Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.12.2013

12:03 Uhr

Snowden-Dokumente

Schweden spionierte russische Führung aus

Ein Bericht enthüllt eine offenbar enge Kooperation zwischen der NSA und dem schwedischen Geheimdienst FRA. Demzufolge soll Schweden dem US-Geheimdienst Informationen über die russische Führung geliefert haben.

Edward Snowdens Dokumente betreffen jetzt auch Schweden. AFP

Edward Snowdens Dokumente betreffen jetzt auch Schweden.

StockholmSchweden hat einem Medienbericht zufolge dem US-Geheimdienst wertvolle Informationen über die russische Führung geliefert. Der schwedische Geheimdienst FRA sei ein „führender Partner“ bei der Überwachung der Internet- und Telefonkommunikation aus Russland, zitierte der schwedische Rundfunk SVT am Donnerstag aus Dokumenten des US-Geheimdiensts NSA.

Die Dokumente stammen von dem früheren US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden und wurden von dem Enthüllungsjournalisten Glenn Greenwald an den SVT weitergegeben.

Wo die NSA im Ausland spioniert hat

Frankreich

Für Empörung sorgt diese Woche ein Bericht der französischen Tageszeitung „Le Monde“, wonach die NSA allein innerhalb eines Monats – zwischen dem 10. Dezember 2012 und dem 8. Januar 2013 – 70,3 Millionen Telefonverbindungen in Frankreich überwachte. Bereits Anfang Juli hatte der britische „Guardian“ berichtet, der Geheimdienst habe unter anderem Frankreichs diplomatischen Vertretungen in Washington und bei den Vereinten Nationen in New York ausgespäht. Im September berichtete der „Spiegel“ auch von Spähangriffen gegen das französische Außenministerium in Paris.

USA

Die „Washington Post“ und der „Guardian“ berichten Anfang Juni, die NSA und die US-Bundespolizei FBI würden auf Serverdaten der großen Internetkonzerne wie Yahoo, Facebook, Google und Microsoft zugreifen. Der Name des geheimen Überwachungsprogramms: Prism.

Großbritannien

Der „Guardian“ berichtet Mitte Juni unter Berufung auf die Snowden-Dokumente, der britische Geheimdienst habe vor vier Jahren Delegierte von zwei in London stattfindenden G-20-Treffen ausgespäht. Ziele waren demnach die Delegationen Südafrikas und der Türkei. Die NSA soll bei der Gelegenheit versucht haben, ein Satelliten-Telefongespräch des damaligen russischen Präsidenten Dmitri Medwedew nach Moskau abzuhören.

EU und Uno

In seiner Ausgabe vom 1. Juli berichtet der „Spiegel“, die NSA habe in EU-Vertretungen in Washington, New York und Brüssel unter anderem Wanzen installiert. Auch sollen interne Computernetzwerke infiltriert worden sein. Ende August berichtet der „Spiegel“, die NSA habe auch die Zentrale der Vereinten Nationen in New York ausspioniert. Dem Geheimdienst gelang es demnach, in die interne Videokonferenzanlage der Uno einzudringen.

Brasilien

Der brasilianische Sender „Globo“ berichtet Anfang September, die NSA habe Telefonate und Internetkommunikation von Staatschefin Dilma Rousseff und ihren Mitarbeitern überwacht. Auch Unternehmen wie der Ölkonzern Petrobras und Millionen brasilianischer Bürger sollen ausgespäht worden sein. Verärgert verschiebt Rousseff einen für Oktober geplanten Staatsbesuch in den USA auf unbestimmte Zeit.

Mexiko

Der „Spiegel“ berichtet diese Woche, schon 2010 sei es einer NSA-Spezialabteilung gelungen, in das E-Mail-Konto des damaligen mexikanischen Präsidenten Felipe Calderón einzudringen. Calderóns Nachfolger Enrique Peña Nieto forderte Anfang September Erklärungen von den USA, nachdem Globo berichtet hatte, die NSA habe ihn während des Wahlkampfs 2012 ausgespäht.

China

In einem Interview mit der Zeitung „South China Morning Post“ aus Hongkong gibt Snowden an, die NSA hätten chinesische Mobilfunk-Konzerne gehackt und Millionen von SMS ausgespäht. Demnach verübte die NSA auch Cyber-Attacken auf die Tsinghua-Universität in Peking. Dort sind sechs zentrale Netzwerk-Schaltstellen untergebracht, über die Chinas gesamter Internetverkehr läuft.

Der FRA habe der NSA eine „einzigartige Sammlung“ von Informationen zur Führung in Moskau und der russischen Innenpolitik geliefert, zitierte SVT aus einem Dokument. In einem anderen Dokument wurde demnach die Bedeutung des Zugangs zu Internet- und Telefonkabeln hervorgehoben, die über schwedisches Gebiet verlaufen. Ein FRA-Sprecher bezeichnete es als „sehr schmeichelhaft“, dass der schwedische Geheimdienst eine führende Rolle spielen solle, wollte aber nicht bestätigen, dass er für die US-Kollegen die russische Führung ausspioniert habe.

Von

afp

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Darwin

05.12.2013, 12:36 Uhr

Wenn Alle über die Anderen Bescheid wissen, dann macht es doch Sinn einfach ehrlich miteinander umzugehen. Dann könnte man ich das Geld für die gigantischen Apparate sparen. Aber die Arbeitsplätze ...(Der Mensch im aktuellen Bewusstseinszustand ist ein klares Auslaufmodell)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×