber ein Kommuniqué an die Agentur AFP, in dem er sich für „mein unangemessenes Verhalten“ entschuldigt: Er habe während des fraglichen Vorfalls eine Journalistin „auf ihre Kleidung“ angesprochen und sie dabei „am Rücken berührt“. Die Journalistin sei empört gewesen, habe eine Entschuldigung von ihm verlangt.

Sind Sie schon einmal Opfer von Sexismus am Arbeitsplatz geworden?

„Allein schon die Empörung der Dame zeigt, dass mein Verhalten falsch war“, gab sich der Minister reumütig. Bei einem Gespräch mit ihr habe er sie um Verzeihung gebeten. Sein Verhalten tue ihm immer noch leid. Sapin ist offenbar bemüht, den fraglichen Vorfall so schnell wie möglich von dem Skandal um Baupin zu trennen. Seine Schilderung wird mehr oder weniger gestützt von der Version, die eine Frauenvereinigung namens „Pfoten weg!“ veröffentlicht: Danach hat Sapin der Journalistin an den Rücken gefasst, aber weder ihren Slip noch ihren Po berührt.

Rousseau wirft dem Parteifreund Baupin vor, sie am Rande einer Versammlung der Grünen belästigt zu haben. „Er drückte mich gegen die Wand, fasste mir an die Brust und versuchte, mich zu küssen“, sagt sie. AFP; Files; Francois Guillot

Sandrine Rousseau

Rousseau wirft dem Parteifreund Baupin vor, sie am Rande einer Versammlung der Grünen belästigt zu haben. „Er drückte mich gegen die Wand, fasste mir an die Brust und versuchte, mich zu küssen“, sagt sie.

Der Fall Baupin löst in Frankreich nicht nur eine mediale Lawine aus. Es hat den Anschein, als würden nun mehr Frauen, die in der politischen Szene Opfer von Belästigung werden, ihr Schweigen brechen. Die Abgeordnete Sandrine Rousseau sagte Mediapart, sie sei schon 2011 im Vorort von Montreuil am Rande einer Versammlung der Grünen von Baupin belästigt worden.

„Auf dem Gang zu den Toiletten kam er hinter mir her, drückte mich gegen die Wand, fasste mir an die Brust und versuchte, mich zu küssen.“ Sie habe ihn weggestoßen und sei wieder in den Sitzungssaal gegangen. Völlig verstört von dem Zwischenfall habe sie einen Kollegen informiert, der habe nur gesagt: „Ach, fängt er schon wieder an!“ Da sie noch völlig neu in der Fraktion gewesen sei und Baupin ein wichtiger Funktionär, habe sie aus Angst vor Repressalien den Fall nicht angezeigt.

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