Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.06.2017

17:17 Uhr

Die Bundeskanzlerin hat gegen die Ehe für alle gestimmt. AP

Angela Merkel

Die Bundeskanzlerin hat gegen die Ehe für alle gestimmt.

Boris Becker bekommt einen Bankrott-Bescheid, der Modeste-Transfer nach China platzt: Das sind saftige Schmankerl, aber keine wirklichen Überraschungen. Die lassen nämlich unter die Oberfläche blicken. Bei Merkel zum Beispiel. Nach Jahrzehnten strammer Homophobie in der Union plädiert sie, die sich mit der Wende ja auskennt, auf einmal für die Ehe für alle – und bringt sie auch durch, genauso überraschend und genauso schnell wie die Energiewende und die Öffnung des Landes für alle Flüchtlinge. Natürlich macht sie das aus Machtkalkül, um der SPD ein Thema zu nehmen. Aber vielleicht, Ironie der Geschichte, wird man sich an sie eher wegen solcher Spontanitäten erinnern und nicht wegen ihrer typischen zaudernden Beständigkeit.

Wenig überraschend war es zwar, dass nach monatelangen Demütigungen vor allem wegen der exorbitanten Kostensteigerungen die Elbphilharmonie nun als eine der größten Leistungen moderner Architektur gefeiert wird – historisch vergleichbar allenfalls mit der Oper in Sydney, dem Kölner Dom und den Pyramiden von Gizeh. Überraschend dagegen schon, dass auch viele andere Bauwerke im Kulturbereich unter immensen Kostensteigerungen leiden: Die Renovierung der Staatsoper unter den Linden in Berlin soll 400 Millionen Euro kosten, das Pergamonmuseum 477 Millionen. Für das Münchner Kulturzentrum Gasteig werden 450 Millionen veranschlagt, aber das ist ja auch schon 30 Jahre alt. Die Kölner Oper schlägt mit 570 Millionen Euro zu Buche. Die Sanierung von Frankfurter Oper und Schauspiel kostet nach derzeitigem Stand sogar 840 Millionen Euro: Das sind noch knackige 50 Millionen mehr, als die Elphi gekostet hat. Kein Geschrei, nirgendwo. Und all diese Vorhaben sind architektonisch weit weniger spektakulär als das glitzernde Konzerthaus über dem Hamburger Hafen.

Überraschend ist auch, dass der Skandal um die fehlgeleiteten MP3-Lizenzen am IRT-Institut, einer Tochtergesellschaft von ARD und ZDF, über den wir an dieser Stelle schon einmal berichtet haben, sich immer weiter zum Krimi über das Leben in der Anstalt entwickelt. Im Laufe der Ermittlungen entsteht die Vision eines Instituts, in dem die Führungsetage anscheinend die Patenterlöse aufgespalten hat, um die Gewinne aus den Technologien an deren Erfindern (wohlgemerkt: den Angestellten des Instituts) vorbeizuleiten. Damit war die Gesellschaft, wenn sich das bewahrheiten sollte, so sehr beschäftigt, dass sie gar nicht merkte, wie sie selbst um 200 Millionen Euro betrogen wurde. Dieses Kunststück hat wohl der verantwortliche Patentanwalt mit Hilfe der weltweit führenden Patentagentur Sisvel aus Italien vollbracht. Dass öffentlich-rechtlicher Rundfunk so funktioniert, hatte man sich schon immer genau so vorgestellt. Wir freuen uns schon auf die Überraschungen, die die Ermittlungen sonst noch so für uns bereithalten.

Ein sonniges Wochenende!

Dieser Artikel ist exklusiv in der Smartphone-App Handelsblatt 10 erschienen, die jeden Tag mit 10 Autorenstücken die wichtigsten Themen des Tages zusammenfasst. An jedem Freitag präsentieren wir Ihnen die Höhepunkte die Kolumne „Small Talk“. Was Handelsblatt 10 sonst noch alles zu bieten hat, erfahren Sie hier.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×