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03.06.2014

12:42 Uhr

Snowden-Serie, Teil 2

Der Mann ohne Heimat

VonAxel Postinett

Whistleblower Edward Snowden verschwand vor fast einem Jahr von der Bildfläche. Derzeit lebt der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter irgendwo in Russland. Dabei gibt es einen Ort auf der Welt, an dem er viel lieber wäre.

Snowden-Unterstützerplakat: Kein Pass, keine Einreise. dpa

Snowden-Unterstützerplakat: Kein Pass, keine Einreise.

New YorkWenn er könnte, wie er wollte, wäre die Sache einfach für Edward Snowden: „Wenn es irgendeinen Ort auf der Welt gibt, wo ich sein möchte, dann wäre das zu Hause“, sagte der amerikanische Geheimdienst-Informant kürzlich. Aber das ist auch im Moment gleichzeitig das unwahrscheinlichste Ziel für ihn. Denn dort, in den USA, ist er der Spionage angeklagt. Es droht eine bis zu 30-jährige Haft. Seit am 6. Juni vor einem Jahr seine ersten Enthüllungen in der „Washington Post“ und im britischen „Guardian“ erschienen, ist Snowden auf der Flucht.

Der Ex-Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA hat nur eine Wahl: Er wird einen Antrag auf Verlängerung seines Asylvisums in Russland beantragen. Seit Juni 2013 nennt er, unfreiwillig, wie er betont, Russland seine Heimat. Unfreiwillig, weil er auf dem Moskauer Flughafen gestrandet war, nachdem die USA seinen Reisepass eingezogen hatten. Das erklärte er in einem Interview mit dem US-Sender NBC vor wenigen Tagen.

Kein Pass, keine Einreise

Eine Version, die offizielle US-Stellen zurückweisen. Sein Pass sei bereits ungültig gewesen, als er sich in Hongkong versteckt hielt, nachdem er geheime Unterlagen der NSA an Medien weitergegeben hatte. Snowden betont dagegen, er sei nur auf Durchreise in Moskau gelandet. Ziel sei Lateinamerika gewesen – über Moskau und Kuba. Venezuela, Nicaragua und Bolivien hatten ihre Bereitschaft erklärt, ihn aufzunehmen.

Auslieferungsbegehren durch die USA hatten diese Länder im Vorfeld schon eine Abfuhr erteilt. Nur: Ohne Pass ist jegliche Ausreise aus Russland unmöglich.

Das gilt auch als einer der offiziellen Gründe, warum Snowden nicht nach Deutschland reisen kann. Dort sollte er vor dem Untersuchungsausschuss, der sich mit der Ausspähaffäre der NSA beschäftigt, als Zeuge aussagen. „Es kann nicht sein, dass die Öffentlichkeit nur häppchenweise erfährt, mit welchen Methoden die NSA Bürgerrechte verletzt“, sagte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt jüngst dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die Politik sei den Bürgern eine sorgfältige Aufklärung schuldig: „Dafür brauchen wir Edward Snowden als Zeugen in Berlin.“ Doch noch lautet die Devise: kein Pass, keine Einreise.

Kommentare (4)

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03.06.2014, 13:22 Uhr

Deutschland kann Snowden nicht schützen. Wenn deutsche Politiker das behaupten handeln sie grob fahrlässig oder sie spekulieren darauf das es nie soweit kommt weil andere klüger sind.

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03.06.2014, 13:24 Uhr

Kein Pass, keine Einreise."
Solange wir unser Denken und Handeln von selbst gerufenen Geistern (Bürokratie) und davon bestimmen lassen, was "die Anderen" (wer auch immer das ist...) darüber denken könnten, seh' ich schwarz.
Hoffentlich ändert sich daran sehr(!!!)bald(!!!) was!
Übrigens: "Zu Hause" wären auch fast alle der unzähligen überall (auch noch unerwünschten bis angefeindeten) Flüchtlinge am liebsten!

Account gelöscht!

03.06.2014, 13:41 Uhr

Ich wünsche Snowden aus vollem Herzen alles Gute.

Er hat so viel für die Menschen geleistet.

Selten, dass jemand so viel Rückgrat zeigt.

Er ist wirklich toll.

Hier kann man live verfolgen, wie so jemand fertig gemacht wird.

Eine historische Schande.

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